Klassenlehrpersonen und das Setzen von Normen

Die Führung eines Klassenverbands an Gymnasien ist in der Schweiz die Regel. Die Klassenlehrperson übernimmt dabei wichtige Aufgaben, die sich massgeblich auf den Lernerfolg der Lernenden auswirken. Das „Setzen“ und „Pflegen“ von Klassennormen ist dabei eine Aufgabe, die Klassenlehrpersonen lernen müssen.

Klassenlehrpersonen an Gymnasien nehmen spezifische Aufgaben „in der Schule“, „in der Klasse“ und „Aufgaben gegenüber einzelnen Lernenden und deren Erziehungsberechtigten“ wahr. Für diese vielschichtige und komplexe Aufgabe werden Klassenlehrpersonen nach ihrer Ausbildung zur Gymnasiallehrperson vorbereitet (vgl. CAS Klassenlehrer/in an Gymnasien). Klassenlehrpersonen müssen auf der Makro-, Meso- und Mikroebene tätig sein. Das heisst, sie arbeiten am System Schule, an der Klasse sowie an der individuellen Beziehung zu Lernenden. Soziologisch interessant sind u.a. die Rolle der Klassenlehrperson in der Klasse und die Frage des lernfördernden Klassenklimas.

Klasse setzt Normen

Die Klasse ist eine wichtige Kontextvariable, die auch auf die schulische Leistung von  Jugendlichen wirkt (z.B. Hattie, 2009; Scharenberg, 2014). Es sind neben dem Klassenmanagement, dem Einfluss der Peers usw. auch die geteilten Normen – beispielsweise in Bezug auf Leistung und Leistungsbereitschaft –, die über starke und schwache Klassen entscheiden. Es ist die Klasse, die in ihrer normativen Funktion Lernkulturen und Verhaltensmodelle schafft (z.B. Dar und Resh 1986). Es kommt nun der Klassenlehrperson zu, lehr- und lernfördernde Normen entstehen zu lassen und diese zu pflegen.

Gutes Schulklima schaffen

Die zentrale Frage für die Klassenlehrperson lautet: Wie schaffe ich es zusammen mit den Lernenden und den weiteren, an einer Klasse unterrichtenden Lehrpersonen, lehr- und vor allem lernfördernde Normen zu etablieren? Das gute Klassenklima mit Wirkung auf gute Lernleistungen ist gemäss Hattie (2009) positiv von „classroom management“, „group cohesion“ und „peer influence“ abhängig. Entsprechend sind Klassenlehrpersonen angehalten, eine klare Kommunikation mit den Lernenden zu pflegen, gemeinsame positive Erlebnisse zu ermöglichen, unerwünschte Störungen z.B. durch disziplinarische Interventionen zu vermeiden oder die Lernenden zu motivieren, sich untereinander Rückmeldungen zu geben, sich gegenseitig zu unterstützen oder Freundschaften zu schliessen. Darüber hinaus geht es darum, mit den an einer Klasse unterrichtenden Lehrpersonen sich über die gemeinsamen Werte, Normen und Regeln zu verständigen, wodurch eine Lehr-Lernkultur entstehen kann, die gemeinsam getragen und gepflegt wird.

Tool-Box für Klassenlehrpersonen

Klassenlehrpersonen müssen also mit einer „Tool-Box“ ausgestattet sein, die sehr divers und umfassend ist. In dem Case-Study-orientierten CAS Klassenlehrer/in der PH Luzern wird die Tool-Box mit Theorien und praktischen Beispielen gefüllt und die einzelnen Instrumente werden in der Peer-Gruppe angewendet.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

Ein Kommentar zu “Klassenlehrpersonen und das Setzen von Normen

  1. In unserem Blogbeitrag nehmen wir Bezug auf folgende Frage:
    „Wie schaffe ich es, zusammen mit den Lernenden und den weiteren, an einer Klasse unterrichtenden Lehrpersonen, lehr- und vor allem lernfördernde Normen zu etablieren?“

    – Von der Entwicklung einer gemeinsamen Kultur:
    Voraussetzungen für eine gemeinsame Lern- und Lehrkultur sind definierte Werte, Normen und Haltungen im gesamten Lehrerteam. Damit diese Voraussetzungen erfüllt werden können, braucht es eine stetige gemeinsame Auseinandersetzung aller Beteiligten. Nötig sind gemeinsame Gefässe, wie beispielsweise pädagogische Zirkel, die diesem Prozess Raum geben.
    Die definierten Normen müssen im Alltag gelebt werden, erst dann kann von einer gemeinsamen Kultur gesprochen werden. Dies bedingt Teamarbeit und Engagement.

    – von der Rolle der Lehrperson:
    Die Verantwortung der Lehrperson sehen wir darin, dass sie in der Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Studierenden diese Normen, Werte und Haltungen einfliessen lässt.

    – Contracting:
    Unter Berücksichtigung der gruppendynamischen Prozesse ist der Gestaltung der Orientierungsphase besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Gemeinsam definierte Normen, Werte und Haltungen in dieser ersten Phase vermitteln Sicherheit sowie Orientierung und unterstützen die Lernprozesse innerhalb der Gruppe.
    Der Einbezug der Lernenden scheint in diesem Zusammenhang eine bedeutsame Rolle zu spielen. Es ist daher empfehlenswert, mit der Gruppe eine verbindliche Arbeitsvereinbarung (Contract) zu treffen.

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