Zweitkarriere als Berufsfachschullehrer/in

Berufsfachschullehrpersonen starten mit dem Stellenantritt als Lehrperson in der Regel ihre zweite Karriere. Bevor sich Fachleute für eine Zweitkarriere als Berufsfachschullehrperson entscheiden, Fragen sie nach den Perspektiven im Beruf. Bietet der Lehrberuf in der Berufsbildung Möglichkeiten einer beruflichen Karriere?

Soll ich Berufsfachschullehrer/in werden? Die Entscheidung für den Lehrberuf in der Berufsbildung ist eine komplexe Angelegenheit. Für Berufsgruppen mit relativ tiefen Löhnen und schwierigen Arbeitsbedingungen bezüglich Arbeitszeit, Arbeitssicherheit, gesundheitlicher Belastung oder begrenzter Entwicklungsmöglichkeiten ist der Lehrberuf sehr attraktiv. Für sie ist der Wechsel an die Berufsfachschule auch ein Karriereschritt mit sichtbarem Statusgewinn. Untersuchungen zeigen, dass sich bei diesen Berufsgruppen vor allem die „Besten“ für den Lehrberuf interessieren. Für Berufsleute in sehr gut bezahlten Berufen, Firmen und Branchen mit breit gefächerten Entwicklungsmöglichkeiten scheint der Lehrberuf hingegen weit weniger attraktiv zu sein. Es wäre aber ein Fehlschluss zu denken, dass sich in diesen Bereichen die „Schwächsten“ für den Lehrberuf interessieren. Zweitkarriere-Lehrpersonen wählen den Lehrberuf nicht primär aus monetären Gründen. Es wird sogar beobachtet, dass Personen trotz Lohneinbussen von bis zu 50% in den Lehrberuf wechseln.

“Moving out”, “Moving on” oder “Moving up”?

Berufsfachschullehrpersonen haben nach dem Berufseinstieg im Grunde die drei Optionen „moving out“, „moving on“ oder „moving up“. Bei der „moving out“ Option wird der Zweitberuf der Berufsfachschullehrerin/des Berufsfachschullehrers wieder verlassen. Weiterlesen

Berufsbildung 2030 – Vision und strategische Leitlinien: Stärken und Schwächen

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat alle Interessieren aufgerufen, am Strategieprozess Berufsbildung2030 mitzuwirken. Aktuell sind die Interessieren aufgefordert, Stärken und Schwächen der Berufsbildung in der Schweiz zu formulieren. An dieser Stelle formuliere ich je zwei Stärken und Schwächen, die zu selten diskutiert werden.

Das Berufsbildungssystem in der Schweiz weist sehr viele Stärken aber auch einige Schwächen auf. Von den Stärken zeugen nicht nur die hohe Partizipation der Jugendlichen und Unternehmen, sondern auch die Erfolge bei den Berufsweltmeisterschaften, die tiefe Jugendarbeitslosigkeit oder international hervorragende Reputation. Oft genannte Schwächen des Berufsbildungssystems sind hingegen die Matchingprobleme auf dem Lehrstellenmarkt, der drohende Attraktivitätsverlust der Berufslehren oder das schwindende Wissen um die Stärken der Berufsbildung bei Eltern und (internationalen) Unternehmen. Im Rahmen der Strategieentwicklung lohnt es sich aus meiner Sicht, weitere, in der Öffentlichkeit weniger diskutierte Stärken und Schwächen zu betrachten und auch diese Argumente zu diskutieren. Ich beschränke mich hier auf zwei Stärken und zwei Schwächen, die aus meiner Sicht, zu wenig Beachtung finden.

Anreize, die zu Leistung anspornen

Eine grosse Stärke des Berufsbildungssystems in der Schweiz ist die Weiterlesen

Goldene Hände – oder weshalb das Handwerk nicht vergoldet wird

Mit ihrem neusten Buch Goldene Hände führt Margrit Stamm die Diskussion um die Berufsbildung fort, die u. a. mit der Akademisierungsfalle von Rudolf Strahm angeheizt wurde. Das im hep Verlag erschienene Buch ergänzt die Diskussion um die Berufsbildung insbesondere mit der Rolle der Eltern bei der Berufswahl sowie dem Konzept der „Praktischen Intelligenz“. Das Gold im Titel und auf dem Umschlag findet sich leider nur begrenzt im Inhalt wieder.

