Altersintegrative Weiterbildungskurse für Volksschullehrpersonen

In den Weiterbildungskursen für Volksschullehrpersonen treffen Jung und Alt zusammen. Den damit verbundenen Chancen und Herausforderungen muss mit altersintegrativen Bildungskonzepten und qualifizierten Dozierenden begegnet werden.

Der Lehrberuf in der Volksschule zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass die Altersklassen zwischen 30 und 60 Jahren ziemlich gleichmässig vertreten sind (vgl. BfS, 2015). Nur die unter 30jährigen und über 60jährigen sind mit 14 bzw. 7 Prozent etwas untervertreten. Bei den Weiterbildungskursen an der PH Luzern lässt sich auch eine sehr gleichmässige Altersverteilung bei den Teilnehmenden beobachten. Wobei die Lehrpersonen unter 30 Jahren, also die Berufseinsteiger/innen und Junglehrpersonen, trotz hoher Berufsbelastung in den ersten Berufsjahren, überproportional viel Weiterbildungskurse besuchen. Diese Übervertretung der Junglehrpersonen erstaunt nicht, da es gerade beim Berufseinstieg wichtige Kursangebote gibt, die den Einstieg erleichtern. Das gesetzlich verankerte Recht und die damit verbundene Pflicht einer Lehrperson, sich kontinuierlich weiterzubilden, hält die Weiterbildungstätigkeit gemäss der erfassten Altersstruktur, auch mit zunehmendem Alter hoch. Diese homogene Altersdurchmischung – oder die heterogene Altersstruktur – der Kursteilnehmenden kann als Segen für die Volksschule und als Herausforderung für den Weiterbildungsanbieter betrachtet werden.

Weiterbildung schafft Gelegenheit

Wie die statistischen Auswertungen zeigen, treffen in den Weiterbildungskursen für Volksschulpersonal verschiedenen Generationen (oder Kohorten) aufeinander. Diese altersdurchmischten Gruppen schaffen Gelegenheit, Idiosynkratisches der Volksschulbildung zu tradieren, die intergenerationale Kohäsion zu stärken und den Jüngeren (Novizen) von den älteren Expertinnen und Experten zu lernen. So können beispielsweise die Jungen vom erfahrungsgeprüften Systemverständnis oder von den Kompetenzen auf der Beziehungsebene von den älteren Lehrpersonen profitieren. Oder die Älteren können Theorie, neue Ideen und Konzepte aus den Hochschulen von den Jüngeren übernehmen. Dieser Austausch findet aber nur statt, wenn dazu Raum gegeben wird und der Kurs auf eine altersintegrative Weiterbildung ausgerichtet ist.

Alterskorrelierte Unterschiede kennen und nutzen

Im Wissen darum, dass die Teilnehmenden an Weiterbildungskursen für Volksschullehrperson unterschiedlich alt sind, müssen die Kurse (konzeptionell) auf ein altersintegratives Lernen ausgerichtet sein. Zudem sollten die Dozierenden alterskorrelierte Unterschiede kennen und ihnen mit geeigneten Methoden begegnen können. Die zu berücksichtigenden Unterschiede beginnen bereits bei der Lernmotivation. Jüngere Lehrpersonen sind vorwiegend beruflich motiviert (Schröder und Gilberg, 2005) und fordern entsprechend die in der Ausschreibung formulierten Lernziele konsequenter ein. Ältere Personen lernen eher „für sich selbst“  (Stadelhofer, 1998), suchen in der Weiterbildung auch „Geselligkeit“ und wollen Themen ausdiskutieren (Metz-Göckel et al., 1998). Es sind aber auch Lernunterschiede zu berücksichtigen, die sich beispielsweise durch die unterschiedlichen Ressourcen erklären lassen. Der grosse Erfahrungsschatz der Älteren führt beispielsweise dazu, dass sie die Tendenz haben, das Neue mit ihrer eigenen Erfahrung zu vergleichen. Jüngere mit höherem theoriegeleitetem Interesse (Metz-Göckel et al., 1998) knüpfen eher an Theorien als an Erfahrungen an.

Anforderungen an Altersintegrative Weiterbildungskurse

Die Anforderungen an die altersintegrative Bildung und letztendlich die Konsequenzen für Weiterbildungsangebote für Volksschullehrpersonen lassen sich in Anlehnung an Neidhardt (2008) in folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Die Altersdurchmischung der Zielgruppe muss bei der Kursentwicklung berücksichtigt werden. Können die Lernziele auch mit altersgemischten Gruppen erreicht werden?
  • Dozierende müssen die für das Lehren und Lernen relevanten altersbedingten Unterschiede (alterskorrelierte Unterschiede) kennen und in den Lernsituationen diagnostizieren können.
  • Im Sinne des „Miteinander- und Übereinander-Lernens“ sollte insbesondere bei der Lehrerweiterbildung die in Lernsituationen auftretenden alterskorrelierten Unterschiede thematisiert und reflektiert werden.
  • In altersheterogenen Gruppen sollten Methoden der Binnendifferenzierung eingesetzt und die Unterschiedlichkeit jüngerer und älterer Lehrpersonen gezielt genutzt werden. Hierfür eignen sich z.B. das „dialektische Lernen“ (Veelken, 2000) oder das Lernen in Tandems.

Die Verantwortlichen für Weiterbildungen für Lehrpersonen müssen sich den grossen Herausforderungen – und Chancen – ihrer altersheterogenen Teilnehmenden bewusst sein, ihr die notwendige Aufmerksamkeit schenken und ihre Dozierenden gezielt schulen, um die Weiterbildung für alle Altersgruppen lust- und wirkungsvoll zu gestalten.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

 

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