Ausbildungsplenum PH Luzern Januar 2016 – Teil 1: Forschung und Lehre verzahnen

Die Verzahnung von Forschung und Lehre war eines der beiden Hauptthemen am Ausbildungsplenum für die Dozierenden der PH Luzern vom 6. Januar 2016. Sensibilisieren für das aktive Wahrnehmen von hochschuldidaktisch relevanter Forschung und aufzeigen, wie hochschuldidaktische Forschung direkt für den Unterricht an einer Pädagogischen Hochschule genutzt werden kann, das waren die zentralen Ziele der Referate am Vormittag.

Zu Beginn stellten zwei Dozierende der PH Luzern ihre aktuellen Projekte im Schnittbereich von Lehre und Forschung vor, anschliessend präsentierte Dr. Anja Gebhardt von der PH St. Gallen ihre Forschungsresultate zum Thema Lernkulturen.

Prof. Dr. Isabelle Hugener ist Leiterin der Berufsstudien im Grundjahr der PH Luzern und forscht – gemeinsam mit Prof. Dr. Kathrin Krammer und Sandro Biaggi – seit mehreren Jahren im Bereich der videobasierten Lehr-Lernberatung. Am Plenum stellte Isabelle Hugener den aktuellen Forschungsstand des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts VideA zur Förderung der unterrichtsbezogenen Analysekompetenz von angehenden Lehrpersonen anhand von eigenen und fremden Videos vor. Anschliessend zeigte sie die entsprechenden hochschuldidaktischen Konsequenzen auf. Im Projekt VideA arbeiten Studierende der PH Luzern in der Berufsfeldausbildung in drei Gruppen mit jeweils unterschidelichen Bedingungen: Eine Gruppe mit schriftlichen Praxisbeispielen, eine Gruppe mit fremden Unterrichtsvideos und eine Gruppe mit eigenen Unterrichtsvideos. Dabei zeigte sich, dass die Arbeit mit Videos jener mit schriftlichen Unterlagen überlegen ist. Zudem findet die Arbeit mit Videos bei den Studierenden eine sehr hohe Akzeptanz. So kam es bei jenen Gruppen, die mit Videos arbeiteten, zu einem signifikanten Zuwachs der Analysekompetenz. Detailliertere Ergebnisse finden sich in Dokumentation zur Präsentation (Handout / nur intern verfügbar). Weitere Informationen zum Projekt VideA finden sich u.a. in einem Artikel in den „Beiträgen zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung“ (BzL Heft 2/2012), eine weitere Veröffentlichung ist in Vorbereitung.

Prof. Dr. Luciano Gasser ist stellvertretender Leiter am Institut für Schule und Heterogenität (ISH) der PH Luzern. Mit CLASS (Classroom Assessment Scoring System) stellte er ein in den USA entwickeltes forschungsbasiertes  Beobachtungsinstrument für Coaching und Evaluation vor. CLASS soll künftig an der PH Luzern breiter eingesetzt werden. Zudem soll das Projekt durch eine Arbeitsgruppe begleitet werden, welche das weitere Potenzial von CLASS in den Bereichen Lehre und Forschung prüfen soll. Details zu CLASS finden sich im Handout zur Präsentation (hier) sowie in der am Plenum abgegebenen Broschüre zu CLASS (hier). Die Broschüre enthält die deutsche Übersetzung von Luciano Gasser zum Classroom Assessment Scoring System für alle Stufen der Volksschule.

Das Gastreferat am diesjährigen Ausbildungsplenum zum Thema „Forschung und Lehre verzahnen“ hielt Dr. Anja Gebhardt von der PH St Gallen. Ihr Beitrag „Lernkulturen an Pädagogischen Hochschulen – erste Einblicke in lernkulturelle Spezifika“ (Handout / Video des Vortrags – nur intern zugänglich) präsentierte die Forschungsresultate ihrer Untersuchung zu den Lernkulturen an der PH St. Gallen aus der Perspektive der Studierenden und Dozierenden und verglich diese mit Referenzdaten aus universitären Lehrgängen. Aufgrund ihrer Untersuchung machte Anja Gebhardt Aussagen zu drei Lernkulturellen Dimensionen (Studierendenperspektive):

  • Individuelle Lernkulturdimension: Hier fallen im Vergleich bei den PH-Studierenden insbesondere die eher tiefe extrinsische Studienmotivation, die sowohl intrinsisch als auch extrinsisch eher tiefe Lernmotivation, der hohe Wert bei der Langeweile aber auch bei der Proaktivität auf.
  • Pädagogisch interaktionale Lernkulturdimension: Hier zeichnen sich PH-Studierende aus durch schwaches Konkurrenzverhalten und durch hohe Partnerschaftlichkeit untereinander sowie durch hohe Partizipation.
  • Organisationale Lernkulturdimension: Hier wird der Freiheitsgrad der Studiengestaltung durch die PH-Studierenden ausgesprochen tief eingeschätzt, dafür schwingen sie überraschenderweise bei der Einschätzung der Möglichkeiten zu extracurricularem Engagement obenaus.

Aus den Resultaten lassen sich auch erste Ergebnisse für hochschuldidaktische Impulse an Pädagogischen Hochschulen ableiten. Zudem bestätigt sich auch im Bereich der Lernkultur an Hochschulen, dass es sich – trotz aller Gemeinsamkeiten der verschiedenen Hochschultypen – auch lohnt, Überlegungen zu einem spezifischen hochschuldidaktischen Profil der Pädagogischen Hochschulen anzustellen.

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