Medienbildung und mein Umgang mit neuen Technologien

Medien und Informatik (MI) gewinnt mit dem entsprechenden Modul im Lehrplan 21 in den Schulen an Bedeutung. Neue Technologien werden heute schon breit und in vielfältiger Art und Weise von Lehrpersonen genutzt. Was kann vom eigenen Umgang mit Medien für den MI-Unterricht gelernt werden?

Wer von uns Lehrpersonen war nicht auch schon in der Versuchung, während des Unterrichts auf dem Handy oder dem Laptop E-Mails, WhatsApp, facebook, twitter usw. zu checken oder zu googeln. Die Versuchung ist dann gross, wenn die Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrpersonen mit den elektronischen Geräten arbeiten; sei es in einem BYOD-Unterricht (BYOD: Bring Your Own Device), im „Fach“ Medien und Informatik oder wenn die Schülerinnen und Schüler in aller Stille eine Prüfung schreiben.

Überall und jederzeit auf das Handy zu schauen, scheint gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Nur so kann ich mir erklären, dass es kaum noch Situationen – in der Öffentlichkeit, während Sitzungen oder im Lehrerzimmer – gibt, die frei von Handy, Laptop, Tablets, Internet, Google, twitter, facebook usw. sind. Für Lehrpersonen ist es mit der Einführung des Lehrplans 21 und dem Modul Medien und Informatik (MI) essenziell, neue Medien versiert nutzen zu können und die Chancen und Gefahren aus eigener Erfahrung zu kennen. Um die im Lehrplan definierten Kompetenzen vermitteln zu können, steht ihnen ein Intensivkurs „Medien und Informatik“ an der PH Luzern zur Verfügung. Dabei können sie sich wichtige Fach- und fachdidaktische Kompetenzen im Bereich Medien und Informatik aneignen. Dabei werden auch Themen wie Multitasking im Unterricht behandelt.

Multitasking: Hochgefühl gegen Effizienz

Die enormen Chancen, die uns die neuen Technologien in der Schule, bei der Arbeit oder in der Freizeit bieten, mahnen uns auch immer wieder, inne zu halten und uns über ihre Grenzen und Gefahren der neuen Technologien zu unterhalten. Handy, iPad & Co. haben uns die Möglichkeit gegeben, zwei, drei Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Wir – oder die Lernenden – können beispielsweise Notizen verfassen, der Lehrerin/ dem Referenten zuhören, E-Mails lesen, einen Begriff nachschlagen und noch einen Tweet absetzen; und dies praktisch gleichzeitig. Dieses Multitasking gibt uns das gute Gefühl präsent, dabei und aktiv zu sein. Neuropsychologen konnten zeigen, dass Multitasking und das ständige „Suchen“ nach neuen und sozialen Inputs tatsächlich ein Hochgefühl bei Menschen auslöst. Multitasking heisst aber auch, dass die Aufmerksamkeit in kleinen Einheiten auf die verschiedenen Tasks verteilt werden. Dabei leidet die Tiefe und Intensität, mit der Tasks/Aufgaben bearbeitet werden, womit sich auch die Effizienz, z.B. des Lernens reduziert. Sana et al. (2013) zeigen sogar, dass Multitasking am Laptop im Unterricht sowohl das eigene Lernen wie auch das Lernen des unmittelbaren Umfeldes behindert. Nun kann der Umgang mit Multitasking zwar geübt werden, nur werden wir nicht besser darin, sondern wir wollen nur mehr davon.

Unitasking und WiFi-freie Zonen

Sherry Turkle (2015) hat die Implikation der neuen Technologien auf das zwischenmenschliche Gespräch in der Familie, unter Freunden, bei der Arbeit, in der Öffentlichkeit und in der Schule untersucht. Sie gibt am Ende ihres sehr lesenswerten Buchs Hinweise, wo und wie wir anfangen können, der unkritischen Technologienutzung zu begegnen. Allem voran weist die Autorin darauf hin, dass ein Handy kein Accessoire sondern ein mächtiges Werkzeug ist, das bewusst genutzt oder beiseite gelassen werden kann. Weiter empfiehlt sie beispielsweise, Unitasking als leitendes Kredo zu fördern, um die Produktivität und Kreativität zu erhöhen und Stress zu reduzieren. Die Autorin steht auch für WiFi-freie Zonen in Schulen ein, um den ungestörten Austausch und die Zusammenarbeit zu fördern. Schliesslich meint Sherry Turkle, dass auch das binäre Wählen der digitalen Welt (1 oder 0) – auch in der Nutzung der Technologien – vermieden werden soll; was auch für Lehrpersonen gilt.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

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Ein Kommentar zu “Medienbildung und mein Umgang mit neuen Technologien

  1. Was bitte ist eine Wi-Fi-freie Zone? Wi-Fi ist ein Zertifikat, WLAN hingegen bezeichnet ein lokales Funknetz.

    Der Artikel gaukelt vor, die LehrerInnen wären entweder bereits kompetent oder seien es spätestens nach dem entsprechenden Intensivkurs an der PH.

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