Kürzlich ging ich in Bern in die Zytglogge Buchhandlung, um das angekündigte Buch von Margrit Stamm Goldene Hände zu bestellen. Beim Warten ist mir ein Buchumschlag mit einer Fotografie einer arbeitenden Schmiedin aufgefallen. Das Bild zeigt die blonde kurzhaarige Schmiedin zwischen Ambos und Esse stehen. Sie trägt eine feste Lederschürze über dem blauen Rollkragenpullover und dicke grüne Handschuhe. Mit der linken Hand hält sie einen Metallstab, der am vorderen Ende leuchtend glüht. Mit dem rechten Arm holt sie, den Hammer fest in der Hand haltend, zu einem kontrollierten und kraftvollen Schlag aus. Das Buch Handwerkstätten von Kathrin Fritz und Maurice Grünig hat mich unmittelbar an „Handwerk“ des Soziologen Richard Sennet erinnert, der zur Kunst des Umgangs mit dem Hammer schreibt, dass es „… die Fähigkeit, den Krafteinsatz innerhalb einer Millisekunde nach deren Anwendung abzubrechen, …“ braucht, um einen Nagel einzuschlagen. Sowohl der schöne Band Handwerkstätten von Fritz und Grünig mit Portraits von 24 fast vergessenen Berufen wie auch die kulturgeschichtliche Darstellung des handwerklichen Könnens von Sennet, sind hervorragende „Botschafterinnen“ der Berufsbildung. Welchen Beitrag wird das Buch Goldene Hände zur Förderung der Berufsbildung leisten? Weiterlesen

Bildungsbericht 2016: Luzerner Bildungslandschaft – Stufen, Wege und Ressourcen

Regierungsrat und Bildungsminister Reto Wyss hat an der Diplomfeier der PH Luzern am 18. November 2016 mit der Darstellung und Interpretation statistischer Daten aus dem Bildungsbericht 2016 des Kantons Luzern eine Diskussion lanciert, die mit einer Serie von Beiträgen auf diesem Blog weitergeführt werden soll. Eine Lektüre des Teiles „Kontext Bildung“ des Berichts wirft auch wirtschaftspolitische Fragen auf.

Am 18. November 2016 hat Regierungsrat Reto Wyss im Rahmen einer Diplomfeier der PH Luzern erste Erkenntnisse und Interpretationen aus dem neu erschienenen Luzerner Bildungsbericht 2016 präsentiert. Der interessante Bildungsbericht 2016 umfasst auf 263 Seiten wichtige Zahlen und Fakten, die über die Darstellungen hinaus interpretiert und diskutiert werden können. An dieser Stelle werden in den nächsten Wochen Beiträge zu einzelnen Themen, Zahlen, Interpretationen des Bildungsberichts 2016 erscheinen. Alle Leser/innen sind herzlich eingeladen, über die Kommentare mitzudiskutieren.

Der Luzerner Bildungsbericht 2016

Mit dem Bildungsbericht 2016 legt der Kanton Luzern nach 2010 zum zweiten Mal eine „statistische Gesamtschau der Luzerner Bildungslandschaft“ vor. Die systematische Darstellung des Bildungsgeschehens im Kanton Luzern dient einerseits dem kantonalen Bildungsmonitoring und soll andererseits die Diskussion und Auseinandersetzung über die „Schlüsselressource unseres Wohlstands“ im Kanton fördern. Der Bildungsbericht gliedert sich in drei Teile: Weiterlesen

Realto – die Plattform für vernetzte Berufsbildung

An der SBFI-Herbsttagung vom 15.11.2016 entdeckt: Die Lernplattform REALTO für die berufliche Bildung. Die zentrale Unterschiede zu den herkömmlichen Lernplattformen: Sie ist speziell für die Verbindung der drei Lernorte Schule, Betrieb und überbetriebliche Kurse konzipiert sowie auf die Interessen und digitalen Gewohnheiten der Lernenden ausgerichtet.

