Studienreise: Wien und zurück – Wenn Lernen ein Erlebnis ist

Die PH Luzern führt regelmässig Studienreisen für Lehrpersonen durch. Diese Studienreisen ermöglichen einen vertieften Einblick in ein Schulsystem und in einzelne Schulen. Der geführte Austausch mit Verantwortlichen und Schüler/innen vor Ort sowie die Reflexion der eigenen Praxis – und das bei Wienerschnitzel und Kaiserschmarrn – macht das Lernen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die letzte Reise ging nach Wien; die nächste nach Hamburg.

Die Studienreise für Lehrpersonen der PH Luzern führte dieses Frühjahr nach Wien und war den Leitthemen „Integration“ sowie „Kompetenzorien­tierung“ gewidmet. Es wurden fünf Schulen mit sehr unterschiedlichen Konzepten besucht. In fast allen besuchten Schulen werden sogenannte Integrationsklassen geführt. In diesen Klassen werden Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen integriert. Entsprechend ist diesen Klassen zusätzliches Personal zugeteilt. Uns fällt auf, mit welcher Selbstverständlichkeit in Wien mit der kulturellen Vielfalt umgegangen wird. Das hat wohl auch mit der Vergangenheit Österreichs als Vielvölkerstaat zu tun.

Der Besuch an der Primarschule in Wiener Neudorf (ein kleinerer Ort ausserhalb Wiens) bleibt besonders in Erinnerung. Da wird seit rund 25 Jahren Inklusion gelebt. Der ehemalige Bezirksinspektor, Herr Josef Tutschek, war die treibende Kraft. Sein Anliegen bestand darin, das Umfeld (die Dorfvereine, die Gemeindebehörde, etc.) in den Inklusionsprozess mit einzubeziehen. Was wir von diesem Besuch mitnehmen: Es ist wichtig, dass die Schule ihr Umfeld bei Entwicklungs­pro­zessen miteinbezieht. Dass die politische Gemeinde Einfluss auf die Schule nehmen kann und umgekehrt, ist in Österreich nicht üblich. Nach den Erfahrungen zur Zeit der Dritten Reiches wurde der Einfluss der Politik auf die Schule stark eingeschränkt und an Beamte (Schulinspek­toren) übertragen.

Was uns in der Mehrzahl der Schulen auffällt, ist der Respekt, den Schulleitungen, Lehrpersonen und Kinder einander entgegenbringen. Zum Ausdruck kommt dies etwa, wenn die Schuldirektorin die Mitarbeitenden vorstellt, die wir beim Rundgang antreffen. Häufig werden wir von den Schülerinnen und Schülern freundlich begrüsst und gefragt, warum wir sie besuchen.

 

Wenn nur der Hauptgang die Reflexion zu unterbrechen vermag

Die vorbereitende Auseinandersetzung mit den Leitthemen ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Teilnehmenden die Besonderheiten der einzelnen Schulen differenziert erfassen und später mit den Kollegen und Kolleginnen austauschen können. Auch während dem Studienaufenthalt in Wien hat sich gezeigt, wie die Eindrücke vor Ort Anlass für fruchtbare Diskussionen in der Gruppe geben und wie schnell die Analogien zu den eigenen Schulen gesucht und die eigenen Möglichkeiten – sprich der Transfer in die eigene Schule – Thema wird. Der Blick von aussen auf andere Schulen vermag immer wieder die Sicht auf den eigenen Unterricht und auf die eigene Schule zu schärfen.

Uns fällt auf, mit welch kargen Mitteln, einzelne Schulen auskommen müssen – dies vor allem im Vergleich mit Schweizer Verhältnissen. Aber der bleibende Eindruck ist: Voraussetzung für eine gute Schule sind vor allem engagierte Lehrpersonen und eine wertschätzende Schulleitung, welche auf ihre Arbeit stolz sind.

Hans Roth, PH Luzern

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