Räubertochter – nach Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren

Räubertochter-Blog

Ein Novembertag. Neblig und feucht. Pia Anderhub und ich steuern nach einer stündigen Zugfahrt schnurstracks das Tojo Theater in der Berner Reitschule an. Der gemütliche Theaterraum ist bereits gut gefüllt mit Schulklassen. Es ist kurz nach 9 Uhr morgens. In ein paar Minuten beginnt die Vorstellung. Der Welterfolg von Astrid Lindgren steht auf dem Programm. Das Théâtre de la Grenouille spielt unter der Regie von Charlotte Huldi eine Adaption dieser Romeo und Julia Geschichte mit Happy End.

Auf der Bühne stehen tischartige Podeste in unterschiedlichen Höhen und Grössen. Drei Männer und zwei Frauen teilen sich die vielen Rollen.

Für eine der Frauen, für die Musikerin und Sängerin und Darstellerin der Mutter von Ronja, steht ein Mikrofon und eine Loopmaschine bereit. Mit nichts als ihrer eigenen Stimme und ihren Atemgeräuschen baut sie eine stimmige Waldatmosphäre auf. Weitere passende Soundteppiche ergänzt durch Rasseln und andere einfache Geräuscherzeuger folgen und begleiten und unterstützen uns und die Spieler durch die ganze Geschichte. Einmal erklingt eine Melodica. Immer wieder werden Lieder gesungen.

Die Räubertochter mit ihren wilden Haaren jagt und tollt mutig, agil und lebensfroh durch den Mathiswald. An ihr orientieren sich die Schülerinnen und Schüler. Ihre Freude, ihre Verzweiflung, ihre Entscheidungen, ihr Schicksal, ihre Einsamkeit, ihre heimliche Zweisamkeit, ihr Räuberleben … können sie mitverfolgen und miterleben. Pia und ich nehmen wahr, dass sich das Schülerpublikum für Ronja und die Räuberwelt interessieren.

Die drei Männer wechseln ihre Rollen immer wieder. Mal stellen sie die Mathisräuberbande dar – zu erkennen an den gestrickten Wollzipfelmützen, mal wenden sie sich direkt ans Publikum – dann ohne Kopfbedeckung – und treiben erzählend die Geschichte voran. In ausgedehnten Choreografien, begleitet vom stimmungsvollen Klangteppichen, bewegen sich die Spieler und Spielerinnen und manchmal auch die tischartigen Podeste im ganzen Bühnenraum. Auf den Tischplatten sind farbige Projektionen zu erkennen und laden ein, die wilde Natur im Mathis-Räuberwald zu imaginieren.

Für die verschiedenen Schauplätze werden die Tisch-Podeste immer wieder umgruppiert und lassen viel offenen Raum für die Phantasie des Publikums.

Die Schlüsselmomente der Geschichte werden in kurzen Szenen und Dialogen dargestellt. Ich merke, dass ich die Wechsel von der Choreo- und Soundebene auf die Erzähl- und Dialogebene selten oder nie nahtlos schaffe. Stimmig eingebettet bleibt mir diese Szene in Erinnerung: Birk und Ronja sind von zu Hause abgehauen und wollen in der Bärenhöhle ohne Eltern ein eigenes Leben leben. Ein Mathisräuber taucht auf und bringt Ronja ein Stück Brot. Ronja ist hungrig. Ich sehe, wie der Geruch des Brotes bei Ronja Heimweh auslöst und lasse mich berühren vom Mathisräuber, der mehrmals und mit englischem Akzent sagt: «Chum hei!»

Solch dichte und berührende Momente hätte ich mir in den Szenen und Dialogen noch mehr gewünscht.

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Ein Kommentar zu “Räubertochter – nach Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren

  1. Auch ich war sehr begeistert von der Ronja. Ich schaute sie mir am 3. November in Biel an! Mit dabei war auch meine 12jährige Tochter. Sie war begeistert von der wirbligen Ronja. Ich bemerkte auch, dass sie ihr manchmal leid tat, sie fieberte mit ihr mit. Leider, leider ist das Bühnenbild zu gross für unser kleines Somehuus in Sursee.

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