Gaia

Vom Theater Luki*ju Luzern

Gespannt erwarte ich mit dem Premièrepublikum im Foyer des Kleintheater Luzern auf die Türöffnung; am Tor zu GAIA, der griechischen Göttinnen-Metapher für die Erde. Doch noch öffnen sich die Türen nicht. Vorerst verlassen wir in einer den Elementen Wasser, Erde, Luft oder Feuer zugeteilten Gruppe das Kleintheater nochmals, um im nahe gelegenen Park den vier Elementen zu begegnen.

Zurück im Theatersaal begrüsst der Showmaster „das Wunder Mensch“, die vier Elemente live on Stage. Im Zentrum der als Show gestalteten theatralen Performance stehen die vier Elemente. Schnell wird spürbar, dass die vier Elemente lebendiger aus ihrer Vergangenheit erzählen als vom heutigen Dasein in „unserer Welt“.

Es wird über die Ausbeutung der Erde, über die Folgen von Monokulturen, über den Zusammenhang vom Treibhauseffekt und dem schmelzenden Lebensraum der Eisbären bis hin zur Zukunfts-Vision, in der wir alle nicht mehr unterscheidbar gleich aussehen werden, gesprochen. Dabei werden Begriffe, Wortbedeutungen, Zahlen, Zusammenhänge und die Notwendigkeit, Umweltsensibilität wieder in den Fokus zu nehmen, als Ausgangslage für eine Auseinandersetzung mit brennenden Umweltthemen genutzt. Verspielt, bunt, illustrativ, bewegt, musikalisch: im performativen Modus wird der Mensch und sein Handeln bis hin zum Ausverkauf der Welt unter die Lupe genommen. Gemeinsam mit den zuschauenden Kindern wird nach alltagstauglichen Lösungsansätzen gesucht, die uns, der Welt und den Elementen mit diesem Lehrstück Handlungsmöglichkeiten für die Mitgestaltung unseres Lebensraumes zu ermöglichen suchen.

 

Bruno im Glück

 

von und mit Jörg Bohn

 

Am Zukunftstag sitze ich mit zwei 5. Klässlerinnen und einem Mädchen aus der 6. Klasse gespannt im Thik Baden. Der Raum ist gefüllt mit Kindern aus den 1. Klassen des Städtchens.

Bruno erzählt von seinem Glück, als Kind so viel Zeit bei und mit seinen Grosseltern verbracht zu haben. Er nimmt uns mit auf den Estrich, wo viel Wunderbares passiert – manchmal gar etwas gruselig, so dass die kleinen Kinder lustvoll schreien. Auch „meinen“ drei Grossen macht das Zuschauen sichtlich Spass. Als Höhepunkte beschreiben sie die vielen, schon fast magischen, mit Licht erzeugten Bilder. So huschten Tiere durch den Estrich und sogar ein Mädchen schlich sich in das Versteck und die Herzen von Bruno und seinem Publikum.

Nach einer knappen Stunde Sehvergnügen verliessen wir glücklich das Theater und sinnierten auf der Heimreise, was nun wohl genau Brunos Glück war und unser eigenes ist.

 

Ping Pong

Mit einer Kinderjury, die diesmal aus drei Jungs im Alter von 10 bis 14 Jahren bestand, durften wir in Reinach an die Premiere des neuen Stückes vom Theater salto&mortale. Die Geschichte erzählt von Jex, der als Flüchtling in eine Schweizer Schule kommt, Freunde findet, sich integriert und wieder in sein Heimatland zurück geschafft wird. Mit viel Witz, Humor, Sorgfalt, und Präzision werden die Begegnungen zwischen dem Fremden und dem Bekannten gezeigt. So darf das Publikum nicht nur erleben, wie es Jex auf Besuch bei der Schweizer Familie ergeht, sondern auch wie sein Schweizer Freund in der ausländischen Familie das eine und andere Fettnäpfchen betritt.

Eindrücklich, wie es dem Spiel gelang, nicht wertend und trotzdem emotional die verschiedenen Wünsche und Bedürfnisse der Figuren zu portieren! Das reduzierte und doch verspielte Bühnenbild unterstützte dies und zählte einer der Jury-Jungs danach auch als Highlight auf. So blieben die drei Jungs auf inhaltlicher wie auch visueller Ebene bis zum Ende fasziniert und aufmerksam.

