THEATERLUFT

 THEATERLUFT

Von Ursula Ulrich und Regina Wurster

Eine Vielfalt möglicher Spiel- und Verfahrensweisen in theaterästhetischen Prozessen.

SPIELEN – ERFINDEN – GESTALTEN – KOMPONIEREN

Wenn Sie das theaterpädagogische Lehr- und Lernmittel «THEATERLUFT» auffächern, begegnet Ihnen eine Vielfalt von Spielweisen. Diese praxisorientierte Sammlung nimmt das Potenzial der Diversität einer spielenden Gruppe als Ausgangslage. Um der Vielfalt adäquat zu begegnen, können im Spannungsfeld zwischen Verschiedenheit und Gemeinsamkeit Möglichkeiten spielend verhandelt und dabei individuelle Grenzen überschritten werden. Die spielbasierten und kunstspartenübergreifenden Zugänge bringen Gestaltungsvorschläge hervor, die vom gestaltenden Individuum zum theatralen Gemeinschaftswerk führen.

Die SPIELEN-Karten unterstützen das direkte Anwenden mit konkreten Spiel- und Improvisationsformen und fördern die Spielkompetenz der spielenden Gruppe. Die THEMENASPEKTE machen das Nachdenken über die vielen Bereiche der theaterästhetischen Kunstvermittlung transparent. Ausgangspunkt sind Fragestellungen, die einen kreativen Prozess eröffnen, die die Zeichenhaftigkeit des Theaterspiels in den Fokus nehmen, und das Gestalten und Komponieren als Elemente variabler Transformationen verstehen. Fragen, die Antworten geben, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu hegen. Die REFLEXIONSIMPULSE auf transparentem Papier unterstützen eine forschende, partizipative und kreative Arbeitshaltung, die jeder theaterpädagogischen Tätigkeit zugrunde liegt.

 Das Lehr-und Lernmittel ist ab 21.12.2016 für Fr. 35.- beim Zentrum Theaterpädagogik der Pädagogischen Hochschule Luzern (PHLU) und bei der Beratungsstelle Theaterpädagogik der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) erhältlich. Zudem ist es online bestellbar unter www.ztp.phlu.ch.

 

Zukunftsraum

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Zunkunftstag beim ZTP

Mit so viel inspirierender Dynamik hat der Archivraum des ZTP wahrscheinlich nicht gerechnet. Aber es ist so: Manchmal verändern Zukunftstage nicht nur die Sicht auf die eigene Arbeit. Jedenfalls in unserem Falle. Denn Anna und Yael (beide aus einer 5. Klasse) haben uns mit ihren Ideen und Vorstellungen während des Zukunftstages  richtiggehend überrascht. Die Auswirkungen davon spiegeln sich in der Neugestaltung des eher vergessenen und selten benutzten Archiv-Raumes.

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Unsere zwei „Zunkunfts-Besucherinnen“ haben diesen gestern unter eigener Regie womöglich zum begehrtesten und anregendsten Beratungsraum gemacht; ist aus dem Raum doch eine Bühne geworden, auf der künftig Beratungsgespräche für theaterästhetische Projekte stattfinden werden.

Ästhetische Werkstatt-Expedition 4 „Röhrenteenes“

 

blog_img_5991  RöhrenNetzWerk

Eingebettet in die Schultheatertage 2017 startete im August 2016 die vierte ästhetische Forschungswerkstatt. Die Spielenden sind Teilnehmer*innen einer Theaterwahlfachklasse (1.-3. ORST).

Im Zentrum des gemeinsamen Forschungsprozesses steht die theaterästhetische Auseinandersetzung mit der Ausgangslage NETZ. Wunsch und Ziel der Gruppe ist es, eine Bühnenproduktion zu entwickeln, ausgehend von ihren Vorstellungen, Ideen, Themen. In der praktischen Umsetzung bezieht sich die Theaterwerkstatt auf Erkenntnisse, welche aus den „ästhetischen Werkstatt-Expeditionen I-III (2012-2016)“ hervorgegangen sind und verfolgt einen Prozess „vom gestaltenden Individuum zum theateralen Gemeinschaftswerk“ (vgl. ästhetische Expeditionen).

Als grundlegendes und weiterzuentwickelndes Element der Gestaltung wurde die Arbeit mit einem Material und Klebeband, diesmal mit dem Objekt „Röhre“

(in unterschiedlicher Form, Grösse, Beschaffenheit) initiiert.

