Mentale Stärke – wenig genutztes Potenzial an Schulen?

„Schüler im Dauerstress“, „Lampenfieber vor dem Elternabend“, „Hohe Burnout-Rate bei Lehrpersonen“: Solche Schlagzeilen begegnen uns in Bezug auf Schulen immer wieder.  Die Bewältigung täglicher Anforderungen im Schulalltag sind für Schülerinnen und Schüler und für Lehrpersonen eine Herausforderung. Damit diese gemeistert werden können ist mentale Stärke gefragt – eine Kombination  mehrerer überfachlicher Kompetenzen, wie sie im Lehrplan 21 beschrieben sind. Doch geben wir dem Aufbau überfachlicher Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen und im schulischen Alltag genügend Raum? Die PH Luzern bietet mit dem Heidelberger Kompetenz-Training für mentale Stärke (HKT) ein Instrument, mit dem mentale Stärke gezielt aufgebaut und trainiert werden kann.

Voraussetzung, um die im Fachunterricht erworbenen fachlichen Kompetenzen nutzbringend anwenden zu können sind eine Reihe von überfachlichen Kompetenzen. Gemäss Lehrplan 21 setzen sich diese aus drei Bereichen zusammen: „Personale Kompetenzen, Soziale Kompetenzen und methodische Kompetenzen“ (Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern (2016) Lehrplan 21, Grundlagen, S. 13-16). Während der Aufbau der fachlichen Kompetenzen sehr klar über die Fachdidaktiken und die Zeitgefässe in der Wochenstundentafel ihren Platz im Alltag haben, ist unklar, wie die überfachlichen Kompetenzen gezielt gefördert werden sollen. Einige dieser Kompetenzen werden auf Grund der Arbeitsformen im Fachunterricht in der täglichen Arbeit aufgebaut und eingeübt.

Persönliche Ressourcen aufbauen
Im Bereich der personalen Kompetenzen geht es gemäss Lehrplan um Selbstreflexion (eigene Ressourcen kennen und nutzen), Selbständigkeit (Schulalltag und Lernprozesse zunehmend selbständig bewältigen, Ausdauer entwickeln) und Eigenständigkeit (eigene Ziele und Werte reflektieren und verfolgen). Wie können diese Kompetenzen gezielt aufgebaut und schrittweise erlernt werden? Häufig wird von den Schülerinnen und Schülern erwartet, dass sie dies mit der Zeit einfach können. Doch mentale Stärke ist lernbar und kann trainiert werden, sowohl von Schülerinnen und Schülern, als auch von Lehrpersonen.

Training für mentale Stärke an der PH Luzern
Seit mehreren Jahren bietet die PH Luzern ein Training für mentale Stärke an, welches sowohl Lehrpersonen, als auch Studierende und Schülerinnen und Schüler nutzen können. Es dient dazu, mentale Stärke, Selbstvertrauen, Konzentration und Fokussierung auf die eigenen Ziele schrittweise aufzubauen und an konkreten Situationen zu trainieren.

Bewährtes HKT
Diese aus dem Sport-Mentaltraining für den pädagogischen Alltag übertragene Methode, das Heidelberger Kompetenztraining für mentale Stärke HKT (Knörzer et al. 2011), hat sich bereits in vielen Situationen bewährt. Es unterstützt bei der Definition eigener Ziele, der Aktivierung der eigenen Ressourcen, der Konzentration auf die aktuelle Aufgabe und dem Schutz vor Ablenkung. Damit sind die Lernenden in der Lage, bereit zu sein, wenn es darauf ankommt, ihr Potenzial in Prüfungen, an Sportanlässen, Referaten und Auftritten ausschöpfen zu können und erfolgreich zu sein.
Überfachliche Kompetenzen dürfen nicht einfach dem Zufall überlassen werden. Ich bin überzeugt, dass wir diese in Zukunft noch stärker gewichten und gezielt fördern müssen. Berufsbildung und Hochschulen erwarten, dass ihr Lehrlinge und Studierenden diese Kompetenzen mitbringen.

Titus Bürgisser,
Leiter Zentrum Gesundheitsförderung, HKT-Instruktor

 

Quellen:

Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern (2016). Lehrplan 21. Grundlagen

Knörzer, Wolfgang; Amler, Wolfgang; Rupp, Robert (2011). Mentale Stärke entwickeln. Das Heidelberger Kompetenztraining in der schulischen Praxis. Weinheim und Basel: Beltz

PH Luzern, Zentrum Gesundheitsförderung www.zgf.phlu.ch

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