Schule – Beyond Competences

Schule ist mehr als die Summe von vermittelten Kompetenzen. Schulen haben ein Innenleben und sind in einen sozialen, kulturellen und ökonomischen Kontext eingebettet. Wie können Lehrpersonen, Schulleitungen und Behörden das meritokratische Bildungssystem mit gleichen Chancen für alle sicherstellen?

Mit der um Diskussion über den Lehrplan 21 und den kritischen Stimmen zur Menge an Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler im Verlauf ihrer Volksschulkarriere erwerben sollen, ist die gemeinschaftliche und gesellschaftliche Funktion der Schule bei den Lehrpersonen etwas aus dem Blickfeld gerückt. Mit einer Vortragswerkstatt bietet die PH Luzern parallel zu den Weiterbildungsveranstaltungen zur LP-21-Einführung die Möglichkeit, den Lehrplan in einen grösseren Kontext zu rücken.

An den öffentlichen Schulen in der Schweiz treffen einerseits Kinder aus allen sozialen Schichten, mit unterschiedlicher ethnischer Herkunft, verschiedenen Sprachen und Glaubensrichtungen zusammen. Diese Heterogenität in den Volksschulen ist eine wichtige gesellschaftliche Errungenschaft, die die Grundlage für den künftigen Zusammenhalt in der Gesellschaft bildet.

Aufgrund der wohnortsbezogenen Zuteilung der Schülerinnen und Schüler zu Schulen gibt es durch die vorherrschende residentiale Segregation dennoch eine „Sortierung“ der Schülerinnen und Schüler nach sozioökonomischer Herkunft. Da der sozioökonomische Status der Eltern der Peers, die extracurricularen Angebote oder das Viktimisierungsrisiko in einem Quartier und die Zusammensetzung der Nachbarschaft einen grossen Einfluss auf den Schulerfolg haben (vgl. Putnam, 2015), stellt sich die Frage nach der Chancengleichheit an den öffentlichen Volksschulen. Können Schulen durch den gezielten Umgang mit Heterogenität und den aktiven Einbezug von ausserschulischen Akteuren (z.B. Sozialarbeit), die Chancengleichheit in der Schule herstellen?

Sind es die Ansätze einer sozialraumorientierten Schule, wie sie im Kanton Luzern bei sechs Schulen pilotiert werden, oder ist eine verstärkte pädagogische Autorität, die mehr Chancengleichheiten in den Volksschulen bringen? Können verlängerte „Öffnungszeiten“ und mehr extracurriculare Aktivitäten der Schulen, Ungleichheiten ausgleichen? Oder muss die Finanzierung so gestaltet werden, dass in allen Schulen die gleichen Ergebnisse erzielt werden können? Das sind Fragen, die hier im Blog oder an der „Vortragswerkstatt“ der PH Luzern diskutiert werden können.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

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