Begabte Kinder fördern – ein „Muss“ für die Volksschule!

 „14-Jähriger holt sich den Uni-Abschluss“, so berichtete kürzlich eine Schweizer Sonntagszeitung. „Typisch Amerika“, denken sich da wohl einige Lesende und blättern weiter. Meldungen über sogenannte „Wunderkinder“, die in frühem Alter Spitzenleistungen vollbringen, erregen Aufmerksamkeit, ihnen begegnen jedoch auch Vorurteile und Neid, weil sie und ihre Familien besondere Bedürfnisse haben. Wie geht die Volksschule mit speziellen Begabungen und besonderen Leistungen von Lernenden um?

In der Schweiz erregte Maximilian Janisch, das wohl berühmteste hochbegabte Kind der Schweiz, mit einem IQ von 149+ Aufsehen. In der Primarschule übersprang Maximilian drei Klassen und bestand mit neun Jahren die Mathematik-Matura mit Bestnoten. Maximilians Hochbegabung und seine Probleme, an der ETH studieren zu können, löste in den Medien grosse Reaktionen zum Umgang mit hochbegabten Kindern und zum Thema «Eltern» aus. Weiterlesen

NaCl, H2O und CO2 – Sprechen Sie Chemie?

„Nicht selten ist im deutschsprachigen Raum in letzter Zeit kritisiert worden, dass der Mathematikunterricht zu sprachlastig sei, dass die Lernumgebungen in den modernen Mathematikbüchern im Gegensatz zu den traditionellen Aufgabensammlungen zu grosse Anforderungen an die Sprachkompetenz der SchülerInnen stellten und für die weniger Sprachbegabten eine Barriere bildeten, die ihnen den Zugang zur Mathematik versperrt.“ (Linneweber-Lammerskitten, 2013, S. 151).

Die enge Verknüpfung von Sprachlichkeit und fachlichem Lernen und damit die Identifizierung und Förderung von sprachlichen Kompetenzen für erfolgreiches Lernen im Fach ist ein brennendes bildungs- und forschungspolitisches Thema der Fachdidaktiken, das bislang weitgehend vernachlässigt wurde (Schmölzer-Eibinger, 2013). Es geht dabei um den Stellenwert der Sprache im nichtsprachlichen Unterricht und den Diskurs, dass Sprachkompetenzen nicht nur für die Vermittlung dieser Fachinhalte (beispielsweise Mathematik) eine Rolle spielen, sondern dem eigentlichen Denken, Verstehen und Lernen in jedem Fach inhärent sind und damit jeder Fachunterricht das Potenzial besitzt, zur Förderung von kognitiv-linguistischen und sozial-kommunikativen Kompetenzen wesentlich beizutragen.

 

Von der Alltagssprache zur alltäglichen Bildungssprache

Jeder Fachunterricht bedient sich eines spezifischen Sprachregisters, welches die fachbezogenen Verstehens- und Mitteilungsfähigkeiten ausmacht. So folgt beispielweise die Sprache im Chemieunterricht einem relativ hohen Grad an Abstraktion in Form von Modellen und Formeln. Weiterlesen

Lernen im Alter

Wie ist es eigentlich mit der Lernfähigkeit ab der Lebensmitte, oder noch später, ab der Pensionierung bestellt? Nun, die Faktenlage ist eindeutig: Die Lernfähigkeit ist zeitlebens gegeben, Wissen und Erfahrungen nehmen zu, lediglich die Lerngeschwindigkeit verlangsamt sich.

Power-Leistung versus Speed-Leistung

Wer kennt das nicht: Die Kinder und Enkelkinder sind um ein Vielfaches schneller beim Memory-Spiel. Und auch anderes lernen sie rascher, wie etwa ein neues Handy zu bedienen. Das ist die Speed-Leistung („fluide Intelligenz“). Kinder und Jugendliche sind da klar im Vorteil. Bereits ab etwa 22 nimmt die Verarbeitungsgeschwindigkeit ab. Ab 45 werden wir deutlich langsamer. Die gute Nachricht: Je älter wir werden, über desto mehr Weltwissen verfügen wir. Wir erkennen Zusammenhänge besser, können breit vernetzen, Komplexität vereinfachen, Regeln und Muster erkennen. Reflektierte und optimierte Lernstrategien kompensieren zudem die verringerte Geschwindigkeit. Das ist die Power-Leistung („kristalline Intelligenz“). Sie nimmt zeitlebens zu.

Lebenslang lernen – mehr als ein Schlagwort der Bildungsanbieter?

