Zweitkarriere als Berufsfachschullehrer/in

Berufsfachschullehrpersonen starten mit dem Stellenantritt als Lehrperson in der Regel ihre zweite Karriere. Bevor sich Fachleute für eine Zweitkarriere als Berufsfachschullehrperson entscheiden, Fragen sie nach den Perspektiven im Beruf. Bietet der Lehrberuf in der Berufsbildung Möglichkeiten einer beruflichen Karriere?

Soll ich Berufsfachschullehrer/in werden? Die Entscheidung für den Lehrberuf in der Berufsbildung ist eine komplexe Angelegenheit. Für Berufsgruppen mit relativ tiefen Löhnen und schwierigen Arbeitsbedingungen bezüglich Arbeitszeit, Arbeitssicherheit, gesundheitlicher Belastung oder begrenzter Entwicklungsmöglichkeiten ist der Lehrberuf sehr attraktiv. Für sie ist der Wechsel an die Berufsfachschule auch ein Karriereschritt mit sichtbarem Statusgewinn. Untersuchungen zeigen, dass sich bei diesen Berufsgruppen vor allem die „Besten“ für den Lehrberuf interessieren. Für Berufsleute in sehr gut bezahlten Berufen, Firmen und Branchen mit breit gefächerten Entwicklungsmöglichkeiten scheint der Lehrberuf hingegen weit weniger attraktiv zu sein. Es wäre aber ein Fehlschluss zu denken, dass sich in diesen Bereichen die „Schwächsten“ für den Lehrberuf interessieren. Zweitkarriere-Lehrpersonen wählen den Lehrberuf nicht primär aus monetären Gründen. Es wird sogar beobachtet, dass Personen trotz Lohneinbussen von bis zu 50% in den Lehrberuf wechseln.

“Moving out”, “Moving on” oder “Moving up”?

Berufsfachschullehrpersonen haben nach dem Berufseinstieg im Grunde die drei Optionen „moving out“, „moving on“ oder „moving up“. Bei der „moving out“ Option wird der Zweitberuf der Berufsfachschullehrerin/des Berufsfachschullehrers wieder verlassen.Während der herausfordernden Berufseinstiegsphase bedeutet die „moving out“ Option meist ein Zurück in den Erstberuf. Eine Möglichkeit den Berufseinstieg „sanft“ zu gestalten bietet ein Teilzeitpensum, womit der Erstberuf nicht vollständig verlassen wird. Der Vorteil des Einstiegs über ein Teilzeitpensum sind auch die relativ geringen Investitionen in die Ausbildung zum/zur Dipl. Berufsfachschullehrer/in BKU im Nebenberuf.

Die Entwicklungsmöglichkeit „moving on“ entspricht einerseits der klassischen Professionalitätsentwicklung im Lehrberuf mit dem Wechselspiel zwischen dem fortlaufenden tätigkeitsverbundenen Lernen und dem Lernen im Rahmen von organisierten Bildungsangeboten. Anderseits bedeutet „moving on“ auch, sich in dem zunehmend ausdifferenzierten Berufsfeld über spezifische Weiterbildungen (z.B. CAS Bilingualer UnterrichtCAS Deutsch als Zweitsprache und Interkulturalität in der Berufsbildung oder CAS Fachkundige individuelle Begleitung) zu positionieren.

Moving Up: Von der Fachbereichsleitung bis zur Schulleitung

Schliesslich gibt es für die Berufsfachschullehrpersonen die Option „moving up“. Diese umfasst Tätigkeiten und Stellen mit erweiterten Anforderungen und Verantwortungen. Hierzu zählen die Fachbereichsleitung, Prorektorat, Rektorat, Berufsbildungsexperten/innen bei der Bildungsverwaltung oder den Organisationen der Arbeit (OdA) oder Anstellungen bei Pädagogischen Hochschulen als Dozent/in und/oder Forscher/in.

Berufsfachschulen weisen je nach Grösse eine mehr oder weniger ausgeprägte hierarchische Struktur auf, die Optionen für Linienführungsaufgaben eröffnen. Mit der Führung eines Fachbereichs übernehmen die Fachbereichsleitenden nebst organisatorischen Aufgaben wie die Stundenplanung auch Personalführungsaufgaben und Aufgaben der Unterrichtsentwicklung. Ein spezifischer Diplomstudiengang (DAS Fachbereichsleiter/in) bereitet Berufsfachschullehrpersonen auf diese herausfordernde Aufgabe vor. Über eine Schulleitungsausbildung (DAS Schulleiter/in oder MAS Schulmanagement), die die Schulführung und Schulentwicklung mit den klassisch betriebswirtschaftlichen Themen wie Personal und Organisation, finanzielle Führung, Marketing usw. aber auch Privatrecht und Leadership umfassen, wird der Zugang zu Prorektorats- und Rektoratsstellen eröffnet.

Karrieren als Berufsfachschullehrer/in und der Nutzen für die Berufsbildung

Die berufliche Grundbildung ist im hohen Masse darauf angewiesen, dass sich Fachleute mit Praxiserfahrung für den Lehrberufs entscheiden. Kompetenzen wie das Managen mehrerer paralleler Aufgaben, die in der Praxis entwickelten Analyse-, Problemlösungs- oder Kommunikationskompetenzen sowie die entwickelte Arbeitsethik und die Lebenserfahrung ausserhalb der Schule helfen, eine gute Berufsfachschullehrperson zu werden. Das Berufsbildungssystem bietet zudem Berufsfachschullehrpersonen breite Möglichkeiten sich eine zweite Karriere aufzubauen.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

Twitter: @juergarpagaus

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