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Ausgehend von dieser Auseinandersetzung wurden von den Spielenden in einer Phase des „Spiels mit Material“ überraschend vielfältige Zugänge

(musikalisches, räumliches, technisches, szenisches Gestalten) gewählt.

Die dadurch ausgelösten Experimente führten im anschliessenden Reflexionsgespräch unter Einbezug der leitenden Denkformel zu Diskussionen, durch welche die Spielenden selbst ihre Theaterverständnisse und Vorstellungen befragten und sich selbst als Kreierende und zugleich Forschende erlebten. Aus dieser Reflexionsrunde eröffnete sich zudem für die Spielleitung eine erste mögliche Fragerichtung, welche basieren auf Aspekten der Aktionsforschung in den Fokus genommen werden könnte. Dabei steht das Hinterfragen gewohnter Handlungs- und Reaktionsweisen im Vordergrund und lenkt den Fokus auf einen bewussten Unterbruch im Umgang mit den Zuschreibungen „richtig und falsch“.

 

verNETZen Luzerner Schultheatertage 2017

blog_img_5646  Prologveranstaltung vom 28.9.2016

Die erste Begegnung mit den 29. Luzerner Schultheatertagen 2017 ermöglichte 20 interessierten Lehrpersonen aus der ganzen Zentralschweiz, sich am Prolog (und Prolog light) in direkter Weise spielend und entdeckend mit dem Thema NETZ auseinanderzusetzen. Die erprobten Spielimpulse, Anregungen und die daraus entwickelten Ideen begünstigten eine experimentelle Herangehensweise. Dabei standen der Umgang mit unterschiedlichen Materialien sowie inhaltliche VerNETZungspunkte im Zentrum.

Aus dem praktischen Handeln liessen sich immer wieder Hinweise für die Umsetzung in der eigenen Schulpraxis ableiten und direkt mit dem eigenen Handeln und den persönlichen Spielerfahrungen verknüpfen. Dabei wurde beispielsweise deutlich, dass der spielende Zugang über ein Material (und Klebeband) in unmittelbarer Weise eine Atmosphäre des wertfreien und vertieften Gestaltens begünstigt und darüber hinaus hin zur Interaktion führt. Der Umgang mit dem Material zeigte auch unmittelbare Transformationsprozesse auf, welche im Sinne künstlerischer Vermittlungsarbeit nutzbar gemacht werden können. So wurde beispielsweise eine Spielerin, eingerollt in ein grünes Netz, zum Kopfsalat, während die weissen kleinen Fetzen eines feinen Netzstoffes als Schneckenkörner dienten und den Salat zu retten vermochten.

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In einem zweiten Teil wurden praktische Spielmodelle, Improvisationsideen und Planungshilfen in Verbindung mit dem praktisch Erprobten erläutert und im Kontext der jeweiligen Praxishintergründe gemeinsam befragt.

Abschliessend  wurde die Verbindung zum DISG (Dienststelle Soziales und Gesellschaft, Kt. Luzern) und dem Kinder-und Jugendleitbild des Kt. Luzern vorgestellt und Möglichkeiten aufgezeigt, wie die entstehenden Theaterarbeiten in den Kontext der Aktivitäten des DISG gestellt werden könnten.

 

Sehnsucht nach Anerkennung II

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Im Rahmen einer Impulsveranstaltung des PMZ der PH Luzern konnten das Zentrum Theaterpädagogik zusammen mit dem Zentrum Menschenrechtsbildung unter der Leitung von Ursula Ulrich und Thomas Kirchschläger am 29.6.2016 der „Sehnsucht nach Anerkennung“ nachgehen.

Die Sehnsucht nach Anerkennung stellt für Kinder in ihrer Kindheit ein zentrales und entscheidendes Bedürfnis dar. Anerkennung, verstanden als Grundlage der Interaktion zwischen Menschen, spielt in der Erfahrung der Kinder über sich selbst und deren Mitmenschen als Subjekte von und mit Verantwortung eine grosse Rolle. Entsprechend ist die Qualität pädagogischer Beziehungen sehr wichtig. Dabei können Aspekte der ästhetischen Bildung, welche ein kreatives Agieren im Anerkennungsverhältnis voraussetzen, ein zentrales Bildungsmittel sein. Aktuelle Erkenntnisse aus der Theaterpädagogik werden im künstlerischen Tätigsein in direkter Weise erprobt. Die darunter liegende Haltung wird anhand des eigenen künstlerischen Schaffens in Verbindung gebracht mit der Grundhaltung der Anerkennungspädagogik und in direkter Weise mit den Inhalten der Kinderrechte verknüpft.

