BAMBI – nach dem Roman von Felix Salten

Bambi-Blog

Aus der Luzerner Nebelsuppe geht es heute an die Basler Dezembersonne. Nach einem Spaziergang durch die vorweihnachtliche Stadt treffe ich pünktlich im Vorstadttheater ein und tauche an diesem 13. Dezember mitten in den Frühling ein. «Wenn der weisse Flieder wieder blüht» ist ganz leise zu hören. Die zwei Schauspieler und die Schauspielerin sitzen in Reih und Glied mit übergeschlagenen Beinen in kniehohen weissen Gamaschen und in Tanzschuhen mit relativ hohem Absatz seitlich der Bühne bereit. Sie erwarten freudig die Ankunft des Publikums beziehungsweise des Frühlings. Es bleibt viel Zeit, sich auf die Bühnensituation einzustimmen.

Aufeinandergeschichtete «Holzrugel» deuten Bäume an. Reisigbesen ohne Stiel erinnern an Büsche. Hinter den Schauspielern entdecke ich eine Garderobe mit vielen verschiedene Kleidern. Zwei Mikrophone im Retrostil stehen vielversprechend vorne links auf Stativen. Eine Holzleiter führt zu einem Hochsitz. Hinter der Opera Folie liegt vermutlich noch eine weitere Welt versteckt.

In pathetischen Worten von Felix Salten – dem Autor von BAMBI – werden wir von den Schauspielern in einen Wald entführt, wo soeben ein Reh geboren wurde. Wir lernen, dass das Reh ein Fluchttier ist, und so schnell wie möglich auf die Beine kommen muss. Wie der Darsteller von Bambi dieses «auf die Beine kommen» unter der Leitung von Mutter Reh spielt, ist so packend und faszinierend, dass wir gerne tiefer in diese Lebensgeschichte aus dem Walde eintauchen wollen.

Zusammen mit der Elster, die auf dem Hochsitz ihr Nest hat, begleiten wir Bambi durch alle Jahreszeiten. Die eingespielte Musik unterstützt die Frühling-, Sommer-, Herbst- und Winter-Stimmung. Über die Mikrophone können die Schauspieler mit ihrer Stimme musikalisch eingreifen. Viele Gefahren, dramatische und berührende Momente wechseln in dichter Folge. Bewegliche Projektionen auf der Leinwand verstärken das Geschehen auf der Bühne optisch. Manchmal sieht man durch die Opera Folie hindurch in die Tiefe des Waldes. Bambi wächst heran und das Publikum erlebt Höhen und Tiefen eines Reh-Lebens. Das übermütige Spiel auf der Wiese zusammen mit andern Reh-Kindern ist Lebensfreude pur. Wenn im Herbst dem pupertierenden Bambi das zarte Geweih gewachsen ist, wirkt das in den gespielten Szenen so urkomisch und gleichzeitig so treffend, dass es eine Freude ist. Am Schluss ist es wieder Frühling und Bambi steht als kapitaler Rehbock mit eindrücklichem Geweih im Wald. Bambi ist jetzt bereit in die Fussstapfen des Vaters zu treten.

Dies alles ist hinreissend,  humorvoll und unterhaltsam inszeniert. Aber auch poetische Momente,  wo tiefe philosophische Fragen zu wichtigen Lebensthemen erörtert werden, haben Platz. Ich schaute dem topmotivierten und spielfreudigen Darstellertrio mit grossem Vergnügen zu. Die 80 Minuten gehen im Flug vorbei. Für die breit ausgebauten und genüsslich ausgekosteten Liebes- und Balzszenen waren die Kinder der 2. Primarschule zu ungeduldig und letztlich auch zu jung.

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