Ästhetische Expedition 04_30

SPUREN LEGEN, LESEN UND ORDNEN

Im Rahmen der Lernumgebung «Spuren – Theaterästhetische Expeditionen» trafen sich am 17.1.2018 elf spurenlegende, spurenlesende und spurenordnende Lehrpersonen zur Einführungsveranstaltung.

Im Rahmen der Expedition 04_30 wurde eigens für diese Lehrpersonen eine Lernumgebung gestaltet.    P1150051

Ausgangslage dieser Lernumgebung war einerseits die Auseinandersetzung mit dem eigenen Bildungsverständnis, welche unter Einbezug der acht Expeditionselemente als Spurensuche gestaltet wurde. Andrerseits konnte durch diese Lernumgebung das Format „Ästhetische Expeditionen“ im Sinne eines befragenden und Gewohnheiten unterbrechenden Vermittlungsformates individuelle Spuren erfahren werden. So begaben sich die anwesenden Lehrpersonen selber auf Spurensuche, auf ihre persönliche Expedition, und wurden durch unterschiedliche Zugänge im Modus des „Ästhetischen Forschens“ in eine persönliche Auseinandersetzung mit ihren Bildungsideen, Bildungsvorstellungen und deren Möglichkeiten verwickelt.  Dabei entstanden eine Vielzahl von Metaphern, welche im Anschluss reflektiert und festgehalten werden konnten. Davon  ausgehend traten folgende Themen in den Vordergrund:

Ist Bildung ein „Muss“ oder ein „Dürfen“? Und das Lernen? Was „darf“ man?

In welchem Zusammenhang steht „Freiraum“ und „Raum gehen“ mit dem eigenen Bildungsverständnis? Welchen Freiraum darf man sich im Alltag erlauben? Und in welchem Kontext stehen Bildung und Zeit?

Welche Möglichkeiten bietet mir der Schulalltag, um Bildungsräume bewusst zu gestalten, zu reflektieren? Inwiefern unterstützen welche Lernsettings die individuelle Vorstellung von Bildungsräumen?

 

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Ein eigens für die Expedition 04_30 hergestelltes „neutral-ästhetisches Logbuch“ begleitete die Lehrpersonen auf ihrer Spurensuche und wird als Begleitdokument auch während den Lernumgebungen, an denen ihre Klassen teilnehmen werden, zu begleitenden Forschungszwecken wieder eingesetzt.

Abschliessend wurde ausgehend von den persönlichen Erfahrungen die unterschiedlichen Ansätze der nun folgenden Lernumgebungen für  KGU, für die Mittelstufe Primar sowie für die Oberstufe genauer ausgeführt.

 

Ästhetische Expedition 01_30

SPUREN TRANSFORMIEREN

Theaterästhetischen Produktion

Am 27. September 2017 haben sich 15 interessierte Lehrpersonen aus der Zentralschweiz im «Basiscamp» der Expedition01_30 getroffen. Diese spielten alle mit dem Gedanken, mit ihrer Klasse auf Expedition zu gehen und im Sinne eines theaterästhetischen Gemeinschaftswerkes eine Theaterproduktion zu realisieren. Um die theaterästhetischen Prozesse sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Arbeitsweise anzuregen, wurden die Lehrpersonen an die gemeinsame thematische Ausgangslage «Spuren» herangeführt und als Verbindung zur Lebenswelt oder als Fantasiegenerator, als Expeditionsausrichtung oder Sammelprinzip, direkt bespielt.

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Dabei wurde auch das neue Format «Theaterästhetische Expeditionen» vorgestellt und die Möglichkeiten für eine praktische Umsetzung im Schulalltag handelnd erprobt.   IMG_9913

Vielleicht verleiten die Spuren zur Suche, führen zu Entdeckungen, machen Fundstücke sichtbar, decken möglicherweise etwas Unentdecktes auf, ergeben eine neue Sicht auf das Unbekannte. Gleich den Entdeckungen auf einer Expedition. Wie auch immer und so oder so – Spuren verlaufen entlang einer Zeitachse. Der Spur geht etwas voraus, das eine Spur hinterlässt. Und dieses «etwas» hinterlässt die Spur, die aussagt, wer da war oder was da war, was man vielleicht erahnt oder was war oder wahr ist.

Was sind „Theaterästhetische Expeditionen“?

