Bildung kostet – Weiterbildung kostet weit mehr

Mit dem Postulat des Lebenslangen Lernens rücken Weiterbildungen und die damit verbundenen Kosten stärker in den Fokus. Die Preise für Weiterbildungsstudiengänge an Pädagogischen Hochschulen (CAS, DAS, MAS) können bei einer regelmässigen Weiterqualifizierung der Lehrpersonen zu einer finanziellen Belastung werden. Es stellt sich daher die Frage, was bekommen die Teilnehmenden für ihr Geld und weshalb kostet ein Zertifikatslehrgang (CAS) CHF 6‘500.?

Lehrpersonen haben das Recht und die Pflicht, sich laufend weiterzubilden. Sie tun dies informell im Rahmen ihrer Tätigkeiten beispielsweise durch das Studium von Fachliteratur, durch den Besuch von Weiterbildungskursen oder in grösseren Abständen im Rahmen eines Weiterbildungsstudiengangs (z.B. CAS). Der Markt für Weiterbildungsstudiengänge für Lehrpersonen hat sich in den letzten Jahren erfreulich ausdifferenziert, so dass individuelle Spezialisierungen und Laufbahnen im Lehrberuf möglich werden. Viele Lehrpersonen entwickeln sich heute über umfassende Bildungsangebote weiter. Da nur der kleine Teil der Weiterbildungsstudiengänge für Lehrpersonen zu einer unmittelbaren höheren Besoldung führt und die Schulen, Gemeinden oder die Kantone nur einen Teil der Kosten für die Weiterbildung übernehmen, können die Kosten für die Weiterbildung grosse Summen annehmen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die berechtigte Frage, weshalb kostet ein CAS CHF 6‘500. —? Folgend wird exemplarisch aufgezeigt, wie die Kosten zustande kommen und welche Treiber für die Kosten verantwortlich sind.

Entwicklungskosten

Weiterbildungen, wie sie heute von den Pädagogischen Hochschulen für Lehrpersonen angeboten werden, sind keine Commodities (Massenprodukte), die hoch standardisiert und für ein breites Publikum angeboten werden. Weiterbildungsstudiengänge werden in der Regel aus spezifischen Bedürfnissen heraus entwickelt und können nur zu einem geringen Teil auf „Standardbauteile“ aufsetzen. Der Anspruch an Weiterbildungsstudiengänge ist, dass die verschiedenen Themen und Kompetenzbereiche aktuell, wissenschaftlich fundiert und zusammen ein harmonisches Ganzes sind. Entsprechend teuer ist die personalintensive Entwicklung eines Weiterbildungsstudiengangs. Ein Entwicklungsprojekt involviert mehrere Fachexperten und Fachexpertinnen, eine Projektleitung. Ferner durchlaufen Neuentwicklungen einen Qualitätssicherungsprozess, der interne und externe Stellen miteinbezieht und schliesslich werden auch Ressourcen der Hochschulleitung benötigt, da sie ein neues Angebot genehmigen muss. Die Erfahrung an der PH Luzern zeigten, dass Neuentwicklungen mit erfahrenen Entwickler/innen Investitionen von rund CHF 1‘800. — pro ECTS-Punkt verlangen. Diese Investitionen müssen in zwei, maximal drei Durchführungen amortisiert werden. D.h. dass bei einem CAS mit 10 ECTS-Punkten die Investitionen das Angebot jährlich mit CHF 6‘000.— bzw. CHF 9‘000.— belasten, was bei 20 Teilnehmenden CHF 300.— bzw. CHF 450.— entspricht.

Durchführungskosten

Ist ein Weiterbildungsstudiengang einmal entwickelt, dann fallen pro Durchführung Personalkosten der Studiengangsleitung (CHF 15‘000. — bis CHF 20‘000. —), der Dozierenden (CHF 18‘000. — bis CHF 32‘000. —) und der Administration (ca. CHF 10‘000. —) an. Die Personalkosten der Dozierenden hängen wesentlich vom Umfang der Präsenzstunden, der Art der Begleitung des Selbststudiums sowie dem Umfang der Rückmeldungen zu den Leistungsnachweisen der Teilnehmenden ab. Die variablen Produktionskosten (Betreuung Zertifikatsarbeiten, Ordner, Kopien, Spesen der Dozierenden, Pausen, Anteil an Diplomfeier usw.) betragen erfahrungsgemäss rund CHF 12‘000. —. Zusätzlich kommen Infrastrukturkosten (Raummiete, IT-Infrastruktur, ICT-Lizenzgebühren usw.) von ca. CHF 20‘000. —, Werbe- und Marketingkosten (Flyer, Homepage, Inserate usw.) von CHF 6‘500. — sowie die Overheadkosten der Organisation (Qualitätsmanagementsystem, Evaluationen, Abteilungsleitung, Zentrale Dienste wie Rechtsdienst, Personal, Finanz- und Rechnungswesen, Rektorat usw.) von etwa CHF 20‘000. — dazu. Das heisst, eine Durchführung kostet in Abhängigkeit des Umfangs des durch Dozierende geführten Unterrichts zwischen CHF 101‘500. — und CHF 120‘500. — Franken.

Gesamtkosten und Preis

Die Gesamtkosten eines Weiterbildungsstudiengangs umfassen also die getätigten Investitionen bzw. der Anteil der Abschreibung (zwischen CHF 6‘000. — und CHF 9‘000. —), die Durchführungskosten (zwischen CHF 101‘500.— und CHF 120‘500.—) sowie eine Risikoprämie von CHF 2‘500. —. Somit betragen die Kosten eines CAS mit 10 ECTS-Punkten für die Pädagogische Hochschule zwischen CHF 104‘000.— und CHF 123‘000.—. Das heisst, bei einer Studiengruppe von 18 Personen, kostet der Studiengang im Durchschnitt CHF 6‘300.—. Der Preis eines Weiterbildungsstudiengangs muss höher liegen als die Gesamtkosten, um in die Zukunft investieren zu können. Es liegt nun an der Pädagogischen Hochschule, allfällige (kleine) Gewinne für Anpassungen, Neuentwicklungen oder Arbeiten in kantonalen und nationalen Fachgremien zu investieren, um auch längerfristig wichtige Weiterbildungsangebote anbieten zu können.

Mir persönlich ist es wichtig, dass wir den Lehrpersonen von öffentlichen Schulen aufzeigen, wie der Preis eines Weiterbildungsstudiengangs unserer Pädagogischen Hochschule zustande kommt und ich hoffe, mit diesem Beitrag etwas Transparenz geschaffen zu haben.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

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