Verschmelzung von Theorie und Praxis in Zertifikatsarbeiten zum Thema Begabtenförderung

„Theorie nützt mir wenig. Ich möchte lieber Praxisideen erhalten.“ Diesen Satz vernimmt man öfters in Gesprächen zwischen Lehrpersonen an Weiterbildungskursen oder Tagungen. Es gibt jedoch nichts Praktischeres als eine gute Theorie. In Zertifikatsarbeiten des CAS Integrative Begabungs- und Begabtenförderung (CAS IBBF) wird die Fachtheorie eng mit Elementen der Praxis verknüpft.

 

In den Präsenzveranstaltungen des CAS IBBF wird darauf geachtet, dass das Nachdenken über den Praxistransfer enthalten ist. Leistungsnachweise enthalten Aufgabenstellungen, welche die persönliche Haltung entwickeln lassen. Hospitationen und Umsetzungsprojekte werden nach eigenen Schwerpunkten und nach Ressourcen gewählt. Die konkrete Umsetzungsarbeit von Unterrichtsvorhaben oder Materialien ist jedoch dem Selbststudium oder allenfalls der Lerngruppenzeit vorbehalten.

Die Früchte des grossen zeitlichen Einsatzes während des CAS ernten die Teilnehmenden spätestens beim Abschluss der Weiterbildung, wenn sie das Zertifikat in ihren Händen halten und stolz auf ihre Leistungen zurückblicken. Dass sie sich sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis „Fachperson Integrative Begabungs- und Begabtenförderung“ nennen dürfen, zeigt sich vor allem auch in den wissenschaftsorientierten Zertifikatsarbeiten. Im Folgenden werden vier Arbeiten der letzten beiden Studiengänge kurz vorgestellt, in denen eine gelingende Verbindung zwischen praktischen als auch theoretische Elemente zum Ausdruck gebracht wird:

  1. Die CAS-Arbeit „Spielen und Lernen – spielend lernen“ stellt den Variantenreichtum des freien oder geführten Spiels in der Schule dar. Dass das Spiel nach dem Kindergarten auch in der 1. Klasse eine zentrale Lernform sein kann, stellt die Autorin mit Theoriebezügen und mit konkreten Umsetzungsvorschlägen vor. Das praktische Vorgehen für vorbereitete Spielumgebungen wurde erprobt und zugleich werden Vorschläge für Reflexion und Beobachtung beigefügt. Selbstverständlich wird auch der Zugewinn des Spiels in Bezug auf begabte Kinder einbezogen. In dieser Arbeit wird die Wichtigkeit des Spiels in der Schule begründet und eine Umsetzung regt zum Nachahmen an.
  2. „Die Biene Lisa entdeckt die Welt“ ist ein Bilderbuchprojekt für die Unterstufe und wurde von der Autorin als kreatives Umsetzungsprojekt mit einer Klasse durchgeführt. In der CAS-Arbeit werden der Bezug zur Begabungsförderung und zu Aspekten der Kreativitätstheorie dargestellt. Es wird gezeigt, dass mit den im CAS IBBF vermittelten Kreativitätstechniken und mit den vielfältigen Arbeitsaufträgen verschiedene Begabungen der Kinder gefördert werden können. Die Arbeit beschreibt, wie die erhaltenen Praxisideen zur Kreativitätsförderung mit einer Schulklasse ausprobiert werden können.
  3. Die CAS-Arbeit „Integrative Begabungsförderung im NMG-Unterricht“ nimmt sich den Prinzipien des Lehrplans 21 für das Fach NMG an. Im Sinne einer Öffnung des Unterrichts werden im Themengebiet „Mittelalter“ im Zyklus 2 begabungsfördernde Angebote vorgestellt. Zugleich wird das vorhandene Konzept der Begabtenförderung innerhalb der Gemeinde kritisch überprüft und Anpassungen werden vorgeschlagen. Damit eine bessere Verknüpfung zwischen dem Klassenunterricht und dem bestehenden Gruppenunterricht erreicht werden kann, werden thematisch passende Enrichment-Angebote entwickelt. Unterrichtsentwicklung in Theorie und Praxis wird so durch die Ideen der Autorin in ihrem Lehrpersonen-Team angeregt.
  4. Dass „Freie Tätigkeit“ auch im Zyklus 2 ihre Berechtigung hat, und wie eine ideale Umsetzung die Begabungen aller Kinder stärken kann, zeigt die CAS-Arbeit „Begabungen fördern mit Freier Tätigkeit“. Es wird die im CAS vorgestellte Projektmethode IIM mit den sieben Projektschritten verwendet, um die Kinder nach ihren eigenen Ideen und Begabungen arbeiten zu lassen. Es erstaunt nicht, dass die Lernenden häufig ein Projektthema wählten, in dem sie sowohl schriftlich als auch handelnd tätig sein konnten. So entstanden Modelle und Bauten, PC-Programme oder Choreografien. Bemerkenswert sind die Rückmeldungen der beteiligten Lehrpersonen und der Lernenden, aus deren sich Anpassungen für weitere Projekte dieser Art ergeben. Die Autorin schreibt in ihrem Rückblick auf die Arbeit: „Die Gegenüberstellung von Theorie und Praxis war für mich von grosser Bedeutung. Sie gab mir Sicherheit und bot Hinweise für Handlungsmöglichkeiten.“

Wie die Kurzbeschriebe der vier Zertifikatsarbeiten zum CAS IBBF zeigen, wird viel Sorgfalt darauf verwendet, praktische Umsetzungen bspw. mit relevanten Modellen, Theorien und dem neuen Lehrplan zu verbinden. Für die Herstellung solcher Verbindungen ist eine vertiefte thematische Auseinandersetzung notwendig, die sich für die Beteiligten und die davon profitierenden Kinder lohnt.

Marianne Ettlin

Studiengangleitung CAS Integrative Begabung- und Begabtenförderung, PH Luzern

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