Im Modus Ästhetischer Forschung näherten sich die Kursteilnehmerinnen unter Einbezug verschiedener Zugängen dem Begriff Anerkennung. Kurze Sequenzen aus einem Fachtext, lebensweltliche Bezüge sowie eine gestalterische Auseinandersetzung mit Büchern und Klebeband spielten dabei eine zentrale Rolle. Das geschaffene Setting (offener Kreativauftrag ohne Zeitbeschränkung oder Nützlichkeitserwartung) eröffnete einen Raum, implizitem Handlungswissen nachzugehen und durch die individuelle Auseinandersetzung mit dem Begriff der Anerkennung auf verschiedenen Ebenen zu kollektiven Erfahrungen und Erkenntnissen zu gelangen.

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Im Anschluss an die gestalterische Auseinandersetzung liessen sich aus diesem kurzen „Forschungssetting“ im gemeinsamen Reflexionsgespräch Indikatoren ableiten, welche ein Handeln in Anerkennungsverhältnissen fassbar machen.

IMG_4876_kompDas Handeln in Anerkennungsverhältnissen kann so beschrieben werden, dass alle an Bildungsprozessen beteiligten Individuen als Subjekte erkannt und anerkannt werden; ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Empfindungen sind relevant und werden durch Beziehungen produktiv und in einen respektvollen Dialog einbezogen. Dabei werden den Individuen Zugänge und Handlungsräume zu möglichen anderen Selbst- und Weltverständnissen eröffnet.

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Wenn Verschiedenheit und Veränderbarkeit als grundlegende Aspekte einer anerkennenden Bildung mitverhandelt werden, kann zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Identifikation und Zugehörigkeit in Bezug auf sich, die Mit- und Umwelt angeregt werden. Dabei spielt auch ein Hinterfragen der stark geprägten Begriffe Wirklichkeit, Möglichkeit und Wahrheit eine wichtige Rolle. Ergänzt durch die Chancen, partizipative und soziale Verfahren, den Einbezug einer Vielfalt von Ausdrucksformen und einen sensibilisierten Umgang mit Sprache ergänzend in den Fokus rücken, wird Anerkennung in Bezug auf die pädagogische Praxis zur Aufforderung auf zwei Ebenen.

 

Einerseits fragt sie nach Bildungssettings, die Anerkennung zulassen. Diesbezüglich können beispielsweise Methodenvielfalt sowie aus den Fähigkeiten, dem Wissen und den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler geschaffene Formate pädagogischen Handelns in Anerkennungsverhältnissen wegweisend sein. IMG_4881_kompIMG_4883_komp

 

Andererseits ist ein permanentes Hinterfragen von Denk- und Handlungsweisen im Sinne stetig veränderbarer Konstruktionen gefordert.

Dabei spielen das Überwinden von Begrenzungen und das Hinterfragen von Gewohnheiten, Zuschreibungen oder Bewertungen, die durch persönliche Haltungen geschaffen sind, eine zentrale Rolle. Und nicht zuletzt wurde offensichtlich, dass das Erfahren und Ermöglichen von Anerkennungsverhältnissen zudem einen neuen Blick auf den Umgang mit der Zeit sowie mit wertfreien und zweckfreien Räumen wirft.

 

 

 

 

 

Ästhetische Forschung und Praxisentwicklung

BAKÄM-Tagung Berlin

15. und 16. Februar 2016

Die diesjährige BAKÄM-Tagung widmete sich dem Thema ästhetische Forschung und Praxisentwicklung. Dabei standen ästhetische Erfahrungen, deren Produktivität und der Austausch darüber im Mittelpunkt. Diskussionsrunden, Präsentationen und praktisch angelegte Laborsituationen wechselten sich ab. Im Zentrum stand somit das wechselwirkende Handeln zwischen Austausch und persönlichen Erfahrungen.