Vor einigen Tagen war ich beim Zahnarzt. Die Weisheitszähne sollen rausoperiert werden, meinte er. Er schickte mich für das dreidimensionale Röntgen zu einem Spezialisten. Dort öffnete mir ein älterer Herr die Tür und bat mich im Wartezimmer Platz zu nehmen. Ich dachte mir, dass der Vater des behandelnden Arztes in der Praxis mithelfe. Doch mein Vorurteil bestätigte sich nicht. Es war der Röntgenfachmann selbst. Ich war leicht beunruhigt und fragte mich, wie er wohl seine Arbeit mit diesen Geräten ausführen würde. Weiterlesen

Weiterbildung zu einem ressourcen- und diversitätssensiblen Umgang mit Heterogenität

Integrative Förderung setzt voraus, dass Lehrpersonen genau erkennen, welche Ressourcen ihren Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen und auf welche Herausforderungen sie beim Lernen treffen. Für eine ‚Schule für alle‘ bedeutet dies, den förderdiagnostischen Blick der Lehrpersonen zu schärfen und einen gefüllten Methodenkoffer für die Gestaltung der Lernsettings bereitzustellen. Dazu zählt insbesondere auch ein differenziertes Fach- und Sachwissen im Hinblick auf unterschiedliche Diversitätsdimensionen. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die Weiterbildung?

Gemäss der Kammer PH swissuniversities (2016, S. 3) gehört der Umgang mit Heterogenität zu den zentralen Aufgaben sowohl der Regel- als auch der Sonderpädagogik. Die Frage ist allerdings, ob damit alle relevanten Dimensionen der Diversität, die es in einer ‚Schule für alle‘ zu berücksichtigen gilt, ‚abgedeckt‘ sind. Während sich die Sonder- und Heilpädagogik in der Vergangenheit nämlich auf die Heterogenitätsdimensionen Behinderung/Beeinträchtigung, Lernschwächen und Verhaltensauffälligkeiten konzentriert hat, haben sich um weitere Gruppen von Schülern und Schülerinnen weitere Formen der ‚Sonderpädagogiken‘ gebildet. So interessiert sich etwa die Genderpädagogik für die Herausforderungen einer chancengerechten Förderung von Jungs und Mädchen während sich die Migrationspädagogik (von der Ausländer- über die interkulturelle Pädagogik) mit den Herausforderungen einer chancengerechten Bildung für Schüler/innen mit Migrationshintergrund auseinandersetzt. Eine Pädagogik der Vielfalt unterstreicht seit Prengels gleichnamigem Buch (1993), dass eine chancengerechte Pädagogik all diese unterschiedlichen Formen der ‚Vielfalt‘ in der Schüler/innenschaft berücksichtigen muss. Weiterlesen

Prüfungen im Alter

Erwachsenenbildner/innen sind immer wieder auch mit der Frage des „Lernens auf Prüfungen“ konfrontiert. Sie wissen, dass sich viele Erwachsene ab dem mittleren Lebensalter schwer mit Prüfungen tun. Die PH Luzern mit der Abteilung Erwachsenenbildung kennt das Problem und hat Antworten und Strategien dazu.

Radio SRF 1 fragte mich an, ob ich in den Sendungen „Treffpunkt“ und „Ratgeber“ als Experte mitwirken würde. Als Thema seien „Prüfungen im Alter“ vorgesehen. Was mit „Alter“ gemeint sei? Ab etwa vierzig, sagte die Organisatorin am Telefon. Der Redaktor meinte: ab ca. fünfzig. Die beiden rechneten jeweils rund 10 Jahre zu ihrem eigenen Alter dazu. Nun, Alter ist relativ. Als zentrale Frage kristallisierte sich heraus: Wie können Erwachsene in Aus- und Weiterbildungen Prüfungen erfolgreich bestehen, wenn sie im Erwerbsleben stehen und den Schulkontext schon seit einiger Zeit hinter sich gelassen haben? In den beiden Sendungen wurden die Lernfähigkeiten Erwachsener und Tipps für die Prüfungsvorbereitungen thematisiert.

Die Lernfähigkeiten Erwachsener verändern sich

Nach einigen Jahren Berufspraxis oder Familienleben sind Erwachsene Prüfungen in Aus- und Weiterbildungen meist nicht mehr gewohnt. Das kann verunsichern. Man weiss nicht mehr, wie es um die eigene Lern- und Leistungsfähigkeit in Bezug auf Prüfungen bestellt ist. Das kann eine Bootsprüfung, eine höhere Fachprüfung oder ein Leistungsnachweis in einer Weiterbildung sein. Die Frage kann auch dann auftauchen, wenn die selben Erwachsenen berufliche und familiäre Herausforderungen kompetent meistern. Weiterlesen