Männer an die Primarschule – oder wie Geschlechtersegregation reduziert wird

Auf der Kindergarten- und Primarstufe sind die Lehrerinnen überproportional stark vertreten. Diese „Feminisierung“ – oder besser diese Geschlechtersegregation ist mehrerer Hinsicht unerwünscht. Die vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) geförderte Initiative „Männer an die Primarschule“ will diesem Umstand entgegnen. Die PH Luzern leistet mit der Weiterbildung „Fördern statt kanalisieren. Gendersensible Vermittlung von Berufs- und Studienwahlkompetenzen“ einen Beitrag.

Der Alltag zeigt, dass die Lehrpersonen im Kindergarten weiblich und die Verwaltungsratsmitglieder von Unternehmen männlich sind. Befinden sich überproportional viele Männer oder Frauen in einem Beruf, dann wird von einer horizontalen Geschlechtersegregation gesprochen. Wenn hingegen ein Geschlecht überproportional oft in einer höheren – oder tieferen – Position zu finden ist, handelt es sich um eine vertikale Geschlechtersegregation. Weiterlesen

Zusammenarbeit von Lehrpersonen in Schulen – ein „must“?

Jede Lehrperson ist Mitglied mindestens eines Teams oder einer Arbeitsgruppe der Schule (Unterrichtsteam, Stufengruppe, Steuergruppe, Fachteam, …) und kennt Zusammenarbeit im Schulalltag aus eigener Erfahrung. Zusammenarbeit gilt heute als Arbeitsplatzbedingung in Schulen und trägt erwiesenermassen zur Unterrichtsentwicklung bei. Was macht denn Zusammenarbeit aus? Und wie wird sie an Schulen praktiziert?

Frau G. und Frau W., beide Sekundarlehrerinnen an der Sekundarschule in O., sind ein eingespieltes Team und pflegen eine bereichernde Zusammenarbeit. Bereits in der gemeinsamen Jahresplanung für ihre beiden Deutschklassen legen sie Themen, Lernziele, Anforderungen, Lernhilfen und Unterrichtsdurchführung fest. Jeweils eine der beiden übernimmt die Hauptverantwortung für die Organisation und Ausarbeitung eines Themas, beide steuern jedoch ihre Ideen und Materialien bei. Kürzlich haben sie eine Unterrichtseinheit zum Thema Poetry Slam erarbeitet und durchgeführt. Beim gemeinsamen Start mit beiden Klassen wurden zwei aktive Poetry Slam Dichter eingeladen. Die anschliessende Erarbeitung eines eigenen Poetry Slams durch die Schülerinnen und Schüler erfolgte dann innerhalb der Klasse. Die Leistungen beurteilten die beiden Lehrerinnen wiederum gemeinsam anhand eines Kriterienrasters und konnten so ihre Erwartungen und Bewertungen gegenseitig kritisch überprüfen und abgleichen. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit!

Ist Zusammenarbeit ein must?

Die Schuleffektivitätsforschung zeigt deutliche Resultate: Schulen mit gelingender Zusammenarbeit sind erfolgreiche Schulen, d.h. der schulische Erfolg der Schülerinnen und Schüler ist höher als bei Schulen mit weniger erfolgreicher Zusammenarbeit. Zudem wirkt sich erfolgreiche Zusammenarbeit auf die wahrgenommenen kollektiven Ressourcen des Kollegiums und auf das Arbeitsklima im Kollegium aus.

Zusammenarbeit wird auch im Berufsauftrag für die Lehrpersonen gefordert ist und ist heute eine Arbeitsplatzbedingung, denn die heutigen Anforderungen an die Schulen (z.B. Integration, neuer Lehrplan, etc.) erfordern gemeinsame Ziele und ein abgesprochenes Vorgehen der involvierten Lehr- und Fachpersonen. Es ist deshalb sehr hilfreich, sich Wissen über Gelingensfaktoren von Zusammenarbeit und über gruppendynamische Aspekte anzueignen (vgl. CAS Zusammenarbeit & Moderation). Weiterlesen

Berufserfahrung macht noch keine Experten – oder wie ich eine gute Lehrperson werde

Junglehrpersonen begeben sich nach Studienabschluss als Novizen in ihr Berufsfeld, womit ihre Professionsentwicklung beginnt. Erst mit dem bewussten und reflektierten Praktizieren entwickeln sich Lehrpersonen in ihren Kompetenzen, allen Schülerinnen und Schülern die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln und sie zu fördern. Es gibt keine Lehrer/innen-Gene und keine natürliche Begabung eine gute Lehrerin/ein guter Lehrer zu sein, sondern nur Lehrpersonen, die sich mehr oder weniger in ihrer Profession entwickeln.

