Die didaktische Reduktion II – Modelle erklären Komplexes

Die Königsdisziplin der didaktischen Verknappung ist wohl das Arbeiten mit Modellen. Modelle zwingen zur Reduktion. Gute Modelle unterstützen mit ihrer Ausdrucksform den Inhalt. Perfekte Modelle sind so etwas wie der Kern einer komplexen Theorie, um diesen Kern legen sich schalenartig die differenzierenden Befunde. Modelle machen es sich zunutze, dass sich Bilder oder bildhafte Strukturen schneller erfassen und besser erinnern lassen als reine Texte.


Inspiration für die didaktische Reduktion mittels einfacher Modellskizzen kann man sich auch ausserhalb der hochschuldidaktischen Fachliteratur und abseits aller Modelltheorie holen – und dies erst noch auf recht vergnügliche Art und Weise. Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler führen uns in ihrem kleinen, feinen Büchlein „Die Welt erklärt in drei Strichen“ (Angaben zum Buch hier) in didaktischer Manier und in extremster Verknappung durch Dutzende von Welterklärungsmodellen und weiten dann den Blickwinkel aus auf Weltveränderungsmodelle.

Didaktisch spannend ist das kleine Werk einerseits durch die extreme Verknappung von komplexen Theorien. Andererseits schaffen es die Autoren mit Hilfe der Illustratoren Philipp Earnhart und Dag Grødal wie im Titel angekündigt, Theorien in einfach Modelle zu giessen, ein Prozess, der zum Basisrepertoire guter Didaktiker/innen gehört.

Wer neben der anregenden Lektüre von „Die Welt erklärt in drei Strichen“ auch die Machart der illustrierenden Modelle studiert und sich die kurze Zeichenschule im Anhang zu Gemüte führt, dem/der wird zukünftig das „Modellieren“ von komplexen Sachverhalten – im Dienste der didaktischen Reduktion – sicher viel leichter fallen. Und wer dann den Prozess des verknappenden Modellierens an die Studierenden übergibt und ihnen die Möglichkeit dieser Methode beim Verarbeiten komplexer Sachverhalte aufzeigt, hat doppelt gewonnen.

PS: Dass übrigens die Didaktik auch in ihrer eigenen Theorie mit Modellen arbeitet, ist wohl kaum eine Überraschung. So hat Karl-Heinz Flechsig mit seinem Team  in den 70er und 80-Jahren den Göttinger Katalog didaktischer Modelle entwickelt (siehe GDKM-Website hier und die Übersicht bei Stangl hier).

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