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Im Labor III „Spuren einer Denkfigur in ästhetischen Expeditionen“ konnten die Klassenlehrperson der Werkstatt 3 und ich gemeinsam die Erkenntnisse aus der „Werkstatt-Trilogie“ (vgl. Blog) in Form eines Forschungslabors zur Diskussion stellen. Dabei wurde mittels ästhetischer Forschung der aus der zweiten Forschungswerkstatt „Rollenkids“ hervorgegangenen Denkfigur des Anerkennungsverhältnisses nachgegangen.  Die sinnlich-emotionalen Gestaltungsfreiräume, wurden durch das Material „alte Zeitungen und Klebeband“ geleitet. Mittels dieser Materialvorgabe konnte die Denkfigur, welcher das Überschreiten von Grenzen, das Hinterfragen von Gewohntem also auch das Entdecken von Ungeahntem inhärent ist, auf unterschiedlichste Weise und durch individuelle Zugänge erfahrbar in den Raum gebracht werden.

 

IMG_0072“ Symbol Kugel:

  • aus einem Element
  • erst aus der Summe heraus möglich“.

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Diese Erkenntnis aus dem Labor erinnert an das Zitat von Annedore Prengel, „Gleichheit verstanden als Gleichwertigkeit von Differierendem“, und spricht für eine Erkenntnis in Bezug auf Heterogenität.

 

IMG_0052Ausgehend von diesen gesammelten Erfahrungen und den unterschiedlichsten Zugängen zu dieser Denkfigur (handelnd, denkend, konstruierend, experimentierend, verwerfend, …) wurde aus dem „Eigenen im Anderen“ kollektive Erkenntnisse herausgearbeitet. Dabei stellte sich die Frage, welche Handlungsfelder die Denkfigur während des Prozesses entweder bei den Gestalter_Innen / Forscher_Innen auslöste oder aber welche Erkenntnisse durch das gemeinsame Agieren im Raum entstanden, während oder nach der Phase des Gestaltens und Experimentierens. Die Erfahrung der Transformation durch das „Andere“, das „Kollektiv“, wurde auf folgendem Plakat erkennbar:

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Ich bin davon überzeugt, dass die individuellen Prozesse der Subjektbildung sich dadurch auszeichnen, dass auf der Grundlage von rationalem Abwägen von Motiven, Mitteln, Zwecken und Folgen einer Handlung (oder eines Unterlassens) mögliche Wege, Folgen oder auch neue Optionen – immer unter Einbezug der eigenen Befindlichkeit – erfahren oder verwerfen zu können.

 

 

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“ (Die Puppe) … hat sich entpuppt – beim Machen gezeigt, durch Tun entwickelt, und (ges? ents?)chärft“.

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Dazu fallen mir die Worte von Jörg Zirfas ein: „Die ästhetische Erfahrung lässt am Bewussten das Unbewusste erahnen, am Begreiflichen das Unbegreifliche und am Manifesten das Latente spürbar werden.“

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Weiter wurden Machtverhältnisse, Zeichenhaftigkeit, kalkulierbare und kontingente Handlungsräume sowie Dekonstruktion der Konstruktion angesprochen und im Zusammenhang mit ästhetischer Bildung diskutiert.

Bilder: Claudia Conte

Ästhetische Werkstatt-Expedition 3 „Bücherkids“

„Spuren einer Denkfigur“

Forschungswerkstatt der „Werkstatt-Trilogie“ mit den „Bücherkids“

einer 4. Primarklasse aus Luzern

Seit 2012 führt das ZTP das Forschungsprojekt «Werkstatt-Trilogie» durch. Mit den „Bücherkids“ wird das Forschungsprojekt abgerundet. Dieses wurde August bis Dezember 2015 mit einer 4. Klasse und deren Lehrperson (Luzern) sowie in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsschwerpunkt ESP Heterogenität und der Abteilung F&E der PH Luzern durchgeführt und mit Methoden der Aktionsforschung befragt.

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Dabei wurde kunstspartenübergreifend zum Thema Glück und Unglück philosophiert, gespielt, gestaltet, gemalt, … Basierend auf den Erkenntnissen der vorangehenden Werkstätten „Kistenkids“ und „Rollenkids“ wurde während des theatral-performativen Gestaltungsprozesses der Frage nachgegangen, welche „Spuren“ durch einen sensibilisierten Umgang in Anerkennungsverhältnissen (vgl A. Scherr 2004) erkennbar werden.

