Schulleitungen ohne Lehrdiplom: Wenn das schon sein muss, dann bitte mit Ausbildung!

„Wir, die PH Luzern, bieten neu eine Schulleitungsausbildung für erfahrene Führungskräfte ohne Lehrdiplom an.“ Eine Freundin, erfahrene Lehrerin und Schulleiterin, war erschrocken, ja sie war geradezu entrüstet, als ich in geselliger Runde auf dieses innovative Angebot hinwies. Einem scheidenden Schuldirektor, der vom Lehrer zum Schulleiter und schliesslich zum Geschäftsführer der Schulen einer grösseren Stadt in der Deutschschweiz aufgestiegen war, reagierte auf dieselbe Mitteilung spontan mit den folgenden Worten: „Toll! Diese Öffnung tut Schulen gut. Ich gratuliere euch zu dieser Entscheidung!“ In dieser Spannweite wird das Thema unter Fachleuten fürs Lehren und Lernen diskutiert, und zwar äusserst kontrovers. Ist das eine gute Entwicklung, wenn in Zukunft auch Nicht-Pädagogen Schulen leiten?

 

Ich finde es aus verschiedenen Gründen eine gute Entwicklung (darüber in einem nächsten Blog mehr). Offensichtlich ist es aber eine notwendige Entwicklung, weil zumindest im Kanton Zürich sich zuwenig Lehrpersonen finden lassen, die Schulen leiten wollen. Gemäss der NZZ am Sonntag vom 17. August 2014 ist im Kanton Zürich jede fünfte Schulleitungsstelle mit einer Person besetzt worden, die über kein Lehrdiplom verfügt, und zwar nicht zuletzt darum, weil zuwenig Schulleiterinnen und Schulleiter mit pädagogischer Ausbildung sich für die offenen Stellen beworben haben. Schade, weil die Funktion „Schulleiterin bzw. Schulleiter“ für Lehrpersonen ausgesprochen interessante, persönliche Entwicklungsperspektiven eröffnen würde.

 

Wenn Schulleitungspersonen ohne Lehrdiplom bereits eine Realität darstellen, dann soll dafür gesorgt werden, dass diese ordentlich ausgebildet werden. Nur: Was ist eine ordentliche Ausbildung? Diskutieren Sie mit, lesen Sie demnächst weiter!

Ein Kommentar zu “Schulleitungen ohne Lehrdiplom: Wenn das schon sein muss, dann bitte mit Ausbildung!

  1. Achtung! Mein Schulleiter war Manager nicht Lehrer

    Gemäss dem Teaching and Learning International Survey (TAILS) verbringen Schulleiterinnen und Schulleiter mehr als die Hälfte ihrer Zeit mit Managementaufgaben (Führungsaufgaben, Budget und Finanzen, strategische Planung, operative Planung usw. (41%); Austausch mit Behörden, der Wirtschaft und den Eltern (18%); Austausch mit den Schülern ausserhalb des Lernsettings (15%)). Die Curriculums- und die lehrbezogenen Aufgaben und Besprechungen absorbieren die Schulleitenden im Schnitt mit 22% ihrer Arbeitszeit. Das heisst, dass Schulleiterinnen und Schulleiter lediglich einen Fünftel ihrer Zeit mit Aufgaben wie Curriculumsentwicklung, Unterrichten, Evaluationen, Mentoring und Entwicklung von Lehrpersonen aufwenden. Es stellt sich die Anschlussfrage, welches die grössten Herausforderungen sind, die sie zu bewältigen haben. Für die Schulleitenden sind es die begrenzte Ressourcenausstattung, die rechtlichen und politischen Restriktionen sowie die hohe Arbeitsbelastung, die sie in ihrem Arbeitsalltag stark fordern. Herausforderungen also, wie sie jede Managerin und jeder Manager kennt. Aus diesen Erkenntnissen, die stellvertretend für andere analoge Untersuchungsergebnisse stehen, wird deutlich, wo eine Ausbildung für Schulleitungen ansetzen sollte.
    Eine Schulleitungsausbildung für erfahrene Führungskräfte – ohne Lehrdiplom – sollte also das Augenmerk erstens auf die Curriculums- und lehrbezogenen Aufgaben wie beispielsweise die Unterrichts- und Schulentwicklung oder das pädagogische und didaktische Konzept der Schule richten. Zweitens muss eine Schulleitungsausbildung für erfahrene Führungskräfte den Transfer, das Wissen und die Erfahrungen der Managementaufgaben auf das Schulfeld fokussieren. So ist beispielsweise die Personalführung in Schulen, wo die Lehrpersonen einen sehr hohen Autonomieanspruch geltend machen, wesentlich anders als in einer stark vertikal arbeitsgeteilten Unternehmung. Schliesslich müssen künftige Schulleiterinnen und Schulleiter die Branchenkultur (Normen, informelle Spielregeln) kennenlernen und annehmen lernen. Wer die informellen Spielregeln nicht schnell genug zu adaptieren vermag, kann auch keine Veränderungen oder Innovationen in der Institution erfolgreich umsetzen.

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