Sich (nicht) mit fremden Federn schmücken – Plagiate vermeiden mit didaktischen Massnahmen (2/3)

Die Digitalisierung hat einiges im Bildungswesen verändert – leider gehört dazu auch die (Un-) Kultur des Schummelns. Copy/Paste macht (Hoch-) Schule! Vor einigen Tagen haben wir deshalb im HD-Blog der PH Luzern fünf Massnahmen aus  hochschuldidaktischer Perspektive zur Plagiatsprävention bei schriftlichen Arbeiten im Bereich der Organisation und Themenfindung vorgestellt. Im vorliegenden 2. Teil richten wir mit den Massnehmen 6 bis 10 den Fokus auf die Rolle der Dozierenden beim Entstehungsprozess von schriftlichen Arbeiten: Es geht um die Themen „Begleiten, Coachen, Vorbild sein“. Dozierende dürfen bei Plagiatsverdacht nicht mehr aus Bequemlichkeit wegschauen, weil sie die Konfrontation und den Aufwand scheuen. Sie können aber durch ihr Verhalten viel dazu beitragen, dass Plagiate gar nicht erst entstehen.


Plagiatspräventions-Massnahmen im Bereich „Begleiten, Coachen, Vorbild sein“

Massnahme 6:
Die ersten (kleinen) Arbeiten im Studium besonders eng begleiten  – oft ist leider gerade das Gegenteil der Fall.
Gleich bei den allerersten Arbeiten an der Hochschule die Verknüpfung herstellen zum wissenschaftlichen Arbeiten. An der PH Luzern können dabei die Dozierenden Bezug nehmen zu den AW-Modulen (Alltag und Wissenschaft). Das AW-Team der PH Luzern hat dazu auch das utb-Studienbuch „Empirisches wissenschaftliches Arbeiten“ herausgegeben (Online verfügbar im Campus-Netz der PH Luzern). Bei den ersten schriftlichen Arbeiten im Studium jeweils kurze Feedback-Schlaufen einführen und in diesen die Arbeit mit Quellen, das Zusammenfassen und Paraphrasieren, das Zitieren etc. zum Thema machen. Zudem sollten die Dozierenden die entsprechenden Schreibberatungs-Angebote ihrer Hochschule kennen und ihre Studierenden darauf aufmerksam machen. An der PH Luzern sind dies die Schreibberatung Deutsch und das Writing Center.

Massnahme 7:
Schriftliche Arbeiten bereits in der Phase der Themenfindung besonders eng begleiten. Immer wieder Verständnisfragen stellen, Begründungen einfordern, Varianten aufzeigen, „im Gespräch bleiben“, …
Eng begleiten heisst für Dozierende nicht unbedingt, dass der Zeitaufwand übermässig gross sein muss. Schon kurze Kontakte und Nachfragen erhöhen die Motivation bei den Studierenden. Mit den Tools der an der Hochschule vorhanden Lernplattform (an der PH Luzern ist dies Moodle) lassen sich Kontakte mit wenig Aufwand pflegen und der Betreuungsaufwand optimieren.

Massnahme 8:
Die Arbeit mit den verschiedensten Quellen laufend in die eigenen Lehrveranstaltungen einbauen. Aufzeigen, was Informationskompetenz im eigenen Fach / Fachbereich heisst.
Über die eigenen Arbeitstechniken reden: Wie komme ich als Dozent zu meinen Informationen? Wie recherchiere ich? Wenn ich mich mit einem neuen Thema beschäftige: Welches sind meine ersten Anlaufstellen? Wie gehe ich selber mit Quellen um? Und auch hier gilt: Diese Art der „Metalehre“ bereits oder vor allem in den unteren Semestern pflegen.
PS: Eine umfassende Darstellung des Themas „Informationskompetenz in der Wissenschaft“ – auch aus der hochschuldidaktischen Perspektive – findet sich im Handbuch Informationskompetenz, herausgegeben von Wilfried Sühl-Strohmenger im Verlag de Gruyter (Neuauflage 2016). Im Netz der PH Luzern haben Sie Zugang zur Online-Version (Ausgabe von 2012).

Massnahme 9:
Nicht – z.B. aus Bequemlichkeit – wegschauen, wenn ein Plagiatsverdacht besteht. Genau hinschauen und bei Bedarf handeln ist ein Gebot der Fairness allen Studierenden gegenüber.
Einem Plagiatsverdacht nachgehen, eventuell zuerst vertraulich im Kreis der Kolleginnen und Kollegen. Bei Bedarf technische Hilfen wie Google, Plagiatssoftware etc. einbeziehen. Besteht der Verdacht weiterhin, ist die Information der Fachleitung bzw. der Studiengangsleitung Pflicht. Entsprechende Prozesse gibt es mittlerweile an allen Hochschulen.
An der PH Luzern koordiniert im Moment die Stabsstelle Hochschuldidaktik das Projekt „Plagiate vermeiden“. Teil dieses Projekts ist auch die Bereitstellung der Plagiatssoftware Turnitin innerhalb der Lernplattform Moodle.

Massnahme 10:
Der Einsatz von Antiplagiatssoftware kann all die vorangehenden Schritte nicht ersetzen. Als Hilfsmittel kann sie aber insbesondere helfen, Inhouse-Plagiate zu unterbinden.

Inhouse-Plagiate spielen bei den aufgedeckten Plagiaten an der PH Luzern eine wesentliche Rolle. Das (teilweise) Kopieren aus bereits einmal abgegebenen Arbeiten scheint an Hochschulen relativ verbreitet zu sein. Der Einsatz von Plagiatssoftware signalisiert den Studierenden (und Dozierenden), dass die Institution die Plagiats-Problematik ernst nimmt. Der Einsatz von Antiplagiatssoftware schärft bei den Dozierenden den Blick für die unterschiedlichen Formen des Plagiats. Zudem zeigen Statistiken, dass durch den Einsatz von Antiplagiatssoftware die Zahl der (entdeckten) Plagiate zurückgeht. Das kann aber auch daran liegen, dass die Studierenden geschickter plagiieren (Plagiats-Cheats etc.).
Eingebettet in eine Gesamtstrategie zur Vermeidung von Plagiaten setzt die PH Luzern auf die Antiplagiatssoftware Turnitin. Diese wird mittels eines Plugins in die Lernplattform Moodle integriert.

Die dreiteilige Serie für Dozierende mit 15 Massnahmen zur Plagiatsprävention aus hochschuldidaktischer Perspektive bei der Konzipierung und Betreuung von schriftlichen Arbeiten:

3 Kommentare zu “Sich (nicht) mit fremden Federn schmücken – Plagiate vermeiden mit didaktischen Massnahmen (2/3)

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