Bilingualer Unterricht in der Berufsbildung – Das sagen die Lernenden!

Die Bedeutung von Fremdsprachenkenntnissen wird weltweit und in allen Bereichen des Lebens immer wichtiger. Dies gilt insbesondere auch für die Schweiz als relativ kleines und mehrsprachiges Land mit einer global eingebundenen Volkswirtschaft. Die Idee, mit bilingualem Unterricht gleichzeitig die Sachkenntnisse als auch die Fremdsprachenkompetenz im Unterricht zu verbessern, hat deshalb auch in der Berufsbildung Einzug gehalten. Doch was sagen die Lernenden dazu?

Durch die fortschreitende Globalisierung vieler Lebensbereiche werden die Fremdsprachenkenntnisse im Beruf von immer grösserer Bedeutung. Während vor einigen Jahren insbesondere die Führungspersonen in Unternehmen internationale Netzwerke pflegten, so kommen im heutigen Arbeitsalltag viele Angestellte in zahlreichen Berufen regelmässig in Kontakt mit fremdsprachigen Partnern oder Kunden. Die Fremdsprachkompetenz der Berufsleute ist damit eine Schlüsselqualifikation für den beruflichen Alltag geworden.

 

Wo sind die Fremdsprachen in der Berufsbildung?

Obwohl Fremdsprachenkenntnisse ein wichtiges Argument für den Berufseinstieg darstellen, ja sogar die Stellensuche und die Lohnentwicklung im Beruf langfristig positiv beeinflussen (Grin, 2003), besteht aktuell eine Fremdsprachenlücke an den Berufsfachschulen. Der bilinguale Unterricht in der Berufsbildung kann einen Weg darstellen, die fehlende Fremdsprachenförderung in der Zeitspanne von der Volksschule in den Beruf zu kompensieren (Nabholz, 2010). Wie jedoch die Ziele, die didaktische Gestaltung, die Ausbildung der Lehrpersonen etc. im bilingualen Unterricht aussehen sollen, darüber wird in der Öffentlichkeit, unter Bildungsverantwortlichen, Lehrpersonen, Forschenden und PolitikerInnen teilweise kontrovers diskutiert. Die Meinung und Erfahrungen der Lernenden muss in dieser Diskussion angemessen berücksichtig werden. Die PH Luzern erfasst diese in ihrer Studie „The Learners‘ Perspective“.

 

Das sagen die Lernenden!

Im Zeitraum von September 2014 bis April 2015 führte die PH Luzern zu drei verschiedenen Messzeitpunkten mit insgesamt 25 Lernenden aus den Kantonen Luzern und Zürich halboffene Interviews durch, in denen die Motivation, Erwartungen, Erfahrungen und Unterstützung der Lernenden im bilingualen Unterricht erfasst wurden. Verdichtet können aus den Ergebnissen der Studie, die an der ersten Schweizerischen Bili-Tagung an der PH Luzern präsentiert wurden, folgende zusammenfassenden Kernaussagen gezogen werden:

  • Die Motivation der Lernenden für bilingualen Unterricht ist hoch und bleibt über sechs Monate im bilingualen Unterricht stabil hoch.
  • Die Erwartungen der Lernenden bezüglich des sprachlichen Kompetenzaufbaus im Englisch sind hoch. Allfällige Unzufriedenheit von Seiten der Lernenden ergibt sich durch eine als mangelhaft erlebte Förderung des Englisch im bilingualen Unterricht.
  • Das fachspezifische Lernen wird nach Einschätzungen der Lernenden durch den bilingualen Unterricht nicht erschwert, sondern erleichtert, indem es facettenreicher und mit mehr Wiederholungen erarbeitet wird.
  • Gut die Hälfte der Lernenden berichtet, dass ihre BerufsbildnerInnen in den Lehrbetrieben den bilingualen Unterricht nicht kannten.
  • Das Lernen im bilingualen Unterricht wird von den Lernenden vor allem dann besonders positiv eingeschätzt, wenn das Englischniveau der Lehrperson angemessen hoch ist und sich die Lehrperson im Unterricht wohl und sicher fühlt.

Detailliertere Auswertungen der Studienergebnisse werden durch die PH Luzern publiziert und für die laufende Weiterentwicklung und Optimierung des bilingualen Unterrichts in der Berufsbildung genutzt.

 

Dr. Janine Gut, Ressortleiterin Weiterbildung PH Luzern

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