Die Elternbildung im Präventionsdilemma

Elternbildung ist ein wichtiges Instrument der (vor-)schulischen Förderung und soll einen Beitrag zur Chancengleichheit in der Schule leisten. Die Elternbildung scheint jedoch spezifische Zielgruppen noch immer nur schwer zu erreichen; sie ist im Präventionsdilemma. Dieses und weitere wichtige Themen der Elternbildung werden an der 2. Konferenz Elternbildung des Kantons Luzern diskutiert.  

In der aktuell sehr spärlich vorhandenen erziehungswissenschaftlichen Literatur wird Elternbildung unter dem Begriff der Erwachsenenbildung subsummiert und richtet sich nach einer engen Definition ausschliesslich an Eltern und deren Erziehungskompetenz. Dadurch grenzt sich Elternbildung auch vom Begriff der Familienbildung ab, welche alle Familienmitglieder gleichermassen einschliesst (Textor, 2007). Die Elternbildung begegnet aktuell einem scheinbar entgegengesetzten Interesse aus Forschung und Praxis. So findet man empirisch und wissenschaftlich gestützte Literatur zu Elternbildung nur sehr spärlich, während Elternbildungsangebote in der Praxis zu boomen scheinen (Lösel & Runkel, 2012).

Qualität hinkt hinter dem wachsenden Interesse her

Dieses wachsende Angebot an Elternbildungsveranstaltungen kann als sichtbares Symptom einer Entwicklung betrachtet werden, in der sich die Bildung der Erziehenden vom Intimthema im Handlungsfeld der Familie beim Auftauchen von Problemen befreit und zunehmend den Charakter einer präventiven Möglichkeit der (Weiter-) Entwicklung eines kompetenten Erziehungsverhaltens erlangt hat.

Der spürbare Aufwind und das wachsende Interesse an Elternbildung darf jedoch über die kritische Betrachtung von Akzeptanz, Bewertung und Wirksamkeit von Elternbildungsangeboten nicht hinweg täuschen. Denn die Erarbeitung von Qualitätskriterien für Anbieter und Nutzer, welche empirischen und wissenschaftlichen Standards gerecht wird, konnte in dieser Entwicklung bislang nicht mithalten. Mit einer empirisch gestützten Fachdidaktik Elternbildung will die PH Luzern einen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten.

Elternerreichbarkeit im Präventionsdilemma

Es ist zu beobachten, dass die Nachfrage nach Elternbildungsangeboten ungleich verteilt ist. So sind Frauen mit Kleinkindern aus der Mittelschicht in Elternbildungsangeboten überproportional häufig anzutreffen, während Väter und Eltern aus sozial schwächeren bzw. bildungsferneren Schichten insbesondere in institutionellen Angeboten immer noch sehr selten vertreten sind (Schmid, 2012). Allgemeines Merkmal dieses Präventionsdilemmas ist, dass gerade Eltern bzw. insbesondere Mütter mit ohnehin erhöhter Sensibilität und Aufmerksamkeit auf Erziehungsfragen mit bestehenden Angeboten erreicht werden, während sich Eltern mit erhöhtem Bedarf an Begleitung und Beratung nicht oder nur schwer angesprochen fühlen. Diese Problematik der Elternerreichbarkeit veranschaulicht beispielhaft eine Vielzahl an weiteren keineswegs neuen, dafür konstant bestehenden Herausforderungen im aktuellen Diskurs um die Elternbildung. Dabei lohnt sich eine kritisch reflexive Auseinandersetzung mit Qualitätsaspekten in der Elternbildung für alle Beteiligten. Sie sind dazu am 13. Juni 2015 herzlich eingeladen an der 2. Konferenz Elternbildung des Kantons Luzern, welche die Steuergruppe Elternbildung Luzern in Kooperation mit der PH Luzern anbietet.

 

Janine Gut

 

Lösel, F. & Runkel, D. (2012). Empirische Forschungsergebnisse im Bereich Elternbildung  und Elterntraining. In: W. Stange et al. (Hrsg.), Erziehungs- und Bildungspartnerschaften (S. 267-278). Wiesbaden: Springer.

Schmid, M. (2012). Elternbildung in der Moderne – warum Eltern Rat suchen. Bildung und Erziehung, 4, 391-408.

Textor, M. R. (2007). Familienbildung. In: J. Ecarius & R. Merten, Handbuch Familie (S. 366-388). Wiesbaden: Springer VS Verlag.

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