Wer entscheidet über die Zukunft unseres Kantons?

Auf der Internetplattform entdecke.lu.ch (siehe Kasten) wurde in diesen Tagen eine neue, von der PH Luzern konzipierte, Unterrichtseinheit zur politischen Bildung aufgeschaltet.  Diese widmet sich der übergeordneten Frage: «Wer entscheidet über die Zukunft unseres Kantons?» und befähigt Schülerinnen und Schülern, eine eigene Sichtweise zu entwickeln, diese zu begründen, aber auch andere Standpunkte akzeptieren und diese im politischen Diskurs zuzulassen.

Ausgehend von der übergeordneten Fragestellung erlangen die Lernenden durch die Unterrichtseinheit am Beispiel des Kantons Luzern ein Verständnis dafür, dass unser Gemeinwesen von ganz vielen verschiedenen Menschen geprägt wird und aufgrund der Gewaltenteilung eine Aufgabenteilung mit gegenseitiger Kontrolle zwischen Parlament, Regierung und Gerichten besteht. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler auch die föderalen Strukturen kennen, indem sie die kantonale von der kommunalen Ebene abgrenzen, Unterschiede erklären und Zuständigkeiten bestimmen. Darüber hinaus erkennen sie die Bedeutung von Parteien bezüglich der Meinungsfindung in Demokratien. Die übergeordnete Fragestellung öffnet das Feld der politischen Bildung also zum einen in Richtung der klassischen Institutionenlehre, ermöglicht aber auch eine Auseinandersetzung mit der Thematik der Machtausübung und der Kontrolle von Macht. 

Amtsträger/-innen und Lernende im Mittelpunkt

Im Zentrum stehen aber immer die Menschen, «die Gesichter» der jeweiligen Institutionen oder Ämter. So erklärt der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss den Schülerinnen und Schülern gleich selbst, was die Aufgabe der Regierung ist. Dasselbe tun die Kantonsratspräsidentin Hildegard Meier-Schöpfer fürs Parlament und Gerichtspräsident Marius Wiegandt für die Gerichte. Diese unkomplizierte Einbettung von Videos ist ein grosser Vorteil des digitalen Lehrmittels, es finden sich deshalb in unterschiedlichen Aufgaben immer auch wieder kurze Lernvideos von SRF und easyvote mit anschliessenden Verarbeitungsaufträgen. Neben Ämtsträger/-innen sind es aber vor allem auch die Lernenden selbst, die im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit dem politischen System unseres Kantons stehen. Als Menschen mit eigenen Ansichten und Einstellungen stellen sie sich einleitend die Frage, was sie in ihrer Gemeinde gerne verändern würden. Ausgehend von ihrer Lebenswelt nähern sie sich damit einer politischen Meinungsfindung an und können dadurch politische Haltungen besser nachvollziehen. Sie werden nach dem Kennenlernen und besprechen der im Kantonsrat vertretenen Parteien auch mittels direkten Links auf die Website parteinkompass.ch dazu aufgefordert, die Partei zu finden, die ihren persönlichen Ansichten am nächsten kommt.

entdecke.lu.ch

Wer entscheidet über die Zukunft unseres Kantons?

Eigene Meinung bilden und vertreten

Politische Bildung ist in vielerlei Hinsicht bildungsrelevant. Zum einen sind basale Kenntnisse über die demokratischen Institutionen und Instrumente eine Voraussetzung für die spätere politische Teilnahme. Im Weiteren leistet die politische Bildung einen wesentlichen Beitrag zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), wie sie im Lehrplan 21 als überfachliche Leitidee formuliert ist: Die Schülerinnen und Schüler befassen sich mit dem Verhältnis von Macht und Recht, diskutieren grundlegende Werte und Normen und setzen sich mit Konflikten, deren Hintergründe sowie möglichen Lösungen auseinander und lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese begründet zu vertreten.

Politik ist grundsätzlich und immer perspektivisch und in demokratischen Systemen auch pluralistisch und daher kontrovers. Deshalb ist es wichtig, unterschiedliche Blickwinkel im Unterricht darzustellen und zur Diskussion zu bringen. Die Lernenden sollen dabei unter Berücksichtigung von möglichen Ursachen und Folgen eine eigene Sichtweise entwickeln. So werden sie befähigt, einen eigenen Standpunkt einzunehmen, diesen zu begründen, aber auch andere Standpunkte zu akzeptieren und diese im politischen Diskurs zuzulassen. Die dafür konzipierte Unterrichtseinheit leitet die Schülerinnen und Schüler dazu an und ermöglicht den Lehrpersonen damit einen zeitgemässen Unterricht in politischer Bildung.

Internet-Plattform entdecke.lu.ch
Auf der Internet-Plattform entdecke.lu.ch finden Lehrpersonen des Kantons Luzern seit diesem Schuljahr Unterrichtsmaterialien für den 2. und 3. Zyklus im Fachbereich NMG. Diese Plattform löst den sogenannten «Heimatkunde-Ordner» ab und die Materialien haben deshalb alle den Schwerpunkt Kanton Luzern. Die digitalen Unterrichtseinheiten wurden alle von Dozentinnen und Dozenten der PH Luzern konzipiert und in Zusammenarbeit mit Dienststelle Volksschulbildung des Kanton Luzern erstellt. Die Aufgaben orientieren sich dabei konsequent an übergeordneten Fragestellungen, die alle mit dem Blick auf den Kanton Luzern so aufbereitet wurden, dass sie direkt im Unterricht eingesetzt und von den Schülerinnen und Schülern selbständig am eigenen Computer oder Tablet bearbeitet werden können. Den Lehrpersonen stehen parallel dazu Erläuterungen, Lernziele und Lehrplanbezüge zu den einzelnen Aufgaben zur Verfügung. Die bisher 14 Einheiten für die Primarstufe werden nun um vier weitere Einheiten für die Sekundarstufe ergänzt.

Der Autor

Urban Sager ist Dozent am Institut Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen der PH Luzern.

Urban Sager

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