Eigens für unser Jubiläum wurde, ausgehend von den Erfahrungen und Erkenntnissen aus den „Ästhetischen Werkstatt-Expeditionen 1-5“ (2012-2016) (vgl. unten) ein neues theaterästhetisches Vermittlungsformat entwickelt.  Die «Theaterästhetischen Expeditionen». Diese kombinieren in acht unterschiedlichen Elementen eine ästhetische Spurensuche mit Spiel- und Gestaltungsformen des Theaters. Dabei begegnen und begünstigen sich forschende und künstlerische  Prozesse, die sich in allen Schulfächern und auf allen Schulstufen anwenden lassen. Es wird beobachtet, entdeckt, gesammelt, dokumentiert, befragt, experimentiert, konstruiert, installiert, gestaltet, kombiniert, komponiert. Relevant hierfür scheint ein lustvoller Entdeckergeist, der das Unplanbare zur Ausgangslage nimmt.

 

Mit den Expeditionselementen

„GEWOHNTE WELT“ / „UNRUHE“ / „RUF DES ABENTEUERS“ / „SPUREN LEGEN“ /“FORSCHUNGSINSTRUMENT“ / „EXPERIMENTIEREN UND ERFINDEN“ / „VERWANDELN“ / „GEWOHNTER RUF DES UNBEKANNTEN“

können sowohl forschende als auch theaterästhetische Prozesse initiiert, kombiniert und entworfen werden. Sie ermöglichen den Spielleitenden, die jeweiligen Elemente mit eigenen Inhalten und Verfahrensweisen zielstufenadäquat auszugestalten. Dabei können diese Elemente sowohl chronologisch als auch in experimenteller Weise in immer wieder neuen Kombinationen und Reihenfolgen versucht und erprobt werden. Die Auswahl und Kombinationen der einzelnen Elemente stehen  immer auch im Zusammenhang mit Vorlieben, Ressourcen oder dem Alter der Spielenden.

Eine Begleitbroschüre und individuelle Logbücher für Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler unterstützen die Expeditionen mit Hintergrundinformationen und Reflexionsinputs.

«SPUREN – Theaterästhetische Expeditionen»

Theaterpädagogik in der und über die Lernwerkstatt hinaus.

Zu unserem Jubiläum «30 Jahre Luzerner Schultheatertage» gibt es viele Möglichkeiten, Theater hautnah zu erleben. Mit 30 verschiedenen Expeditionen eröffnen wir in Zusammenarbeit mit der Lernwerkstatt der PH Luzern neue theaterästhetische Spiel- und Experimentierräume. Dabei verfolgen wir SPUREN, welche die Weiterentwicklung neuer Formate von Theater im Umfeld von Schule in den Fokus nehmen und neue Zugänge und Arbeitsweisen für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrpersonen ermöglichen.

30 Jahre Schultheatertage hinterlassen Spuren. Spuren, die auf das Vergangene schliessen lassen. Spuren, die in eine neue Richtung weisen. Spuren, die es zu lesen gilt, um die Spurensuche weiterzuführen. Weiter. Spuren als Fundstücke. Erinnerungen. Wenn auch nur eine Spur davon. Denn sie kommen und gehen. Sie begegnen uns und wir hinterlassen sie. Vor uns und hinter uns. Also auch davor und danach. Vielleicht als einschneidende Erlebnisse. Sie hinterlassen einen Abdruck, einen Eindruck und sind Ausdruck von dem, was vorher schon da war. Geschichten eben. Lebensgeschichten. Lebendige Geschichten zwischen vorher und nachher.

Dabei begeben wir uns auf theaterästhetische Expeditionen um unbekanntes, gar unerforschtes Terrain zu beschreiten. Wir unterbrechen Gewohnheiten und suchen Möglichkeiten. Das Unvorhergesehene bekommt eine neue Aufmerksamkeit und die Vielfalt Raum.

Wohin die Spuren wohl führen?

Im Spannungsfeld zwischen dem «Schon-Wissen» und «Noch-Herausfinden» bekommt das Suchen, Entdecken und Verfolgen individueller Spiel- und Gestaltungsspuren eine neue Bedeutung, indem die Räume zwischen schulischem und künstlerischem Arbeiten erkundet werden.

Zwischen September 2017 und Juni 2018 werden wir auf den Spuren von 30 unterschiedlichen,  theaterästhetischen Expeditionen wie selbstentwickelte theaterästhetische Produktionen, Workshops oder Theaterwochen für alle Stufen unterwegs sein.

