Learning by Doing – eine zentrale Komponente bei der Einführung des Lehrplans 21

Innovationen bringen per Definition relative Vorteile gegenüber dem Bestehenden. Oft dauert es aber mehrere Jahre, bis die Vorteile ihre Wirkung entfalten. Dabei spielt das Learning by Doing in der Organisation eine wichtige Rolle. Der Artikel argumentiert, dass der Lehrplan 21 als Innovation betrachtet werden kann und sein Erfolg wesentlich von der Lernkurve der Lehrpersonen und Schulen abhängig ist. Es sind die Kantone wie auch die Schulen und Lehrpersonen selbst, die die Form der Lernkurve beeinflussen können.

In der internationalen Bildungsdiskussion wird der Ruf nach Innovationen im Bildungsbereich immer lauter. Nicht nur sollen Bildungssysteme über Innovationen effektiver und effizienter gestaltet werden, sondern auch Lehrpersonen sollen dank innovativer Technologien und neuer Methoden den täglichen Herausforderungen im Unterricht begegnen. Die Anwendung der Kompetenzorientierung mit dem Lehrplan 21 kann als die grosse Innovation in der Schweizer Volksschulbildung betrachtet werden. Sie verspricht, dass die Schülerinnen und Schüler nach der Volksschule sowohl wissen, als auch handeln können. Zudem erlaubt es der Lehrplan 21, den Lehrpersonen – innerhalb des gut dokumentierten Rahmens – ihren Unterricht kreativ und erfinderisch zu gestalten.

Ohne Learning by Doing keine Veränderungen

Die Einführung des Lehrplans 21 bringt es mit sich, Bestehendes (Lehrmittel, Aufgaben, Prüfungen, Abläufe usw.) abzulösen, Routinen neu zu gestalten und den Umgang mit dem Lehrplan 21 im Berufsalltag zu lernen. Ökonomen zeigen, dass der Erfolg von Innovationen stark davon abhängig ist, wie gut und schnell die Praxis eine Innovation zu absorbieren vermag (z.B. Bessen, 2015). Das wesentliche Element dabei ist, ob und wie das Learning by Doing in der Praxis erfolgt. Wie gut der Lernprozess in der Organisation verläuft, wird an der sogenannten Lernkurve der Organisation sichtbar. Dabei hängt die Form der Lernkurve unter anderem von den Investitionen in das Humankapital der Mitarbeitenden und vom organisationalen Lernen ab (z. B. Brynjolfsson et al., 2002). Erst wenn der Umgang – als Organisation und als Individuum – mit einer Innovation eine gewisse Reife erreicht, stellen sich die Vorteile ein. Ob und wie schnell der Lehrplan 21 seine positive Wirkung entfalten kann, hängt entsprechend von den Investitionen in das Lernen der Lehrpersonen und der Schulen ab.

Der Kanton steuert die Form der Lernkurve mit

Um das Learning by Doing bei den Lehrpersonen und den Schulen zu fördern, sind gewisse Strukturen und Kulturen sowie Anreize und Opportunitäten notwendig. Eine wichtige Rolle nimmt bei der Einführung des Lehrplans 21 der Kanton ein, der Strukturen und Anreize für Weiterbildungen setzt, Unterstützungsleistungen bietet und damit das Learning by Doing in den Schulen fördern kann. Im Kanton Luzern hat beispielsweise die Dienststelle für Volksschulbildung (DVS) in Zusammenarbeit mit der PH Luzern ein Weiterbildungs- und Einführungsprogramm entwickelt, das wesentliche Grundlagen bei den Lehrpersonen und Schulleitungen für das Arbeiten mit dem Lehrplan 21 schafft. Lehrpersonen werden befähigt, sich on-the-job mit dem Lehrplan 21 und der Kompetenzorientierung weiterzuentwickeln. Ferner hat der Kanton einen pragmatischen Weg der Nachqualifikation von Lehrpersonen in den Fächern ERG, WAH, RZG und MI gezeichnet, der eine schrittweisen Anpassung an den Lehrplan 21 ermöglicht.

