Master für Berufsfachschullehrpersonen

Die Anforderungen an die Berufsbildung, die Berufsfachschulen und Berufsfachschullehrpersonen verändern sich in einem noch nie dagewesenen Tempo. Der Bund reagiert mit der Berufsbildung 2030 auf die gesellschaftlichen, technologischen und ökonomischen Entwicklungen u.a. mit Flexibilisierung, Erhöhung der Adaptionsfähigkeit sowie der Stärkung des lebenslangen Lernens und der Mobilität. Eine mögliche Antwort auf die damit verbundene Professionalitätsentwicklung der Berufsfachschullehrpersonen ist die Überführung der Ausbildung in das Bologna-System. Soll die künftige Qualifizierung von Berufsfachschullehrperson eine Bologna-Master-Ausbildung sein?

In Diskussionen mit Berufsfachschullehrpersonen wird mir immer wieder bewusst, wie sich ihr Berufsalltag verändert. Der Unterricht soll neu vermehrt auch bilingual stattfinden, die fachkundige individuelle Begleitung – oder integrative Förderung – wird zu einem festen Bestandteil in der beruflichen Grundbildung, der Anteil an Jugendlichen mit Deutsch als Zweitsprache nimmt zu und mit der Digitalisierung wird der Unterricht umgekrempelt. Lehrende und Lernende arbeiten im Unterricht zunehmend mit ihren eigenen Geräten (BYOD), was einerseits eine angepasste Didaktik und andererseits neue Herausforderungen in der Klassenführung mit sich bringt. Diesen Veränderungen begegnen die Lehrpersonen, indem sie sich über oft selbst finanzierte Qualifizierungsmassnahmen (z.B. CAS Bilingualer Unterricht in der Berufsbildung, CAS Fachkundige individuelle Begleitung, CAS Deutsch als Zweitsprache und Interkulturalität in der Berufsbildung oder BYOD-Kurse) fit halten. Die Anforderungen an die Berufsfachschullehrpersonen steigen auch künftig aufgrund technischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen. Der Zyklus von neu zu vermittelnden Fachkompetenzen wird kürzer, die technischen und pädagogischen Hilfsmittel werden komplexer und spezifische überfachliche Kompetenzen gewinnen an Bedeutung. In diesem dynamischen Umfeld müssen Berufsfachschullehrpersonen in der Lage sein, diese Veränderungen produktiv für den Unterricht umzusetzen. Hierfür sind sie ausgebildet und tragen mit der laufenden Professionalitätsentwicklung zum Gelingen bei.

Professionalitätsentwicklung und der Anschluss ans Bologna-System

Die Tertiarisierung der Aus- und Weiterbildung von Berufsfachschullehrpersonen an den Pädagogischen Hochschulen war ein wesentlicher Schritt in der Professionsentwicklung von Berufsfachschullehrpersonen. Die neu auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Ausbildung der Lehrpersonen der Berufsbildung darf aber nicht mit einer „Akademisierung“ der Qualifizierung von Berufsfachschullehrpersonen verwechselt werden. Wissenschaftliches Begründungswissen ist ein Kernelement für das professionelle Handeln der Berufsfachschullehrpersonen in der Praxis und trägt wesentlich zur Qualität des Berufsfachschulunterrichts und letztlich zur Qualität der Berufsbildung bei.

Eine Überführung der Diplomausbildung für Berufsfachschullehrpersonen in eine Masterausbildung an einer Pädagogischen Hochschule entspricht einem logischen und wichtigen Schritt im Rahmen des Bologna-Prozess, der einen einheitlichen europäischen Hochschulraum mit harmonisierten Studienabschlüssen und dem European Credit Transfer System (ECTS) für die Vergleichbarkeit der Hochschulbildung vorsieht. Die Zulassung zu einem spezialisierten Master (MA Berufsfachschullehrer/in) müsste einen Abschluss der Höheren Berufsbildung – äquivalent zu einem Professional-Bachelor – mit einschlägiger Berufserfahrung im entsprechenden Fachbereich voraussetzen. Die für einen Masterabschluss notwendigen 90 ECTS-Punkte würden die Ausbildung zum/zur Berufsfachschullehrer/in um 30 ECTS-Punkte erhöhen.

Eine grosse Chance für die Berufsbildung

Die Einführung eines spezialisierten Masterstudiengangs anstelle des heutigen Diplomstudiengangs für künftige Berufsfachschullehrpersonen wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Berufsbildung 2030. Erstens könnte das Berufsbildungssystem seinen professionellen Charakter stärken, indem es die Berufsfachschullehrpersonen mit einem international anerkannten und vergleichbaren Abschluss ausstattet. Mit der verstärkten Verknüpfung von Forschung und Lehre könnte zudem der Kompetenzmix in der Berufsbildung schneller adaptiert und optimiert werden. Ferner kann die Praxis gestärkt werden, indem vermehrt mit evidenzbasiertem Begründungswissen aus der Forschung gearbeitet wird. Das führt nicht zur Akademisierung sondern zur Professionalisierung der Berufsbildung. Schliesslich profitieren die Berufsfachschullehrpersonen von einem Masterabschluss nicht nur in ihrem Ansehen als Schlüsselpersonen in der Berufsbildung, sondern sie legen sich auch eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für ihr lebenslanges Lernen in einer sich schnell verändernden Umwelt.

Vieles spricht dafür, den Übergang vom Diplomstudium für Berufsfachschullehrpersonen zum Masterstudium zu vollziehen. Dennoch stelle ich auch im Gespräch mit Berufsfachschullehrpersonen eine gewisse Zurückhalteng fest. Welche Argumente sprechen gegen einen Master Berufsfachschullehrer/in? Sie können ihre Argumente hier mit einem Kommentar public machen.

Prof. Dr. Jürg ArpagausPH Luzern

@juergarpagaus

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