Ästhetische Werktsatt-Expedition 5 „Kartonkids“

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Mit den „Kartonkids“ startete im März 2017 die fünfte Ästhetische Werkstatt-Expedition. Ausgehend von Kartonkisten und Klebeband begegneten die Kindergartenkinder im Alter von 4-6 Jahren mit grosser Neugierde und Entdeckungslust dem multifunktionalen Material.
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Im leergeräumten Kindergarten bespielten die jungen Expeditionsteilnehmerinnen schon bald die leergeglaubte Burg, spezielle Autos wurden konstruiert, Unterschlupf für Tiere gebaut und zweckmässige Objekte wie i-Pad, Fotoapparate, Handys und Hundeknochen aus Kartonfetzen und Klebeband in die entstandenen Geschichten eingebaut. Während der Phase des Konstruierens zeigten sich in ersten spontan entstandenen Interaktionen bereits interessante Themenfelder, welche im weiteren Spielprozess als inhaltliche Ausgangspunkte weiterverfolgt werden können.

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Ästhetische Werkstatt-Expedition 4 „Röhrenteenes“

 

blog_img_5991  RöhrenNetzWerk

Eingebettet in die Schultheatertage 2017 startete im August 2016 die vierte ästhetische Forschungswerkstatt. Die Spielenden sind Teilnehmer*innen einer Theaterwahlfachklasse (1.-3. ORST).

Im Zentrum des gemeinsamen Forschungsprozesses steht die theaterästhetische Auseinandersetzung mit der Ausgangslage NETZ. Wunsch und Ziel der Gruppe ist es, eine Bühnenproduktion zu entwickeln, ausgehend von ihren Vorstellungen, Ideen, Themen. In der praktischen Umsetzung bezieht sich die Theaterwerkstatt auf Erkenntnisse, welche aus den „ästhetischen Werkstatt-Expeditionen I-III (2012-2016)“ hervorgegangen sind und verfolgt einen Prozess „vom gestaltenden Individuum zum theateralen Gemeinschaftswerk“ (vgl. ästhetische Expeditionen).

Als grundlegendes und weiterzuentwickelndes Element der Gestaltung wurde die Arbeit mit einem Material und Klebeband, diesmal mit dem Objekt „Röhre“

(in unterschiedlicher Form, Grösse, Beschaffenheit) initiiert.

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Ausgehend von dieser Auseinandersetzung wurden von den Spielenden in einer Phase des „Spiels mit Material“ überraschend vielfältige Zugänge

(musikalisches, räumliches, technisches, szenisches Gestalten) gewählt.

Die dadurch ausgelösten Experimente führten im anschliessenden Reflexionsgespräch unter Einbezug der leitenden Denkformel zu Diskussionen, durch welche die Spielenden selbst ihre Theaterverständnisse und Vorstellungen befragten und sich selbst als Kreierende und zugleich Forschende erlebten. Aus dieser Reflexionsrunde eröffnete sich zudem für die Spielleitung eine erste mögliche Fragerichtung, welche basieren auf Aspekten der Aktionsforschung in den Fokus genommen werden könnte. Dabei steht das Hinterfragen gewohnter Handlungs- und Reaktionsweisen im Vordergrund und lenkt den Fokus auf einen bewussten Unterbruch im Umgang mit den Zuschreibungen „richtig und falsch“.

 

Sehnsucht nach Anerkennung II

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Im Rahmen einer Impulsveranstaltung des PMZ der PH Luzern konnten das Zentrum Theaterpädagogik zusammen mit dem Zentrum Menschenrechtsbildung unter der Leitung von Ursula Ulrich und Thomas Kirchschläger am 29.6.2016 der „Sehnsucht nach Anerkennung“ nachgehen.

Die Sehnsucht nach Anerkennung stellt für Kinder in ihrer Kindheit ein zentrales und entscheidendes Bedürfnis dar. Anerkennung, verstanden als Grundlage der Interaktion zwischen Menschen, spielt in der Erfahrung der Kinder über sich selbst und deren Mitmenschen als Subjekte von und mit Verantwortung eine grosse Rolle. Entsprechend ist die Qualität pädagogischer Beziehungen sehr wichtig. Dabei können Aspekte der ästhetischen Bildung, welche ein kreatives Agieren im Anerkennungsverhältnis voraussetzen, ein zentrales Bildungsmittel sein. Aktuelle Erkenntnisse aus der Theaterpädagogik werden im künstlerischen Tätigsein in direkter Weise erprobt. Die darunter liegende Haltung wird anhand des eigenen künstlerischen Schaffens in Verbindung gebracht mit der Grundhaltung der Anerkennungspädagogik und in direkter Weise mit den Inhalten der Kinderrechte verknüpft.