Chancen für Schulen und Lehrpersonen

Auch Schulen und Schulleitungen können bei der Einführung des Lehrplans 21 das Learning by Doing fördern. Erstens obliegt es ihnen, ein lernfreundliches Arbeitsklima zu schaffen, das kooperatives und kollaboratives Lernen der Lehrpersonen begünstigt und ein inkrementales Learning by Doing mit einer angepassten Fehler- und Feedbackkultur im Kollegium unterstützt. Zudem können Schulen und ihre Schulleitungen im Zusammenhang mit der Einführung des Lehrplans 21auch Strukturen, Prozesse und Materialien verändern und Möglichkeiten für die Lehrpersonen und Schulteams schaffen, die die Implementierung des Lehrplans 21 begünstigen.

Innovationen schaffen immer auch Freiräume für persönliche Weiterentwicklungen und Spezialisierungen. Dabei weist die Literatur insbesondere auf den grossen Ertrag der Lernbemühungen in der frühen Phase der Einführung von Innovationen hin. So besteht aktuell beispielsweise eine grosse Nachfrage nach qualifizierten Lehrpersonen, welche die mit dem Lehrplan 21 im Zusammenhang stehenden Schul- und Unterrichtsentwicklungsprojekte durchführen können. Um diese Nachfrage zu decken, bietet die PH Luzern einen entsprechenden Weiterbildungsstudiengang für Lehrpersonen und Schulleitungen an (CAS Unterrichts- und Schulentwicklung). Bei der Einführung von Innovationen gilt ganz generell, dass ein früher und umfassender Kompetenzerwerb on oder off-the-job, mit Gestaltungsmacht belohnt wird.

Erfolg nach kommt Jahren

Grosse (technische) Innovationen wurden im Durchschnitt erst 29 Jahre nach der ersten Patentierbarkeit kommerzialisiert und benötigten im Schnitt weitere 29 Jahre bis zur Marktbereinigung (Bessen, 2015). Für den Erfolg von Innovationen sind zeitintensive trial-and-error Experimente, die Entwicklung und Implementierung von kompatiblen Produkten (z. B. Lehrmittel), Prozesse (z. B. kontinuierlicher Verbesserungsprozess) und Strukturen (z. B. neue Fachteams) sowie ein langer inkrementaler Lernprozess notwendig. Der Erfolg von Innovationen lässt auch im Internetzeitalter oft auf sich warten und stellt sich meist erst nach Jahren ein. Wir können gespannt sein, wie im Jahr 2047, also 29 Jahre nach der Einführung des Lehrplans 21, die Beurteilung der Kompetenzorientierung und des Lehrplans 21 ausfallen wird.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

Medienbildung und mein Umgang mit neuen Technologien

Medien und Informatik (MI) gewinnt mit dem entsprechenden Modul im Lehrplan 21 in den Schulen an Bedeutung. Neue Technologien werden heute schon breit und in vielfältiger Art und Weise von Lehrpersonen genutzt. Was kann vom eigenen Umgang mit Medien für den MI-Unterricht gelernt werden?

Wer von uns Lehrpersonen war nicht auch schon in der Versuchung, während des Unterrichts auf dem Handy oder dem Laptop E-Mails, WhatsApp, facebook, twitter usw. zu checken oder zu googeln. Die Versuchung ist dann gross, wenn die Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrpersonen mit den elektronischen Geräten arbeiten; sei es in einem BYOD-Unterricht (BYOD: Bring Your Own Device), im „Fach“ Medien und Informatik oder wenn die Schülerinnen und Schüler in aller Stille eine Prüfung schreiben.

Überall und jederzeit auf das Handy zu schauen, scheint gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Nur so kann ich mir erklären, dass es kaum noch Situationen – in der Öffentlichkeit, während Sitzungen oder im Lehrerzimmer – gibt, die frei von Handy, Laptop, Tablets, Internet, Google, twitter, facebook usw. sind. Für Lehrpersonen ist es mit der Einführung des Lehrplans 21 und dem Modul Medien und Informatik (MI) essenziell, neue Medien versiert nutzen zu können und die Chancen und Gefahren aus eigener Erfahrung zu kennen. Um die im Lehrplan definierten Kompetenzen vermitteln zu können, steht ihnen ein Intensivkurs „Medien und Informatik“ an der PH Luzern zur Verfügung. Dabei können sie sich wichtige Fach- und fachdidaktische Kompetenzen im Bereich Medien und Informatik aneignen. Dabei werden auch Themen wie Multitasking im Unterricht behandelt. Weiterlesen

