Lehrplan 21 und die Nachqualifikation von Lehrpersonen

Im „weiter“ (Nr. 5 vom Juni 2015) wird im Zusammenhang mit der Lehrplan 21 Einführung und den Fächern Wirtschaft/Arbeit/Haushalt, Raum/Zeit/Gesellschaft, Ethik/Religion/Gemeinschaft sowie Medien und Informatik die Frage nach der notwendigen Nachqualifikation von Lehrpersonen, die (neu) diese Fächer unterrichten werden, gestellt. Der Kanton Luzern hat die Notwendigkeit einer Nachqualifikation in diesen Fächern erkannt und fordert eine minimale obligatorische Weiterbildung von ihren Lehrpersonen. Fachexpertinnen und –experten haben ihre Bedenken gegenüber dem vorgesehenen geringen Umfang geäussert und darauf hingewiesen, dass erstens die Fächer unterschiedlich behandelt werden sollten und zweitens, dass es für die Lehrpersonen eine Möglichkeit zu einer EDK-anerkannten Lehrbefähigung in diesen Fächern geben muss. Aktuell wird an der PH Luzern gemeinsam mit den Fachleiterinnen und Fachleitern ein Weiterbildungskonzept entwickelt, welches unter Berücksichtigung der fachspezifischen Neuerungen eine Erweiterung der vom Kanton geforderten sog. Intensivkurse zu einem CAS resp. EDK-anerkannten Abschluss überprüft. Folgend äussern sich Fachleiterinnen und Fachleiter zu dem Thema.

 

Wirtschaft/Arbeit/Haushalt (WAH) von Claudia Wespi

Mit der Veränderung von Hauswirtschaft zu Wirtschaft – Arbeit – Haushalt erhält dieses Fach eine inhaltliche Neuakzentuierung als Folge von gesellschaftlichen Entwicklungen und damit verbundenen bildungspolitischen Forderungen. Wirtschaft und Arbeit waren immer schon Bestandteil der hauswirtschaftlichen Bildung. Diesbezügliche Lernauseinandersetzungen werden nun stärker gewichtet, weil Menschen dazu Kompetenzen im Alltag brauchen. Von der hauswirtschaftlichen Bildung her gesehen, ist die fachliche Neuakzentuierung eine organische inhaltliche Weiterentwicklung. Bisherige Lehrpersonen HW gehören deshalb auch nicht zur Kategorie der Lehrpersonen, die zukünftig fachfremd unterrichten. Weiterbildungsangebote zum kompetenzorientierten Lehrplan WAH, die über die obligatorischen Einführungskurse hinausgehen, sind notwendig. Eine EDK-anerkannte Nachqualifikation generiert für bisherige HW-Lehrpersonen auf Lehrdiplom-Ebene jedoch keinen Mehrwert. Nebst der Weiterbildung ist insbesondere die Entwicklung von Lehrmitteln voranzutreiben, welche auf den Lehrplan abgestimmt sind und die Lehrpersonen im Unterrichten unterstützt.

Claudia Wespi, Dozentin, Fachleiterin Hauswirtschaft / Wirtschaft – Arbeit – Haushalt PH Luzern

 

Ethik/Religion/Gemeinschaft (ERG) von Dominik Helbling

Der Kanton Luzern hält in der neuen Wochenstundentafel am Fach «Lebenskunde» fest: Darin enthalten sind die «Berufliche Orientierung», für die der Lehrplan 21 einen neuen Lehrplan bereitstellt, sowie «Ethik, Religionen, Gemeinschaft». Letzterer enthält einige schon bekannte Zielsetzungen zu eigenen Ressourcen, Geschlecht und Rollen, Sexualität, Gemeinschaft, interkulturellem Lernen, Konflikte. Daneben hält ERG jedoch einige Neuerungen bereit: das Philosophieren und das Nachdenken über existentielle Grunderfahrungen, die Auseinandersetzung mit Werten und die Förderung des ethischen Urteils sowie die Kenntnisse über und der Umgang mit Religionen und Weltsichten erhalten neues Gewicht. Auf diese Aspekte wird sich die Einführung in den Lehrplan konzentrieren und dabei den Unterricht fokussieren müssen. Dazu werden die Teilnehmenden praxisorientierte Instrumente kennen lernen. Für eine fachdidaktische Vertiefung und  fachwissenschaftliche Grundlegungen bedarf es ergänzender Gefässe.

Dominik Helbling, Dozent Fachwissenschaft und Fachdidaktik Ethik und Religionen PH Luzern

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