Mit den Eltern die berufliche Orientierung gestalten

Eltern spielen eine zentrale Rolle bei der Berufswahl und der Lehrstellensuche von Jugendlichen. Entsprechend richten sich mehr und mehr Informationen bezüglich der Berufswahl an die Eltern. Ein noch nicht ausgeschöpftes Potential liegt bei der Elternarbeit im Rahmen der beruflichen Orientierung der Volksschule.

Die Bedeutung der Eltern bei der Berufswahl ist empirisch gut belegt und gesellschaftlich breit anerkannt (z.B. Beicht/Granato, 2010; Arpagaus, 2012; Eberhard et al., 2013). Aufgrund des Wertewandels hat sich in den letzten 20 Jahren die Beziehung zwischen den Eltern und Jugendlichen verändert. Die elterliche Autorität wurde weitgehend durch ein „entspanntes Miteinander“ abgelöst (vgl. Shell Jugendstudie 2010). Diese Enthierarchisierung der Eltern-Kind-Beziehung bedeutet auch, dass Eltern ihre Kinder im Berufswahlprozess vermehrt solidarisch-verstehend begleiten, was auch in der Elternarbeit im Rahmen der beruflichen Orientierung berücksichtigt werden muss.

Elternarbeit in der der beruflichen Orientierung: Eine Herausforderung für die Volksschule

Elternarbeit in der Volksschule ist eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe der Lehrperson. Im Rahmen der beruflichen Orientierung bekommt die Elternarbeit eine ausserordentlich grosse Bedeutung. Denn die Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen im Berufswahlprozess und die Berufswahl hat nachhaltige Konsequenzen auf den Berufsverlauf und letztlich das ökonomische Wohlergehen der Jugendlichen. Entsprechend stellt die Elternarbeit im Zusammenhang mit der beruflichen Orientierung besondere Anforderungen an die Lehrpersonen. Sie müssen nicht nur die Unterschiede der sozialen Lage, der verschiedenen Werte und Lebensstile der Eltern berücksichtigen, sondern auch das für die Berufswahl und die Lehrstellensuche relevante soziale Netzwerk der Eltern sowie die eigene berufliche Erfahrungen der Eltern.

Möglichkeiten für Lehrpersonen

Wird die Elternarbeit verstärkt in den Fokus der beruflichen Orientierung genommen, müssen sich die Lehrpersonen auf ein sozialraumorientiertes Übergangsmanagement einlassen. Das heisst, dass nicht mehr die Information und pädagogischen Massnahmen für die Schülerin oder den Schüler im Zentrum stehen, sondern die ganzheitliche Lebenswelt der Jugendlichen, die es im Rahmen der beruflichen Orientierung zu gestalten gilt. Dies kann nur gelingen, wenn eine verlässliche und vertrauensbasierte Kooperation von Schule/Lehrperson und den Eltern besteht. Eine Aufgabe, die sich über den gesamten Zyklus der Sekundarstufe I erstreckt.

Die PH Luzern bietet auch im Weiterbildungsprogramm 2015/16 verschiedene Kurse zur Elternarbeit und zur beruflichen Orientierung an (vgl. www.wb.phlu.ch ). Aktuell findet wieder das Forum Schule trifft Berufswelt statt.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*