Die Präsentation am Marktstand der SBFI Herbsttagung hat mich von REALTO überzeugt. Die Einstiegs-Hürden sind niedrig, Risiken sind keinefeststellbar und der Nutzen ist hoch. Dazu kommt – was alle Finanzverantwortlichen besonders freuen wird – : den Berufsfachschulen, Ausbildungszentren oder Betrieben entstehen keine Kosten für die Nutzung der Plattform. Denn REALTO ist Teil des SBFI-geförderten Forschungsprojekts „Leading House DUAL-T“ .

REALTO bietet den Lernenden und Berufsbildungsverantwortlichen eine gemeinsame Lernplattform, um…

  • Erfahrungen von den verschiedenen Lernorten festzuhalten (digitale Lerndokumentation)
  • Erfahrungen und verschiedene Arten von Wissen zu verbinden
  • systematisch zu reflektieren
  • Akteure der verschiedenen Lernorte zu verbinden

Die Betreiber beschreiben REALTO als Plattform der nächsten Generation für die berufliche Bildung. Weiterlesen

The ABCs of How We Learn – An inspiring book for educators

The last 26 days I made a journey through a new alphabet of learning. Daniel Schwarz, Jessica Tsang and Kristen Blair’s book for teachers and learners was my guide from “A” for Analogy to “Z” as Zzzzzz … for consolidating the memories of the day. Here a short report of my journey.

The ABCs of How we Learn. 26 Scientifically Proven Approaches, How They Work, and Why to Use Them”, is the title of a new book published by W.W. Norton & Company in 2016. The cover of the book shows the letters “ABC” and animals playing and dancing. It reminds me of a book for kids to learn the alphabet; a book that is understandable and very pedagogical. As I flicked through the book I found at the end of each chapter references to important research papers on the topic and a one page summary. This structure und references convinced me to start reading; and I read the book within 26 days; each day a letter.

The unforgettable journey begun with “A for Analogy. – Finding the general principle”, followed by “B for Belonging – Silencing anxiety and buying” in and “C for Contrasting Cases – Discerning critical information.” Each chapter covers a brief “definition”, sections of “how it (e.g. analogy) works”, “how to use it to enhance learning”, “the outcomes of A”, a section whether people learn to teach “A” themselves or not, the risks of “A”, examples of good and bad use, references and a very helpful summary. The references within the text from one topic to another inks ideas and concept to a nice network. Weiterlesen

Weiterbildungen auf Hochschulstufe – Ein Interview mit Jürg Arpagaus

Die Hochschulen in der Schweiz bieten Weiterbildungen im Rahmen von Zertifikats-, Diplom- und Masterstudiengängen (CAS, DAS, MAS) an. Dabei unterscheiden sich die Weiterbildungsstudiengänge nicht nur in ihrem Umfang, sondern auch in ihren Zulassungen, Zielgruppen, Inhalten usw. Seit ein paar Jahren ist eine hochschulspezifische Profilierung festzustellen. Zunehmend hat jede Hochschule ihre spezifischen Felder, in welchen sie Weiterbildungsstudiengänge anbietet. Im folgenden Interview mit dem Verantwortlichen der Weiterbildung an der PH Luzern Prof. Dr. Jürg Arpagaus wird ein Blick in die Weiterbildungsangebote der Pädagogischen Hochschulen geworfen.

Was ist typisch bei Ihren Weiterbildungsangeboten als Pädagogische Hochschule?

