Ponkunnam

Die kleine Stadt am goldenen Hügel.

Eine Theaterexpedition in Südindien. Von Daniella Franaszek, Theaterpädagogin beim Zentrum Theaterpädagogik.

Es ist Samstagmorgen und vor der öffentlichen Bibliothek reihen sich eine Menge Schuhe.
Die Luft schwirrt von Stimmen – 21 Mütter, 15 Kinder und ein paar Jugendliche warten neugierig auf den Theaterworkshop “ Ist 7 viel? – Fragenfragen” der in ein paar Minuten beginnen wird. 
Ordentlich wird jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer im Buch eingetragen, das vor der Bibliothek liegt.
Wir sind bereit. Der schmale, lange Korridor der Bibliothek ist eingerichtet: Stühle liegen kreuz und quer, aufeinander getürmt oder hängen kopfüber am Fensterrahmen, Schnüre durch den Raum gespannt. Und überall hängen, liegen oder verstecken sich Fragen. 47 Fragen. Alle aus dem Buch “Ist 7 viel?”.
Vor dem Raum ein Brief, der zu einer Expedition, einer Entdeckungsreise einlädt. 

Die öffentliche Bibliothek ist mehr als ein Ort, an dem Bücher ausgeliehen werden. Regelmässig treffen sich hier Kinder und Jugendliche. Auch gibt es eine Gruppe für Mütter und eine für Väter, die sich regelmässig treffen. Dort werden Workshops mit Künstler*innen aus Indien oder aus anderen Orten der Welt angeboten. Das Zentrum ist ein Begegnungsort und eine Drehscheibe für Kultur und Kunst und ermutigt und stärkt die lokale Bevölkerung.
Eröffnet wird der Workshop mit einem Lied und einer offiziellen Begrüssung. 
Und dann liegt der Ball bei mir:  Wir bilden einen grossen Kreis auf dem Spielfeld, im Schatten von hohen Bäumen, an denen riesige Früchte wachsen. 36 Augenpaare blicken mich gespannt an. Wir spielen „Blick – Nick – Lauf“. Bald ist das Eis gebrochen und es wird gelacht; Erstklässler tauschen Platz mit einem Grossmami. 
Mutig und neugierig begegnen mir die Mütter und Grossmütter, eifrig werden die Fragen diskutiert, die sie im Workshop finden, auf die es keine richtige oder falsche Antwort gibt. 
 

Die nächsten zweieinhalb Stunden erforschen die Mütter Fragen, wählen eine Lieblingsfrage, kreieren Szenenbilder dazu, finden am Schluss ihre eigene Frage, die sie durchs Leben begleitet. Auf einer Postkarte – an sich selber adressiert – wird diese festgehalten. Nach dem Mittagessen geht es nochmals von vorne los. Dieses Mal mit der Kindergruppe, die sich mit hoher Konzentration und Begeisterung einlässt.

Ich bin zutiefst berührt und glücklich, dass ich hier sein darf, dass wir so viele und so motivierte Teilnehmende haben und dass wir gemeinsam Theater machen und die Begeisterung und Neugier dafür und füreinander teilen und eine Sprache finden, die universal ist. Für einen Tag lang tauchen wir gemeinsam in die Welt ein, die wir zusammen erschaffen. Die Erinnerungen begleiten uns weiter, und leuchten in uns. Erinnerungen an Begegnungen auf der gemeinsamen Theaterexpedition in der kleinen Stadt am goldenen Hügel. 
 

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