PH-Dozierende: Berufsfeldkompetenzen, doppeltes Kompetenzprofil oder Hochschuldidaktik?

Die Anforderungen an die Dozierenden an Pädagogischen Hochschulen sind vielfältig. Diese auf ein „doppeltes Kompetenzprofil“ zu reduzieren, wird jedoch der Profession Hochschuldozent/in nicht gerecht. Neben den klassischen Kernkompetenzen wie Forschungskompetenz und Fachkompetenz sollten die Dozierenden Berufsfeldkompetenzen sowie Hochschuldidaktik mitbringen.

Die Pädagogischen Hochschulen qualifizieren u.a. Studierende, die nach dem Abschluss als „Professionals“ in ein spezifisches Berufsfeld eintreten. Entsprechend werden von den Dozierenden der Pädagogischen Hochschulen fundierte Kenntnisse des Berufsfelds verlangt. In diesem Zusammenhang wird oft auch vom doppelten Kompetenzprofil gesprochen. Das doppelte Kompetenzprofil geht von der Vorstellung aus, dass Forschungserfahrung und Unterrichtserfahrung auf der Zielstufe, für welche die Studierenden ausgebildet werden, gute Indikatoren für die notwendigen Berufsfeldkompetenzen von Dozierenden an den Pädagogischen Hochschulen sind. Ob die Kombination von Forschungserfahrung und Unterrichtserfahrung in der Volksschule eine notwendige Bedingung ist, um eine gute Dozentin / ein guter Dozent zu sein, wäre eine empirische Frage.

Das EDK-Reglement über die Anerkennung von Hochschuldiplomen für Lehrkräfte der Sekundarstufe I formuliert bei den Qualifikationsanforderungen für Dozierende nicht ein sowohl als auch, sondern ein entweder oder: «Die Dozentinnen und Dozenten für die fachdidaktische Ausbildung verfügen darüber hinaus entweder über eine Promotion in Fachdidaktik oder über ein Lehrdiplom und Unterrichtserfahrung.» Interessant bei dieser Formulierung ist, dass die EDK die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Fachdidaktik und Unterrichtserfahrung als Kompetenz für PH-Dozierende gleich setzt. Weiterlesen

An der Herbsttagung der Berufsbildung 2017 gehört: „Eltern kennen die Berufsbildung zu wenig“

Der Vergleich zwischen dem gymnasialen Weg und dem Berufsbildungsweg bewegt seit Jahren die Gemüter der Berufsbildung. Die Diskussion wird oft ohne Berücksichtigung der meritokratischen Logik unseres Bildungssystems geführt. Eine Aussage an der Herbsttagung der Berufsbildung 2017 hat mich zu folgenden Gedanken angeregt.

„Die Eltern kennen das Berufsbildungssystem zu wenig, deshalb wollen sie für ihr Kind den gymnasialen Weg.“ Ich zucke immer etwas zusammen, wenn ich dieses Argument höre, da es nicht mit meiner (subjektiven) Beobachtung übereinstimmt. Ich beobachte, dass die Eltern das Schulsystem sehr wohl verstehen und auch durchschauen. Dies bestätigt auch eine Studie der PH Luzern bei über 160 Eltern von Primarschulkindern am Übergang in die Sekundarstufe I (Gut, 2016).

In unserem meritokratischen Bildungssystem ist es die Leistung, die bewertet und belohnt wird, beziehungsweise werden sollte. Die „Belohnung“ für gute Leistungen sind im Schulalltag gute Schulnoten. Es sind auch die Schulnoten, die die Grundlage von Selektionsentscheiden bildet. Welches Kind in welche Leistungsstufe kommt, hängt also von den Schulleistungen ab. Schulnoten sind als Leistungsindikatoren – nicht unumstritten – aber in der Wirtschaft und Gesellschaft als Leistungsindikator akzeptiert.

Auch die durch die Sortierung anhand der Schulnoten entstehende soziale Ungleichheit ist allgemein akzeptiert. Sie entspricht den vorherrschenden Gerechtigkeitsnormen und wird durch diese legitimiert. Gefordert wird im meritokratischen Schulsystem allerdings die Chancengleichheit im Sinne, dass Kinder und Jugendliche mit ähnlichen Fähigkeiten, ähnliche Chancen auf ähnliche Schulnoten haben, und zwar unabhängig etwa ihrer sozialen Herkunft oder ihres Geschlechts. Unter der Prämisse, dass dieses Prinzip der Chancengleichheit realisiert ist, akzeptiert nicht nur unser ökonomisches System, dass es ein „Unten“ und „Oben“ gibt, auch viele Eltern und Lehrpersonen akzeptieren es. Manche sehen es gar als Notwendigkeit an, um (junge) Menschen zu Leistungen zu motivieren. Weiterlesen

Bilingualer Unterricht und die Mobilität von Berufsfachschullehrpersonen

Die PH Luzern und die PH Zürich qualifizieren seit mehreren Jahren Berufsfachschullehrpersonen für den bilingualen Unterricht an den Berufsfachschulen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag, die erwünschte Mobilität von Berufsbildungsverantwortlichen zu fördern. Um die Mobilität weiter zu fördern, müssen jedoch weitere Massnahmen ergriffen werden.