Im Modus Ästhetischer Forschung näherten sich die Kursteilnehmerinnen unter Einbezug verschiedener Zugängen dem Begriff Anerkennung. Kurze Sequenzen aus einem Fachtext, lebensweltliche Bezüge sowie eine gestalterische Auseinandersetzung mit Büchern und Klebeband spielten dabei eine zentrale Rolle. Das geschaffene Setting (offener Kreativauftrag ohne Zeitbeschränkung oder Nützlichkeitserwartung) eröffnete einen Raum, implizitem Handlungswissen nachzugehen und durch die individuelle Auseinandersetzung mit dem Begriff der Anerkennung auf verschiedenen Ebenen zu kollektiven Erfahrungen und Erkenntnissen zu gelangen.

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Im Anschluss an die gestalterische Auseinandersetzung liessen sich aus diesem kurzen „Forschungssetting“ im gemeinsamen Reflexionsgespräch Indikatoren ableiten, welche ein Handeln in Anerkennungsverhältnissen fassbar machen.

IMG_4876_kompDas Handeln in Anerkennungsverhältnissen kann so beschrieben werden, dass alle an Bildungsprozessen beteiligten Individuen als Subjekte erkannt und anerkannt werden; ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Empfindungen sind relevant und werden durch Beziehungen produktiv und in einen respektvollen Dialog einbezogen. Dabei werden den Individuen Zugänge und Handlungsräume zu möglichen anderen Selbst- und Weltverständnissen eröffnet.

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Wenn Verschiedenheit und Veränderbarkeit als grundlegende Aspekte einer anerkennenden Bildung mitverhandelt werden, kann zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Identifikation und Zugehörigkeit in Bezug auf sich, die Mit- und Umwelt angeregt werden. Dabei spielt auch ein Hinterfragen der stark geprägten Begriffe Wirklichkeit, Möglichkeit und Wahrheit eine wichtige Rolle. Ergänzt durch die Chancen, partizipative und soziale Verfahren, den Einbezug einer Vielfalt von Ausdrucksformen und einen sensibilisierten Umgang mit Sprache ergänzend in den Fokus rücken, wird Anerkennung in Bezug auf die pädagogische Praxis zur Aufforderung auf zwei Ebenen.

 

Einerseits fragt sie nach Bildungssettings, die Anerkennung zulassen. Diesbezüglich können beispielsweise Methodenvielfalt sowie aus den Fähigkeiten, dem Wissen und den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler geschaffene Formate pädagogischen Handelns in Anerkennungsverhältnissen wegweisend sein. IMG_4881_kompIMG_4883_komp

 

Andererseits ist ein permanentes Hinterfragen von Denk- und Handlungsweisen im Sinne stetig veränderbarer Konstruktionen gefordert.

Dabei spielen das Überwinden von Begrenzungen und das Hinterfragen von Gewohnheiten, Zuschreibungen oder Bewertungen, die durch persönliche Haltungen geschaffen sind, eine zentrale Rolle. Und nicht zuletzt wurde offensichtlich, dass das Erfahren und Ermöglichen von Anerkennungsverhältnissen zudem einen neuen Blick auf den Umgang mit der Zeit sowie mit wertfreien und zweckfreien Räumen wirft.

 

 

 

 

 

Ästhetische Forschung und Praxisentwicklung

BAKÄM-Tagung Berlin

15. und 16. Februar 2016

Die diesjährige BAKÄM-Tagung widmete sich dem Thema ästhetische Forschung und Praxisentwicklung. Dabei standen ästhetische Erfahrungen, deren Produktivität und der Austausch darüber im Mittelpunkt. Diskussionsrunden, Präsentationen und praktisch angelegte Laborsituationen wechselten sich ab. Im Zentrum stand somit das wechselwirkende Handeln zwischen Austausch und persönlichen Erfahrungen.