Ein erster Einblick…

 

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Zur Zeit werden die kollektiven Erkenntnisse aus dem praktischen Prozess evaluiert und diskutiert, um in Bezug auf die übergeordnete Haltung der Anerkennung Handlungsfelder zu definieren, welche aus der Praxis abgeleitet und als leitenden Kategorien wiederum in die Praxis einfliessen können. Die entstandene Bühnenproduktion wird an den die Schultheatertagen im Juni 2016 nochmals gespielt.

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Die Erkenntnisse werden voraussichtlich im Sommer 2016 in Form eines abschliessenden Evaluationsberichtes sowie auf einer Webseite öffentlich gemacht.

Bilder: Claudia Conte

Begabungsförderung in der Gestaltungswerkstatt

Am 31.10.2015 ging in Olten die Tagung des Netzwerks Begabungsförderung und dem LISSA-Preis über die „Bühne“.

Am Vormittag ermöglichten drei unterschiedlich ausgerichtete Referate einen Zugang zum Tagesthema. Der Nachmittag galt der konkreten Schulpraxis. Projekte verschiedenster Schulstufen, die der Förderung überfachlicher Kompetenzen besonderes Augenmerk schenken oder sich der Verbindung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen im Unterricht mit spezieller Berücksichtigung der Begabungsförderung widmen, wurden in Ateliers vorgestellt.

Im Rahmen des Atelier 5 konnte die „Werkstatt-Trilogie“ des ZTP, welche sich seit 2012 mit der Thematik „Heterogenität als Potenzial“ beschäftigt, vorgestellt werden.

Durch ein erstes spielbasiertes Intro wurde der Fokus vom traditionellen Theaterverständnis (Ausgangslage Text) ohne Umschweife auf die Materialität der „Textbeheimatung“ – sprich, auf das Papier gelegt. Das Textpapier wurde umgehend Grundlage für ein gemeinsames Gestalten eines Bühnenraumes, in welchem sich ein Gartenzwerg und ein Schneewittchen (aus der Textvorlage entsprungen) als Protagonisten in eine eben erfundene Welt entführen liessen. Ausgehend von einer Anmerkung einer Teilnehmerin, „da kommt man ja richtig ins Spielen“, wurden im Anschluss an diesen Gestaltungsinput die Themen wie   „anknüpfen ans eigene Spiel“, „Zusammenhänge zwischen Spielentwicklung und Theaterspiel“ „Konzentration durch Material“, „Umgang mit Unvorhergesehenem und Unplanbarem“ aufgenommen.

Anhand von Praxisbeispielen, welche zusammen mit der Klassenlehrperson der aktuellen Werkstattklasse (Claudia Conte, Luzern) thematisiert wurden, konnten darauf aufbauend Verbindungen zu bisherigen Erkenntnissen der „Werkstatt-Trilogie“ mit vielen praktischen Beispielen gezogen werden. Es wurde deutlich, dass kunstspartenübergreifende Gestaltungs- und Theaterprojekte es ermöglichen, die Ausdrucksvielfalt der Kinder heterogener Klassen mit Methodenvielfalt aufzugreifen. Vielfältig angelegte Gestaltungsräume sollen zudem den Kindern  Möglichkeiten schaffen, die individuelle Arbeit am „Eigenen“ und damit ihre Begabungen als Teil eines gemeinsamen Ganzen erfahren zu können. Die Suche und das Fragen nach Eigenen, der Bezug zu „Selbstgeschaffenen“, die Beziehung zu eigens Gestaltetem und Kreiertem spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie hinterlässen, wie dies der Einblick in die beiden bereits evaluierten Teilwerkstätten zeigte, eine positive Wirkung auf das Selbstkonzept, damit verbunden auf den Selbstwert und drauf aufbauend auf die Gemeinschaft. Dazu verhalf ein dafür entwickeltes Format, welches auf ästhetisch-künstlerisches Gestalten basiert und gemeinsam mit theaterpädagogischen Arbeitsweisen die Ziele ästhetischer Bildung verfolgt. Dabei steht das Fragen vor dem Wissen, das ergebnisoffene Suchen, Experimentieren und Recherchieren vor der Vorstellung eines fertigen Produktes und das Bewusstwerden und Erproben eigener Fähigkeiten im Zentrum – Und ein ästhetisches Bildungsprojekt, das „begabungsfördernde Schule“ macht, zur praktischen Weiterentwicklung im Raum.

