Die letzten Räuber

Räuber-Blog

Am 3. Dezember erlebe ich mit anderen unerschrockenen Menschen einen Theaterbesuch im GZ Buchegg, Zürich. Etliche Schulklassen der 1. – 3. Primarstufe warten auf den Einlass. Wir betreten den Saal und treffen auf eine Bühne, die dunkel und düster wirkt. Ins Auge fällt der Räuberwald, markiert mit schwarzen Stäben, die an Wischmops erinnern. Diese können dank starken Magneten immer wieder umgruppiert werden und deuten im Verlaufe des Stückes Wald, Shoppingcenter, Kleiderständer, Tierkäfig und am Schluss verkehrtherum aufgehängt den Urwald an. Auf dem schwarzen Bühnenboden sind rote, weisse und blaue Markierungen zu sehen. Eine Stellwand auf Rollen, ein sitzbankähnlicher Quader und ein Paravent – alle Teile in schwarz – stehen bereit.

Sofort tauchen wir ein in den Räuberwald und die Räuberwelt. Wir lernen die drei letzten Räuber kennen. Einer ist der Chef und es ist ihm wichtig, dass das auch so bleibt. Ein anderer hat eine elektrische Gitarre dabei, begleitet die Räuberlieder und untermalt die Szenen mit stimmigen Tönen. Wir sehen, wie die drei Räuber wüst und wild tun, Würste essen, ihre Freiheit geniessen und Leute ausrauben. Bald schon treffen sie auf das heimatlose Waisenkind Olivia. Sie ist furchtlos und freiheitsliebend. Sie liebt das wilde Leben im Wald und wird  sofort in die Räuberbande aufgenommen. Olivia ist eine kindergrosse Puppe und wird von der Schauspielerin geführt, die den dritten Räuber, Rodriguez spielt. Ich spüre, wie das junge Publikum sich mit Olivia identifiziert.

Diese Räuberidylle wird plötzlich gestört. Der Förster Hungerbühler vertreibt das Quartett aus dem Wald. Nicht etwa weil sie Räuber sind, sondern weil sie im Weg sind und Platz machen müssen für einen neu entstehenden Naturpark samt Besucherzentrum. Die Vertriebenen versuchen sich in der Stadt zurechtzufinden. Dort bedienen sie sich schamlos im Supermarkt und werden von der Polizei verfolgt und vertrieben. Sie verlieren sich aus den Augen. Einzig Rodriguez und Olivia bleiben zusammen. In einem Zoo entdecken Sie ein Biest, das Letzte seiner Art. Sie haben Mitleid mit dem armen Tier und befreien es. Dem Biest folgend, kommen sie in den Urwald. Dort trifft das Biest auf seine Artgenossen und Olivia und Rodriguez entdecken die beiden verlorengeglaubten Räuberkollegen. Hier im Urwald finden die Vier eine neue Heimat und alles was sie brauchen. Der Chef ist froh, dass er nicht mehr alleine ist. Es ist ihm nicht mehr so wichtig, dass er der Chef ist.

Ich notiere mir ein paar Fragen: Wo kann man so leben wie man gerne möchte? Wer lebt sonst noch dort? Worauf muss man verzichten, wenn man dort leben will? Sind wir wirklich bald soweit, dass es überhaupt keine Freiheit mehr gibt? Sind die Regeln, die das Zusammenleben ermöglichen tatsächlich so einengend? Gibt es für Sonderfälle und rare Arten wirklich keinen Platz mehr? Sollen Räuber geschützt werden?

Spannend für die Kinder an diesem Theatererlebnis sind sicher die lustvollen Grenzüberschreitungen der Räuber und vermutlich die Sehnsucht nach Wildheit und Freiheit. Eine Sehnsucht, die wohl alle Menschen haben.

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