Prüfen an Hochschulen – 7 Merksätze zum Weiterdenken

Gemeinsamer Blogbeitrag von Bernhard Dittli (Dozent Fachdidaktik Mathematik PH Luzern), Katharina Fischer (Dozentin Fachdidaktik Englisch PH Luzern) und Hermann Lichtsteiner (Leiter Stabsstelle Hochschuldidaktik PH Luzern)
„Prüfungen auf dem Prüfstand“, so hiess eine Kurztagung, die am 14.1.2016 gemeinsam von den hochschuldidaktischen Stellen der PH Zürich und der Universität Bern durchgeführt wurde. Drei Teilnehmer/-innen der PH Luzern ziehen hier in Form von „7 Merksätzen zum Weiterdenken“ ihr ganz persönliches Fazit. „Weiterdenken“ meint dabei sowohl das Denken in die Breite als auch das Denken mit neuen Perspektiven für den zukünftigen Umgang mit erweiterten Assessmentformen in der Hochschullehre.

Assessment an Hochschulen – 7 Merksätze zum Weiterdenken

  1. Bologna dient zu oft als Ausrede für die aktuellen Probleme im Prüfungswesen an Hochschulen. Bologna schreibt weder vor, dass in jedem Modul eine Prüfung stattfinden muss noch verbietet Bologna zusammenfassende und übergreifenden Prüfungen über Module hinweg. Gegen die momentane Flut an Leistungsnachweisen, die Studierende im Laufe ihrer Hochschulkarriere zu absolvieren haben, kann also durchaus etwas getan werden.
  2. Noch viel zu oft gibt es den Lehrplan mit den Unterrichtszielen des/der Dozierenden für ein Modul und den Lernplan der Studierenden, der sich mehrheitlich daran orientiert, was an der Prüfung abgeliefert werden muss. Diese beiden – oft sehr unterschiedlichen – Perspektiven müssen im Modul zwingend thematisiert und im Idealfall zusammengebracht werden.
  3. Roland Tormey formulierte in seiner Keynote zur Tagung sehr bildhaft : „Too often, students don’t know what the teacher is thinking (until it is too late!“. Es scheint zu den Grunderfahrungen von Studierenden zu gehören, dass sie erst nach Prüfung merken, dass ihre Annahmen zu dem, was in der Prüfung wie verlangt wird, nicht mehr als Annahmen waren. Liegt nicht mindestens ein Teil dieser Verantwortung für die Synchronisation dieser Annahmen auch bei den Dozierenden?
  4. Zudem zeigte Roland Tormey unter dem Begriff  „Assessment for Learning“ auf, dass gemäss einer Untersuchung von Black and William (1998) eine formative Beurteilung einen äusserst positiven Einfluss auf die Studierenden hat. Das heisst, dass ein Feedback in Textform, ohne Note, die Studierenden zwingt, sich mit der Analyse ihrer Arbeit intensiv auseinanderzusetzen.
  5. Roland Tormey erwähnte in seinem Referat auch, dass ein Fokussieren das Learning Outcome (das Sichtbarmachen der angestrebten Lernergebnisse) den Studierenden hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, denn die Lernenden haben nur eine beschränkte Aufnahmekapazität, die Grenzen des Arbeitsgedächnisses.
  6. Unter dem Stichwort „Immediate feedback is crucial for learning!“ hat Roland Tormey darauf hingewiesen, dass sofortiges Feedback auf zentrale Fragestellungen in einer Vorlesung oder in einem Seminar für die Studierenden sehr wichtig ist und auch zu einer höheren Qualität in den abschliessenden Assessments beiträgt. In seiner Keynote zeigte er auf, wie dies mit Response Clickers funktionieren kann. Die gleiche Idee kann auch durch interaktive Programme wie Invote oder Socrative erfolgreich umgesetzt werden.
  7. Die Vielfalt der möglichen Prüfungsformen wird zu wenig ausgeschöpft. Wissen Sie was ein 168-Stunden- oder ein RSQC2-Test ist? Auf der spannenden Toolbox der Uni Bern (siehe auch Kurzhinweis aus dem HD-ABC der PH Luzern) können Sie nach Auswahlkriterien Ihre bestehenden Prüfungsformen überprüfen und neue Formen kennenlernen. Da gibt es sehr viel zu entdecken, denn alternative Prüfungsformen werden in kompakter Form vorgestellt.

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