 

Schultheatertage 16

Prolog

Am 14.Okrober trafen sich im Theaterpavillon Luzern alle Lehrpersonen, welche sich für eine Teilnahme an den Schultheatertage 2016 interessierten. Im Zentrum standen ästhetische Erfahrungen mit dem Thema „Glück“. Der performative Einstieg über das „flüchtig-filigran-transparente“ Material Plastik (in vielfältigen Variationen) ermöglichte auf verschiedensten Gestaltungs- und Spielebenen einen persönlichen Zugang zum Experimentieren, Recherchieren und Improvisieren in Bezug auf das Thema „Glück“. Erfahrungen und Erkenntnisse daraus eröffneten einen zusätzlichen Zugang zu „gestalterisch-theatralen“ Prozessen. In einem zweiten Teil wurde theaterpädagogisches Schaffen in den Kontext ästhetischer Bildung und ästhetischer Forschung gestellt. Abschliessend wurden organisatorische und planerische Schritte erläutert und es konnte über Fragen zum gesamten Projekt „Schultheatertage“ ausgetauscht werden.

Internationales Schulleitungssymposium Zug

Vom 2.- 4. Sept. 2015 fand in Zug das internationale Schulleitungssymposium zu Themen wie Bildungsqualität, Bildungsorganisationsentwicklung und Bildungsmanagement statt. Der Anlass bot Akteuren aus der Praxis sowie aus Wissenschaft und Verwaltung die Möglichkeit, Ideen und Erfahrungen auszutauschen. Vorträge, Symposien, Workshops und Podiumsdiskussionen eröffneten einen breiten Einblick in die Bildungswelt. Das Zentrum Theaterpädagogik konnte im Rahmen eines Workshops das Forschungsprojekt „Werkstatt-Trilogie“ unter dem Label „Mit Vielfalt auf Vielfalt reagieren – Vom gestaltenden Individuum zum theatral-performativen Gemeinschaftswerk“ vorstellen.

Im Zentrum des Workshops stand eine gemeinsam erarbeitete Auslegeordnung zur Begrifflichkeit Theaterpädagogik in der Schule. Allgemeine Vorstellungen, Zuschreibungen und Erwartungen in Bezug auf Theater in der Schule wurden als Diskussionsgrundlagen gesammelt. Im Zentrum dieser kleinen Erhebung durch die Teilnehmenden standen unter anderem Stichworte wie „Rollenspiel, Rollenverteilung, lustvoll Ausprobieren, Publikum, der Status von Theater, Chaos und Neuordnung, Zwänge.“

Basierend auf dieser gemeinsamen Ausgangslage wurde das Forschungsprojekt vorgestellt und der Zusammenhang zur Heterogenität und zur praktischen Umsetzung im Sinne gelebter Schul-Kultur erläutert werden. Dabei wurden Verbindungen zu Ästhetik, Bildung und Lebenswelt gezogen um die Bedeutung für die Schule genauer darzulegen. Daraus wiederum konnten durch praktische Erfahrungssettings konkrete Bezüge zur ästhetischen Bildung, zur Anerkennungspädagogik und zur Spielentwicklung persönlich erlebbar gemacht werden. Abschliessend diskutierten die Teilnehmenden über entstandene Fragen und Eindrücke zum Forschungsprojekt und die dabei gemachten Erfahrungen als Grundlage für wiederum neue Fragen, Möglichkeiten, Zweifel… . Anstelle der oben genannten Assoziationen zu „Theater in der Schule“ wandelten sich die in einer abschliessenden Runde erhobenen Begriffe sichtlich. Theaterspezifische Themen wie „Publikum“ und „Rolle“ machten übergreifenden Fragen zur Legitimation, zum Bildungszeck von Schule, zum Umgang mit Heterogenität als Potenzial Platz. Auch die zentrale Frage nach der Haltung der Spielleitung stand als zentraler Aspekt im Zentrum der Neuerkenntnisse. Aus dem lustvollen Ausprobieren entwickelte sich Partizipation, aus Chaos und Neuordnung erwuchsen Begriffe wie Mut, Risikobereitschaft und die grosse Thematik der Grenzzone als Bildungsverhältnis, die wiederum in direkter Verbindung mit Raum und Zeit diskutiert werden konnte.