HD-Tool des Monats (September 2016) – Pecha Kucha

In unserer Blog-Serie „HD-Tool des Monats“ verwenden wir den Begriff „didaktisches Tool“ in einem leicht erweiterten Sinne dieses Mal für eine didaktische Methode (auch Methoden haben Werkzeugcharakter). PowerPoint ist in der Hochschullehre, an Konferenzen und Tagungen, bei Konzeptvorstellungen usw. das wohl am meisten verwendete Tool überhaupt. Deshalb macht es Sinn, für einmal das Hauptaugenmerk nicht auf das eigentliche Tool zu legen, sondern auf dessen Anwendung.
PowerPoint-Präsentationen sind oft zu lange, oft überfrachtet und dauern – trotz klarer Vorgaben an Referent/-innen, sich kurz zu halten – zu lange. Ein zentrales Thema der Didaktik ist das Prinzip der Verknappung, des Weglassens, der Konzentration auf das Wesentliche. Gerade, wenn es darum geht, dass mehrere Redner/-innen die Resultate ihrer Recherchen, die Ergebnisse von Aufgaben, ihre Erkenntnisse aus Gruppenarbeiten vorstellen und sich somit Präsentation an Präsentation reiht, wäre eine klare Beschränkung für das Publikum eine Wohltat. Eine mögliche Form der didaktischen Beschränkung ist Pecha Kucha.

Der lautmalerische Begriff kommt aus dem Japanischen (gesprochen Petscha Kutscha) und meint das Stimmengewirr, wenn viele Leute durcheinander reden. Pecha Kucha wurde vor ca. 10 Jahren von zwei Architekten erstmals verwendet, um die die langen Präsentationen von Projektideen zu kürzen. Pecha Kucha macht sich ein Funktion von PowerPoint zu eigen, die den Folienwechsel nach einer bestimmten Zeit automatisch vornimmt. Die entsprechende Einstellung findet sich in PowerPoint unter dem Reiter „Übergänge“; dort lässt sich die Standardeinstellung  „Nächste Folie / bei Mausklick“ ersetzen durch „Nächste Folie / nach …“.

Im klassischen Pecha Kucha werden exakt 20 Folien gezeigt, wobei jede Folie exakt 20 Sekunden aufscheinen darf (muss so in PowerPoint eingestellt sein). Die erste Folie enthält jeweils Titel, Autor/-in, evtl. Institution und gibt die Gelegenheit, die ersten 20 Sekunden für das Einbetten der folgenden Informationen zu benutzen. Die Folien sollen wenn immer möglich dem Prinzip „keep it simple and smart -KISS“ folgen: Wenig Text, vorwiegend Bilder, keine Animationen. Ein Pecha Kucha-Vortrag dauert somit exakt 400 Sekunden (6′ 40″). Natürlich lassen sich die Regeln anpassen, die 400 Sekunden haben sich aber bewährt und sollten keinesfalls ausgedehnt, sondern eher verknappt werden.

Pecha Kucha hat in letzter Zeit vor allem an Tagungen Hochkonjunktur, wohl nicht zuletzt, weil hier PowerPoint die Zeitkontrolle übernimmt und nicht die Tagungsleitung mit der Stoppuhr in der Hand den Referent/-innen das Mikrofon abdrehen muss. Es gibt übrigens eine offizielle Pecha Kucha-Website; hier gibt es Infos zu Pecha Kucha Nights, die in gegen 1’000 Städten rund um die Welt stattfinden. Und wer sich selber mal ein Pecha Kucha anschauen möchte, auf YouTube gibt es eine Vielzahl davon, logischerweise auch einige, welche die Methode Pecha Kucha gleich in Form eines Pecha Kuchas erläutern.

Übrigens: Dieser Blog-Beitrag umfasst, um der Thematik Pecha Kucha auch formal etwas gerecht zu werden, exakt 20 Sätze.

 

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