Beeindruckt vom Gesehenen schilderten sie auf der Rückreise ihre Interpretationen des Stücks genauso, wie ihre realen Erlebnisse mit Klassenkameraden.

 

Die zweite Prinzessin

Theater Katerland 

Im Kleintheater sassen an diesem Sonntag ganz viele kleine Kinder mit ihren Eltern. Das Stück für ein Publikum ab 4 Jahren fesselte schon vor dem eigentlichen Start. Auf der Bühne standen Geschenke in allen Grössen und liessen erahnen, dass die eine oder andere Schachtel auch als Versteck geeignet wäre ..! 

Die Geschichte ist so einfach oder genauso kompliziert wie es eben ist, wenn man kein Einzelkind ist. So lernen wir eine Prinzessin kennen, die gerne mal die Grosse, die Erste, die Einzige wäre. Und wir lernen einen Butler kennen, der ein grosses Herz hat und für den die kleine Prinzessin durchaus auch die Einzige, die Erste und eine Grosse ist.

Die wilden Phantasien der zweiten Prinzessin – wie sie die zu den Vorteilen der ersten kommen könnte – werden liebevoll, lustvoll und so schön unmoralisch ausprobiert.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht und im Herzen verliess ich das Theater und freute mich, dass ich einen grossen Bruder und eine kleine Schwester habe; mit all seinen Vor- und Nachteilen!

 

Grosser Bruder

Einzig eine grosse Grünabfall-Mülltonne steht auf der ansonsten leeren Bühne. Wohlgekleidet treten eine Frau und ein Mann dazu. Anfänglich ist ihre Beziehung zueinander unklar. Nach und nach erfährt das Publikum, dass sie wohl Geschwister sind. Episoden aus der Kleinkindzeit, Einblicke in die Schul- bis Jugendzeit lassen die ambivalente Geschwisterliebe immer wieder in neuen Facetten erahnen. Rivalität, Hass und Liebe, Sehnsüchte, Ängste und Bedürfnisse der Geschwister werden in eindrücklichen Bildern, viel physischem aufeinander Treffen und miteinander ringen, sicht- und spürbar. Mit wenig Text und toller Bildsprache wurde mir klar, was diese Geschwister eint und was sie trennt. Berührt und über meine eigenen Geschwisterbeziehungen nachdenkend verliess ich nach einer Stunde die Tuchlaube.

Unterwegs mit der Kinder- und Jugendjury beim Visionieren

Seit Ende Dezember 2016 visionieren wir die Theaterstücke für unsere Gastspielreihen Theaterperlen und Theaterlenz zusammen mit unserer Kinder- und Jugendjury, die sich jeweils aus zwei bis vier Kindern oder Jugendlichen zusammensetzt. Im Anschluss an die jeweils besuchten Stücke wird zusammen mit ihnen über das Stück ausgetauscht. Ihre Sicht auf die Theaterstücke, Überlegungen und Fragen rücken wir für diesen Austausch ins Zentrum. Dabei ist es uns wichtig, gemeinsam mit der Kinder- und Jugendjury nach und nach einen Katalog zusammenzustellen, mit welchem die Diskussion in partizipativem Verhältnis stattfinden und die Beobachtungskriterien für die gemeinsame Diskussion laufend erweitert und ergänzt werden kann. Zudem versuchen wir, der Jury nach dem Besuch der Theaterstücke eine Begegnung mit den Schauspielerinnen und Schauspieler, der Regie oder der Dramaturgie zu ermöglichen und damit einen Dialog in unmittelbarer „Stücknähe“ zu ermöglichen

Für die Stimmen der Jury soll künftig bei den hier veröffentlichten Blogbeiträgen unter dem Label „Statement Kinder- und Jugendjury“ Platz eingeräumt werden. Wir sind überzeugt davon, dass sich dadurch der Blick auf die besuchten Theaterstücke zusätzlich um interessante Statements erweitert.

Spring doch!