Die Weiterbildungsangebote der PH Luzern (CAS, DAS, MAS, Kurse, Vortragsreihen, Seminare, Weiterbildungskongresse usw.) richten sich an Bildungsfachleute, die sich nach ihrem grundständigen Hochschulabschluss in spezifischen Themen ihrer Studienrichtung vertiefen, ihre Kompetenzen inter- oder transdisziplinär erweitern oder in einem fachfremden Bereich aufbauen wollen. Weiterlesen

Mehr Mobilität bei den Berufsbildungsverantwortlichen

Angehende und erfahrene Lehrpersonen und Dozierende der Berufsbildung sollen auch in Bezug auf die Mobilität Vorbilder für die Lernenden und Studierenden sein. Die Bildungsexperten/innen sind sich einig, dass insbesondere Personen in der Lehre vielfältige Primärerfahrungen ausserhalb der eigenen Schulwände machen sollten. Dem Wunsch nach mehr Mobilität in der Berufsbildung stehen in der Umsetzung jedoch einige Hürden im Weg. Was die PH Luzern ihren Studierenden und Lehrpersonen in der Berufsbildung zur Förderung der Mobilität anbietet, zeigt der folgende Blogbeitrag.

Seit der Bologna-Reform im Hochschulbereich gehört die „Mobilität“ zu den Schlüsselkonzepten im Bildungsbereich (vgl. Bologna-Prozess 2020). Die Forderung lautet: Studierende sollen mobil sein und einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren. Denn die Mobilität wird als wichtiges Element Weiterlesen

Weiterbildung mit Profil (Teil 1 von 8)

Weiterbildungen sind Vertrauensgüter, deren Qualität nur schwer vor ihrem „Konsum“ bestimmt werden kann. Neben einem wirkungsvollen Qualitätsmanagementsystem setzt die WB/PH Luzern auf ein definiertes Produkteprofil, das den Interessierten darlegt, durch welche Merkmale sich die Weiterbildungen der PH Luzern besonders auszeichnen. Es sind die Merkmale Relevanz und Aktualität, Transferorientierung, Mehrperspektivität, Heterogenität, Lernen als Erlebnis, Innovation und Dienstleistungsorientiert. In einer Serie von Blogs wird auf das Produktprofil und die einzelnen Merkmale eingegangen.

Produkteprofil

Was macht eine gute Weiterbildung aus? Gibt es ein Erfolgsrezept? Sollen sich Weiterbildungen, insbesondere in der Lehrer/innen-Weiterbildung, ausschliesslich auf die Entwicklung der Lehrpersonen richten, oder müssen die Angebote einen erkennbaren Beitrag zur Professions-, Unterrichts- oder Schulentwicklung leisten? Oder ist die Weiterbildung der Lehrpersonen einzig ein Mittel, um letztlich den Kompetenzzuwachs ihrer Schülerinnen und Schüler zu optimieren? Weiterlesen

Qualifikationspotentiale ausschöpfen – Berufsabschluss für Erwachsene

In der Schweiz ist ein nachobligatorischer Bildungsabschluss auf der Sekundarstufe II die Regel. Dennoch leben in der Schweiz viele Erwerbstätige ohne Sek-II-Abschluss, was mit einem tieferen Einkommen, höherem Arbeitslosenrisiko, geringerer Partizipation an Weiterbildung usw. verbunden ist. Es ist sowohl aus individueller wie auch aus gesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Sicht wünschenswert, dass auch Erwachsene ohne Sek-II-Abschluss einen Berufsabschluss erwerben können. Markus Maurer, Emil Wettstein und Helena Neuhaus haben sich dem Thema Berufsabschluss für Erwachsene in der Schweiz angenommen und eine lesenswerte Bestandesaufnahme verfasst.

Maurer Markus, E. Wettstein und H. Neuhaus (2016): Berufsabschluss für Erwachsene in der Schweiz. Bestandesaufnahme und Blick nach vorn. Bern: hep praxis.

Rund eine halbe Million Erwachsene im Alter zwischen 25 und 65 verfügen in der Schweiz über keinen nachobligatorischen Bildungsabschluss. Das Schweizer Bildungssystem bietet diesen Erwachsenen verschiedene Möglichkeiten, einen Berufsbildungsabschluss zu erwerben. Die Autoren Maurer, Wettstein und Neuhaus werfen mit ihrer Publikation erstmals einen umfassenden und systematischen Blick auf den Berufsabschluss für Erwachsene in der Schweiz. Ihre Publikation Weiterlesen