Die nationale und internationale Mobilität von Berufsfachschullehrpersonen ist auch im Rahmen ihrer Aus- oder Weiterbildung gesellschaftlich und politisch erwünscht. Hiervon zeugen gesetzliche Grundlagen (z.B. BBG, Art. 68, VIZBM vom 18.9.2015), neu geschaffene Institutionen (z.B. SFAM, Movetia, ch Stiftung), Finanzierungsmöglichkeiten (z.B. ERASMUS+) oder die Qualifizierung im bilingualen Unterrichten. Die Pädagogischen Hochschulen bilden mit ihren Weiterbildungsstudiengängen CAS Bilingualer Unterricht in der Berufsbildung (PH Luzern) und CAS „bili“ – Zweisprachiger Fachunterricht (PH Zürich) seit mehreren Jahren Berufsfachschullehrpersonen für den bilingualen Unterricht (BKU, ABU) aus. In den letzten Jahren entwickelten sich umfassende Kompetenzen und ein breites Team an bili-Dozierenden, sodass einerseits der Bedarf an bili-Qualifizierungsmassnahmen im Rahmen eines CAS in der Deutschschweiz gut abgedeckt werden kann und anderseits Fachteams oder ganze Berufsfachschulen in ihrer Implementierung von bilingualem Unterricht unterstützt werden können. Heute unterrichten bereits in mehreren Kantonen Berufsfachschullehrpersonen bilingual. Der bilinguale Unterricht in der Berufsbildung ist eine wichtige Komponente in der Förderung der Lernenden.

Wunsch und Wirklichkeit in der Mobilität der Berufsfachschullehrpersonen

Gemäss dem Bologna-Prozess 2020 sollen bis ins Jahr 2020 mindestens 20 Prozent der Absolvierenden einer Hochschule einen Studien- oder Praktikumsaufenthalt im Ausland absolviert haben. Diese Forderungen sind für die Studierenden eines Diplomstudiengangs (z.B. Dipl. Berufsfachschullehrer/in) aufgrund ihrer Situationen kaum zu erreichen. Die Studierenden in der Ausbildung zur Berufsfachschullehrperson weisen einen ersten tertiären Bildungsabschluss – in ihrem Fachbereich –, Berufserfahrung sowie in der Regel erste Unterrichtspraxis auf der Zielstufe aus. Sie studieren mehrheitlich berufsbegleitend an einer Pädagogischen Hochschule und sind mehrheitlich älter als 30 Jahre. Weiterlesen

Wo verlaufen die Grenzen zur Integration von verhaltensauffälligen Kindern?

Die SUGUS-Studie (Eckstein et al., 2016), eine Untersuchung zu gestörtem Unterricht von der Universität Zürich, weist darauf hin, dass sich einige Lehrpersonen und Schüler/innen schnell ablenken lassen und sich stark ärgern über Unterrichtsstörungen, andere beschreiben sich als viel weniger empfindlich. Je empfindlicher die Befragten sind, desto mehr fühlen sie sich von einzelnen Kindern gestört – unabhängig vom Verhalten dieser Kinder. Was bedeutet dies für die Integration von verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern? Weiterlesen

Klassenassistenzen – Schulpersonal mit Weiterbildungsbedarf

Im September 2017 startete an der PH Luzern die erste Durchführung des Kompaktkurses Klassenassistenz – ein Weiterbildungsangebot, das auf grosse Nachfrage stösst und zum Weiterdenken anregt.

Rund 60 Klassenassistenzen und angehende Klassenassistenzen besuchen in diesem Schuljahr die Weiterbildung an der PH Luzern. 30 Kursteilnehmenden haben den ersten Kurs im November abgeschlossen. Aktuell besuchen einige noch die Praxisgruppe für Klassenassistenzen. Eine zweite Kursgruppe mit 30 Teilnehmenden startet im Februar 2018. Auch im Schuljahr 18/19 werden im Weiterbildungsprogramm der PH Luzern Kurse für Klassenassistenzen ausgeschrieben.

Weltweit werden Klassenassistenzen im Unterricht eingesetzt (vgl. Masdeu Navarro 2015). Auch in der Schweiz gehören Klassenassistenzen immer häufiger zum Schulalltag. Im Kanton Luzern werden sie seit einigen Jahren als Unterstützung im Regelschulunterricht von beispielsweise  sehr heterogenen oder unruhigen Klassen angestellt. Klassenassistenzen werden oft im Rahmen der SOS-Massnahmen auf befristete Zeit eingestellt. Auch im Sonderschulbereich gehören sie zum Schulalltag. Weiterlesen