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Im Labor III „Spuren einer Denkfigur in ästhetischen Expeditionen“ konnten die Klassenlehrperson der Werkstatt 3 und ich gemeinsam die Erkenntnisse aus der „Werkstatt-Trilogie“ (vgl. Blog) in Form eines Forschungslabors zur Diskussion stellen. Dabei wurde mittels ästhetischer Forschung der aus der zweiten Forschungswerkstatt „Rollenkids“ hervorgegangenen Denkfigur des Anerkennungsverhältnisses nachgegangen.  Die sinnlich-emotionalen Gestaltungsfreiräume, wurden durch das Material „alte Zeitungen und Klebeband“ geleitet. Mittels dieser Materialvorgabe konnte die Denkfigur, welcher das Überschreiten von Grenzen, das Hinterfragen von Gewohntem also auch das Entdecken von Ungeahntem inhärent ist, auf unterschiedlichste Weise und durch individuelle Zugänge erfahrbar in den Raum gebracht werden.

 

IMG_0072“ Symbol Kugel:

  • aus einem Element
  • erst aus der Summe heraus möglich“.

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Diese Erkenntnis aus dem Labor erinnert an das Zitat von Annedore Prengel, „Gleichheit verstanden als Gleichwertigkeit von Differierendem“, und spricht für eine Erkenntnis in Bezug auf Heterogenität.

 

IMG_0052Ausgehend von diesen gesammelten Erfahrungen und den unterschiedlichsten Zugängen zu dieser Denkfigur (handelnd, denkend, konstruierend, experimentierend, verwerfend, …) wurde aus dem „Eigenen im Anderen“ kollektive Erkenntnisse herausgearbeitet. Dabei stellte sich die Frage, welche Handlungsfelder die Denkfigur während des Prozesses entweder bei den Gestalter_Innen / Forscher_Innen auslöste oder aber welche Erkenntnisse durch das gemeinsame Agieren im Raum entstanden, während oder nach der Phase des Gestaltens und Experimentierens. Die Erfahrung der Transformation durch das „Andere“, das „Kollektiv“, wurde auf folgendem Plakat erkennbar:

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Ich bin davon überzeugt, dass die individuellen Prozesse der Subjektbildung sich dadurch auszeichnen, dass auf der Grundlage von rationalem Abwägen von Motiven, Mitteln, Zwecken und Folgen einer Handlung (oder eines Unterlassens) mögliche Wege, Folgen oder auch neue Optionen – immer unter Einbezug der eigenen Befindlichkeit – erfahren oder verwerfen zu können.

 

 

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“ (Die Puppe) … hat sich entpuppt – beim Machen gezeigt, durch Tun entwickelt, und (ges? ents?)chärft“.

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Dazu fallen mir die Worte von Jörg Zirfas ein: „Die ästhetische Erfahrung lässt am Bewussten das Unbewusste erahnen, am Begreiflichen das Unbegreifliche und am Manifesten das Latente spürbar werden.“

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Weiter wurden Machtverhältnisse, Zeichenhaftigkeit, kalkulierbare und kontingente Handlungsräume sowie Dekonstruktion der Konstruktion angesprochen und im Zusammenhang mit ästhetischer Bildung diskutiert.

Bilder: Claudia Conte

Ästhetische Werkstatt-Expedition 3 „Bücherkids“

„Spuren einer Denkfigur“

Forschungswerkstatt der „Werkstatt-Trilogie“ mit den „Bücherkids“

einer 4. Primarklasse aus Luzern

Seit 2012 führt das ZTP das Forschungsprojekt «Werkstatt-Trilogie» durch. Mit den „Bücherkids“ wird das Forschungsprojekt abgerundet. Dieses wurde August bis Dezember 2015 mit einer 4. Klasse und deren Lehrperson (Luzern) sowie in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsschwerpunkt ESP Heterogenität und der Abteilung F&E der PH Luzern durchgeführt und mit Methoden der Aktionsforschung befragt.

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Dabei wurde kunstspartenübergreifend zum Thema Glück und Unglück philosophiert, gespielt, gestaltet, gemalt, … Basierend auf den Erkenntnissen der vorangehenden Werkstätten „Kistenkids“ und „Rollenkids“ wurde während des theatral-performativen Gestaltungsprozesses der Frage nachgegangen, welche „Spuren“ durch einen sensibilisierten Umgang in Anerkennungsverhältnissen (vgl A. Scherr 2004) erkennbar werden.