Es wird dunkel im Theaterraum. Fast dunkel. Geheimnisvoll bleibt ein Licht, das den Weg durch die milchige Beschaffenheit der Wasserkanister sucht. Ich werde aufmerksam auf die feinen Wellenbewegungen des Wassers – in den Kanistern drin. Es bewegt  sich in eigener Weise. Feine Bewegungen. Sie ergeben sich aus Raum und Widerstand. Und den Möglichkeiten, die sich auf der Suche nach neuen Wegen eröffnen. Zudem Klänge. Geräusche, die mehr und mehr an die Geräuschkulisse der als Kind erlebten sommerlichen Ausflüge in die Badi erinnern.

Und dabei finde ich mich in einer eigens erschaffenen Bilderwelt wieder. In der Turnhalle, auf dem Sprungturm in der Badi, zu Hause im Wohnzimmer, im Bus, in der Umkleidekabine … Dabei treffe ich, geschaffen durch die individuelle Vorstellungskraft, auf die Klassenkameraden, die Mutter, den Fahrgast im Bus, die Frau in der Badi, den Angst einflössenden Bademeister. Weiterlesen

NOX – WOLFSNÄCHTE

NOX – WOLFSNÄCHTE

Sternensaal Wohlen. Saisoneröffnung. Schulpremière des neuesten luki-ju Stückes mit Thomy Truttmann. Das ist eine vielversprechende Affiche. Und ich darf dabei sein. Es ist Freitag, 16. September. Der Sternensaal füllt sich mit Schulklassen. Auf der Bühne sind dunkel bemalte Stellwände so aufgestellt, dass der Eindruck eines Labyrinths entsteht. Geheimnisvolle Durchgänge und Durchblicke sind zu sehen. Dann ist nur noch ein Harass, vermutlich war da mal eine grosse Mostflasche drin, auf der Bühne.

«Mich kännt fascht niemmer. Wenn ihr i d Schuel gönd, legg ich mis Pyjama a.» Mit solchen Sätzen wird nach und nach klar, dass wir einen Nachtwächter der Securitas vor uns haben. Wenn dann die Profi-Taschenlampe ins Spiel kommt, taucht man vollends  in die Welt von Nachtwächter Lorenz ein.  Diese geheimnis- und spannungsvolle Welt Weiterlesen

Hase und Bär

Zwei Kindergartenklassen warten auf der sonnenbeschienenen Seite der Rathausgasse in Bern vor dem Theater Schlachthaus. Endlich öffnen sich von Innen die Läden des Kellers und die steile Treppe in das Kellergewölbe wird sichtbar. Der Einlass beginnt, die Kinder werden vom Keller verschluckt. Ich folge ihnen und bin gespannt auf die angekündigte Geschichte über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Angstbär und Hasenstark, übers Kranksein und die Kraft der Fantasie. Nach der Première und den ersten öffentlichen Vorstellungen findet heute am 6. Juni die erste Schulvorstellung statt. Weiterlesen

Die No 1 – En Fän isch en Fän isch en Fän

Heute geht es ins Fabriktheater nach Zürich Wollishofen. Die Theatertruppe «GMBH – Produktion» hat zu einer Spielshow eingeladen, an welcher das Publikum aktiv mit dabei ist und wo das Phänomen des Fan-Seins und des Fanens auf die Probe gestellt werden soll. Ich bin an diesem 24. Juli etwas zu früh auf dem Gelände der roten Fabrik und geniesse auf einer Parkbank am Zürichseeufer den knusprigen Morgen.

Bereits beim Einlass in den Saal wird klar, dass man als Publikum auch gleichzeitig eine Rolle zu spielen hat. Alle bekommen entweder eine blaue oder orange Abstimmungskarte. Entsprechend der Farbe nimmt man auf der blauen oder orangen Fan-Tribüne Platz. Die beiden Fangruppen, je ca. 50 Personen, sitzen einander gegenüber. Dazwischen befindet sich die Spielfläche. Ich kann meine Abstimmungskarte als überzähliger Orange-Fan wieder abgeben und darf ‚unabhängiger‘ Beobachter sein. Alle diese Vorbereitungen vermitteln mir das Gefühl, dass Wert darauf gelegt wird, ein genaues und gerechtes Setting einzurichten. Weiterlesen