Mein sechsjähriger Sohn hat begonnen, ein Instrument zu spielen und zwar in der klassischen Methode: Einmal pro Woche besucht er den Musikunterricht, wo ihm die Musiklehrerin Rückmeldungen zu seinem Spiel und neue Herausforderungen mitgibt, die er dann bis zur nächsten Stunde üben soll. Seit der These von Malcolm Gladwell im Buch Outliers (2008) wissen wir, dass Menschen rund 10‘000 Stunden ins Üben investieren müssen, um z.B. auf einem Instrument, im Sport oder auch in ihrer Profession gut zu werden. Der Urheber dieser These, Andres Ericsson zeigt mit seiner Forschung (z.B. Ericsson und Pool, 2016; Ericsson et al., 2013), dass es eine ganz bestimmte Art von Üben braucht, um Fortschritte zu machen. Er nennt das „Deliberate Practicing“. Deliberate Practicing gilt auch als Goldstandard, wenn es um die Entwicklung der Kompetenzen des Unterrichtens von Lehrpersonen geht.

Deliberate Practicing

Die Kompetenzentwicklung von Personen in einer Profession, d.h. der Professionals wie der Lehrerinnen und Lehrer, der Anwältinnen und Anwälte oder der Ärztinnen und Ärzte ist wissenschaftlich gut untersucht. Quasi axiomatisch ist die Erkenntnis, dass Praktizieren per se noch keine Entwicklung zum Besseren mit sich bringt. Viele Studien zeigen, dass die Kompetenzen von Professionals trotz regelmässigen Weiterbildungen abnehmen. Ein Grund liegt darin, dass Weiterlesen

Zweitkarriere als Berufsfachschullehrer/in

Berufsfachschullehrpersonen starten mit dem Stellenantritt als Lehrperson in der Regel ihre zweite Karriere. Bevor sich Fachleute für eine Zweitkarriere als Berufsfachschullehrperson entscheiden, Fragen sie nach den Perspektiven im Beruf. Bietet der Lehrberuf in der Berufsbildung Möglichkeiten einer beruflichen Karriere?

Soll ich Berufsfachschullehrer/in werden? Die Entscheidung für den Lehrberuf in der Berufsbildung ist eine komplexe Angelegenheit. Für Berufsgruppen mit relativ tiefen Löhnen und schwierigen Arbeitsbedingungen bezüglich Arbeitszeit, Arbeitssicherheit, gesundheitlicher Belastung oder begrenzter Entwicklungsmöglichkeiten ist der Lehrberuf sehr attraktiv. Für sie ist der Wechsel an die Berufsfachschule auch ein Karriereschritt mit sichtbarem Statusgewinn. Untersuchungen zeigen, dass sich bei diesen Berufsgruppen vor allem die „Besten“ für den Lehrberuf interessieren. Für Berufsleute in sehr gut bezahlten Berufen, Firmen und Branchen mit breit gefächerten Entwicklungsmöglichkeiten scheint der Lehrberuf hingegen weit weniger attraktiv zu sein. Es wäre aber ein Fehlschluss zu denken, dass sich in diesen Bereichen die „Schwächsten“ für den Lehrberuf interessieren. Zweitkarriere-Lehrpersonen wählen den Lehrberuf nicht primär aus monetären Gründen. Es wird sogar beobachtet, dass Personen trotz Lohneinbussen von bis zu 50% in den Lehrberuf wechseln.

“Moving out”, “Moving on” oder “Moving up”?

Berufsfachschullehrpersonen haben nach dem Berufseinstieg im Grunde die drei Optionen „moving out“, „moving on“ oder „moving up“. Bei der „moving out“ Option wird der Zweitberuf der Berufsfachschullehrerin/des Berufsfachschullehrers wieder verlassen. Weiterlesen

Der Lehrer ist tot – Es lebe der Lehrberuf!

Den Lehrer oder die Lehrerin gibt es nicht mehr. Der Lehrberuf beschreibt heute ein hoch ausdifferenziertes Berufsfeld mit vielen Facetten und Perspektiven. Dennoch sprechen die Berufsberatung oder der Lehrer/innenverband noch immer vom Lehrer und von der Lehrerin und stehen sich und ihrem Berufsstand für weitere Entwicklungen selber im Weg. Der Blogbeitrag macht ein paar Überlegungen, wie das aufgebrochen werden kann.

«Lehrerin/Lehrer werden» heisst es auf der Homepage der berufsberatung.ch oder bei verschiedenen Pädagogischen Hochschulen. Auch der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer LCH hat in seiner jüngsten Publikation zum Lohn des Lehrers/ der Lehrerin gesprochen. Doch gibt es DEN Lehrer bzw. DIE Lehrerin noch? Stimmt das Image des Lehrers/ der Lehrerin noch mit dem Lehrberuf von heute überein? Weiterlesen