Ein erster Einblick…

 

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Zur Zeit werden die kollektiven Erkenntnisse aus dem praktischen Prozess evaluiert und diskutiert, um in Bezug auf die übergeordnete Haltung der Anerkennung Handlungsfelder zu definieren, welche aus der Praxis abgeleitet und als leitenden Kategorien wiederum in die Praxis einfliessen können. Die entstandene Bühnenproduktion wird an den die Schultheatertagen im Juni 2016 nochmals gespielt.

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Die Erkenntnisse werden voraussichtlich im Sommer 2016 in Form eines abschliessenden Evaluationsberichtes sowie auf einer Webseite öffentlich gemacht.

Bilder: Claudia Conte

Begabungsförderung in der Gestaltungswerkstatt

Am 31.10.2015 ging in Olten die Tagung des Netzwerks Begabungsförderung und dem LISSA-Preis über die „Bühne“.

Am Vormittag ermöglichten drei unterschiedlich ausgerichtete Referate einen Zugang zum Tagesthema. Der Nachmittag galt der konkreten Schulpraxis. Projekte verschiedenster Schulstufen, die der Förderung überfachlicher Kompetenzen besonderes Augenmerk schenken oder sich der Verbindung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen im Unterricht mit spezieller Berücksichtigung der Begabungsförderung widmen, wurden in Ateliers vorgestellt.

Im Rahmen des Atelier 5 konnte die „Werkstatt-Trilogie“ des ZTP, welche sich seit 2012 mit der Thematik „Heterogenität als Potenzial“ beschäftigt, vorgestellt werden.

Durch ein erstes spielbasiertes Intro wurde der Fokus vom traditionellen Theaterverständnis (Ausgangslage Text) ohne Umschweife auf die Materialität der „Textbeheimatung“ – sprich, auf das Papier gelegt. Das Textpapier wurde umgehend Grundlage für ein gemeinsames Gestalten eines Bühnenraumes, in welchem sich ein Gartenzwerg und ein Schneewittchen (aus der Textvorlage entsprungen) als Protagonisten in eine eben erfundene Welt entführen liessen. Ausgehend von einer Anmerkung einer Teilnehmerin, „da kommt man ja richtig ins Spielen“, wurden im Anschluss an diesen Gestaltungsinput die Themen wie   „anknüpfen ans eigene Spiel“, „Zusammenhänge zwischen Spielentwicklung und Theaterspiel“ „Konzentration durch Material“, „Umgang mit Unvorhergesehenem und Unplanbarem“ aufgenommen.

Anhand von Praxisbeispielen, welche zusammen mit der Klassenlehrperson der aktuellen Werkstattklasse (Claudia Conte, Luzern) thematisiert wurden, konnten darauf aufbauend Verbindungen zu bisherigen Erkenntnissen der „Werkstatt-Trilogie“ mit vielen praktischen Beispielen gezogen werden. Es wurde deutlich, dass kunstspartenübergreifende Gestaltungs- und Theaterprojekte es ermöglichen, die Ausdrucksvielfalt der Kinder heterogener Klassen mit Methodenvielfalt aufzugreifen. Vielfältig angelegte Gestaltungsräume sollen zudem den Kindern  Möglichkeiten schaffen, die individuelle Arbeit am „Eigenen“ und damit ihre Begabungen als Teil eines gemeinsamen Ganzen erfahren zu können. Die Suche und das Fragen nach Eigenen, der Bezug zu „Selbstgeschaffenen“, die Beziehung zu eigens Gestaltetem und Kreiertem spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie hinterlässen, wie dies der Einblick in die beiden bereits evaluierten Teilwerkstätten zeigte, eine positive Wirkung auf das Selbstkonzept, damit verbunden auf den Selbstwert und drauf aufbauend auf die Gemeinschaft. Dazu verhalf ein dafür entwickeltes Format, welches auf ästhetisch-künstlerisches Gestalten basiert und gemeinsam mit theaterpädagogischen Arbeitsweisen die Ziele ästhetischer Bildung verfolgt. Dabei steht das Fragen vor dem Wissen, das ergebnisoffene Suchen, Experimentieren und Recherchieren vor der Vorstellung eines fertigen Produktes und das Bewusstwerden und Erproben eigener Fähigkeiten im Zentrum – Und ein ästhetisches Bildungsprojekt, das „begabungsfördernde Schule“ macht, zur praktischen Weiterentwicklung im Raum.