WO IST LUNA?

Im Theater Tuchlaube wird an diesem 5. März Luna gesucht. Ich treffe rechtzeitig ein und vermisse das Publikum. Eine ganze Schule von Würenlos trifft dann verspätet aber doch noch ein. Es sind Schülerinnen und Schüler der 3. – 6. Primar, die wissen wollen wo Luna ist.

Zwei Schauspieler und eine Schauspielerin zeigen zuerst in tänzerischen Varianten, dass ihre Spiele und Aktionen immer wieder im Sand verlaufen, weil sie eben bloss zu dritt sind und nicht wie gewohnt zu viert. Luna fehlt. Sie ist plötzlich verschwunden. Sie wird vermisst. Und zu dritt macht es einfach keinen Spass.

Die drei Freunde wollen herausfinden, wo Luna steckt und beschliessen als die Detektive «3ohne4» wie einst Die drei??? oder TKKG mit Ermittlungen zu beginnen. In kurzen und knappen Szenen werden Fakten skizziert und zusammengetragen. Die Schauspieler schlüpfen dazu in verschiedene Rollen von Erwachsenen indem sie sich ein Kleidungsstück schnappen und an ihr Grundkostüm kletten. Die Orte werden mittels Hellraumprojektoren auf weisse Leinwände projiziert. Die Szenen sind holzschnittartig gespielt. Auf den weissen Leinwänden entstehen aufgrund des harten Halogenlichtes der Hellraumprojektoren harte Schatten. Das Sammeln und Erforschen wird immer wieder mit tänzerischen Einlagen der drei Kinderdetektive unterbrochen. Nach und nach erkennen sie, dass sie sich mit etwas befassen, wofür sie noch zu klein sind, wo vieles undurchsichtig und im Geheimen passiert. Luna ist nämlich das Kind von sogenannten «Illegalen» oder «Sans-Papiers». Sie musste untertauchen und darf nicht verraten werden. Die drei Detektive beissen auf Granit und befassen sich ohne es zu wollen mit einem aktuellen Thema über welches eher geschwiegen wird. Immerhin können sie Luna auf ihrer Suche einmal kurz sehen und verfolgen – aber im Gewühl des Stadtverkehrs verlieren sie sie wieder aus den Augen. Über Flugblätter erfahren sie, dass es in der Stadt eine Kundgebung gibt. Sie gehen hin und versuchen zu verstehen, was es heisst zu protestieren.

Mit Hilfe dieser Detektivgeschichte wird das Publikum über Hintergründe und Problematiken der «Sans-Papiers» informiert und aufgeklärt. Das ist zweifellos ein legitimes Anliegen. Nur bleiben leider die Emotionen auf der Strecke und bei mir selber will sich keine Aufregung und Betroffenheit einstellen. Zwar bleiben die Schülerinnen und Schüler meistens dran an der Geschichte, aber nachdem Luna im Stadtverkehr aus dem Blickfeld verschwindet und keine neue Perspektive mehr in Sicht ist, scheint die Luft auch beim jungen Publikum raus zu sein.

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