Berufsfachschullehrer/innen: Es braucht die „Besten“!

Der Wettbewerb um die „Besten“ macht auch vor den Berufsbildungsverantwortlichen nicht halt. In Zeiten eines zunehmenden Fachkräftemangels stehen auch die Berufsfachschulen und die Betriebe im Kampf um die „Besten“, die sich für die berufliche Grundbildung einsetzen. Wo stehen wir heute?

Grundsätzlich sind sich alle darin einig, dass zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft – und letztlich des Wohlstands in der Schweiz –, ein Zustrom von jungen qualifizierten Fachkräften eine notwendige Bedingung ist. Dank dem hervorragenden Berufsbildungssystem absolvieren über Zweidrittel der Jugendlichen in der Schweiz eine Berufslehre bzw. eine berufliche Grundbildung (EBA, EFZ). Die Mehrheit von ihnen entwickelt sich beruflich über die höhere Berufsbildung oder die Fachhochschule (formal) weiter und garantiert den Zustrom von hochqualifizierten Fachkräften. Die Qualität der Berufsbildung steht und fällt aber auch mit den Qualifikationen und Kompetenzen der Berufsbildungsverantwortlichen, die die Jugendlichen an den drei Lernorten ausbilden.

Sind nur die „Besten“ Berufsfachschullehrer/innen?

Aus der Forschung wissen wir, dass nicht immer die „Besten“ an Berufsfachschulen unterrichten. Bei Berufen mit geringerem kognitivem Anforderungsniveau sind es die Besten, die den Schritt zur/zum Berufsfachschullehrer/in vollziehen. Für sie sind die Perspektiven in der Berufsbildung eine veritable Alternative zu ihrer Tätigkeit in ihrem angestammten Berufsfeld. In der Regel führt für diese Personen der Berufswechsel hin in den Lehrberuf zu einem höheren Lohn, höherem Sozialstatus, zu grösserer Arbeitsplatzsicherheit und mehr Autonomie.

Etwas anders sieht es bei den Berufen mit hohen kognitiven Anforderungen aus. Für die Besten in diesen Berufsfeldern ist der Anreiz in den Lehrberuf zu wechseln wenig gross. Ihnen stehen im eigenen Berufsfeld attraktivere Karrierewege und Verdienstmöglichkeiten offen. Entsprechen lässt sich beobachten, dass in den kognitiv anspruchsvolleren Berufen im Durchschnitt nicht die „Besten“  in den Lehrberuf wechseln. In diesen anspruchsvollen Berufen müssen  neue Wege gegangen werden, die Besten für den Lehrberuf zu gewinnen.

Wie ist der Kampf um die Besten zu gewinnen?

Der Kampf um die Besten akzentuiert sich in der Berufsbildung durch den zunehmenden Fachkräftemangel. Um den nachhaltigen Zustrom von bestqualifizierten Berufsleuten zu sichern, sind sowohl die Politik als auch die Wirtschaft gefordert.

Die Politik ist angehalten, auch den Berufsbildungsverantwortlichen mehr Beachtung zu schenken. So sollten erstens die finanziellen Anreize für eine Ausbildung zum/zur Berufsfachschullehrperson (im Haupt- oder Nebenberuf) an einer PH oder am EHB verändert werden. Es ist erstrebenswert, dass die Ausbildung zur Berufsfachschulperson an einer Pädagogischen Hochschule finanziell gleich behandelt wird, wie die Ausbildung zur Volksschullehrperson. Zudem müssen sich die Kantone, die die Förderung der Berufsbildung  als strategisches Ziel haben, die Salärordnung zugunsten der Berufsfachschullehrer/innen anpassen; insbesondere in den kognitiv anspruchsvollen Berufen.

Die Wirtschaft sollte vermehrt ihre besten Leute dazu verpflichten, sich auch an  den Berufsfachschulen für den Berufsnachwuchs zu engagieren. Es sind insbesondere die Berufsfachschullehrpersonen im Nebenberuf mit kleinen Pensen, die wichtige Impulse und Innovationen über die Lernenden in die Wirtschaft hinein tragen. Schliesslich ist es auch an den Unternehmen, die „Besten“ ohne eigene Berufsbildungsbiographie verstärkt in die Berufsbildung  einzubinden.

Die besten Lehrkräfte

Die „Besten“ sind aber nicht a priori die besten Lehrkräfte. Nur wer auch das pädagogisch-didaktische Handwerk beherrscht, hat die Möglichkeit, zu besten Lehrkräften zu gehören.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

 

 

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