Wenn das kulturelle Wirken nicht dem Job geopfert, sondern zum Teil der Aufgaben wird

Die aktuelle Ausgabe des PH-Magazins weiter der PH Luzern fokussiert die kulturelle Bildung und die kulturellen Betätigungen im pädagogischen Kontext. In einem Beitrag (siehe Magazin S. 9 oder http://blog.phlu.ch/weiter) vertreten die Teilnehmenden einer Diskussionsrunde die These, dass Lehrpersonen  einerseits breite Kompetenzen im kulturellen Bereich aufweisen und im Rahmen ihrer Weiterbildung auch laufend weiterentwickeln und anderseits eine grosse Verantwortung in der Förderung der bildnerischen oder musikalischen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder übernehmen. Ferner wird darauf hingewiesen, dass Lehrpersonen auch durch ihr ausserschulisches Engagement in Vereinen und Gemeinden wesentlich zum kulturellen Leben in der Schweiz beitragen. Lehrpersonen, die positive Erfahrungen mit ihrem ausserschulischen Engagement im Bereich der Kunst und Kultur gemacht haben, können hier als „Kommentar“ davon berichten und ihre Erfahrungen einem breiten Publikum zugänglich machen.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

Menschenrechte in der Berufsbildung

An der diesjährigen Fachtagung des Zentrums Menschenrechtsbildung der PH Luzern stand die Menschenrechtsbildung in der Berufsbildung im Fokus. Für die Teilnehmenden waren es die Fragen, ob und wie das Thema der Menschenrechte in der Berufsbildung diskutiert und umgesetzt wird und wie die Menschenrechtsbildung in der Berufsbildung einen Beitrag zur Aufrechterhaltung und Erneuerung der Menschenrechte leisten kann?

Die berufliche Grundbildung trägt wesentlich zur Integration der Jugendlichen ins Erwachsenen- und Erwerbsleben bei. Sie prägt die berufliche Sozialisation, die über die reine Fachlichkeit hinausgeht und in einem gesellschaftlichen Kontext stattfindet. Dabei gehören Aspekte wie beispielsweise Toleranz, Respekt vor andern Kulturen, Religionen, Geschlechtern usw. gegenüber Kunden, Lieferanten, Kolleginnen und Kollegen zu den zentralen Themen. An der Fachtagung der PH Luzern und dem Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) haben Menschenrechtsexperten/innen, Berufsbildungsverantwortliche und Dozierende der Ausbildung von Berufsbildungsverantwortlichen über die Pflichten, Chancen und Möglichkeiten der Menschenrechtsbildung in der Berufsbildung diskutiert. Weiterlesen

Formatvielfalt im Weiterbildungsportfolio von Lehrpersonen

Lehrpersonen können sich heute in Weiterbildungskursen, Weiterbildungsstudiengängen, Vortragsreihen, Tagungen usw. weiterbilden. Die vielfältigen Weiterbildungsformate bedienen die heterogenen Bedürfnisse und steigern die Attraktivität der Weiterbildung, die im Wettbewerb mit Freizeitaktivitäten steht. Doch wann eignet sich welches Weiterbildungsformat?

Die Weiterbildung ist heute eine veritable Branche, deren Umsatz mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen und dem Paradigma des Lebenslangen Lernens an Bedeutung gewonnen hat und weiterhin an Bedeutung gewinnen wird. Trotz den Bestrebungen, informelle Lernleistungen zu anerkennen und mit institutionalisierten Abschlüssen zu versehen, verlieren die formalen Weiterbildungsabschlüsse nicht an Bedeutung. Mit der Bologna-Reform und dem Europäischen und Schweizerischen Hochschul-Qualifikationsrahmen haben insbesondere die Weiterbildungsstudiengänge der Hochschulen, die mit einem Zertifikat (CAS), einem Diplom (DAS) oder einem Masterdiplom (MAS) und den damit verbundenen Bildungswährung (ECTS-Punkte) an Attraktivität gewonnen. Weiterlesen