Peer-Mentoring: Einsatz in der Weiterbildung von Berufsbildungsverantwortlichen

Peer-Mentoring Programme werden in der Weiterbildung noch wenig systematisch eingesetzt, obwohl sie wesentlich Beiträge zu einer effektiven und transferorientierten Weiterbildung von Erwachsenen leisten können. Anhand eines Beispiels wird aufgezeigt, wie ein Gruppen-Peer-Mentoring im DAS Fachbereichsleiter/in Berufsbildung eingesetzt wird.

Weiterbildungsstudiengänge an der Pädagogischen Hochschule Luzern werden sowohl von erfahrenen Lehrpersonen wie auch von Junglehrpersonen, die erst drei, vier Jahre im Beruf stehen, besucht. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Heterogenität der Teilnehmenden eine wichtige Ressource ist, die auch von den Teilnehmenden eingefordert wird und genutzt werden möchte.
Entsprechend werden die Weiterbildungsstudiengänge gestaltet und durchgeführt. Ein Instrument, die unterschiedlichen Ressourcen der Teilnehmenden zu nutzen, ist das Peer-Mentoring. Peer-Mentoring ist jedoch weit mehr als ein Instrument der Ressourcenallokation. Es besitzt das Potential, in einzelnen Weiterbildungsstudiengängen einen Nutzen in mehrfacher Hinsicht zu stiften. Am Beispiel des Peer-Mentoring Programms des DAS Fachbereichsleiter/in Berufsbildung (DAS FBLB) wird ein Peer-Mentoring-Programm kurz vorgestellt.

Idee des Peer-Mentorings

Peer-Mentoring beschreibt im Wesentlichen eine Beziehung unter Gleichgestellten. Diese Beziehung dient mindestens zwei Funktionen: Erstens dient sie der Förderung der Entwicklung der Mentees beispielsweise durch Unterstützung, Coaching oder durch konstruktive Kritik an den Arbeitsergebnissen. Im Peer-Mentoring unterstützen, begleiten und beraten also die Teilnehmenden ihre Kollegen/Kolleginnen als Gleichgesinnte in ihrem Lernprozess. Zweitens übernimmt die Beziehung zwischen Mentor/in und Mentee auch die Funktion der psychologischen Unterstützung. Diese trägt wesentlich zur Stabilisierung des Lernprozesses bei, verhindert den Studienabbruch und erhöht die Selbstwirksamkeit der Mentees. Das Peer-Mentoring hat insbesondere bei Führungsausbildungen weitere positive Aspekte.

Spezifische Funktion des Peer-Mentoring

Das Peer-Mentoring im Rahmen des DAS Fachbereichsleiter/in übernimmt neben der Förderung der Entwicklung und der psychologischen Unterstützung auch die Funktion, das selbstgesteuerte und selbstorganisierte Lernen anzustossen. Die Gruppen-Peer-Mentoring-Einheiten stärken zudem die Teilnehmenden in der praktischen Rolle als Fachbereichsleiter/in. Als Fachbereichsleitende führen sie nicht nur Lehrpersonen, sie arbeiten auch mit andern Fachbereichsleitenden (Peers) zusammen. Dabei müssen sie ihr Team und ihren Fachbereich überzeugend vertreten. Um die Sicherheit in dieser Rolle zu stärken, bietet ihnen das Peer-Mentoring die Gelegenheit diese Rolle zu praktizieren und dazu qualifizierte Rückmeldung zu erhalten. Auch als Mentor/in und Mentee werden wichtige Kompetenzen einer/eines Fachbereichsleiter/in angeeignet. So ist beispielsweise das Mentoring von Berufseinsteigenden eine wichtige Aufgabe von Fachbereichsleitenden, die gelernt sein will. Beim Mentee werden die stringente Argumentation, die Selbstreflexion und weitere metakognitive Kompetenzen im Kontext der Berufspraxis gefördert.

Das Peer-Mentoring-Programm

Im Studiengang DAS FBLB folgen die Gruppen-Peer-Mentoring-Einheiten immer im letzten Teil eines Moduls nach den Präsenzveranstaltungen. Diese Peer-Mentoring-Einheiten sind inhaltlich so angelegt, dass sie der individuellen Vertiefung, dem kollegialen Austausch sowie dem persönlichen Transfer des Erlernten in die eigene Praxis dienen. Im Rahmen der Peer-Mentoring-Einheiten werden die Teilnehmenden in der Regel ihre Leistungsnachweise des jeweiligen Moduls präsentieren, diskutieren und bewerten. Die Gruppenmitglieder übernehmen in diesen Peer-Mentoring-Einheiten zudem mindestens einmal die Rolle des Mentee, des Metors/der Mentorin und der Peers als Beobachter. Der/die Mentee führt die Peer-Mentoring-Einheit im Sinne einer (Sitzungs-)Leitung und ist für ihre Struktur, die Zielerreichung und die Moderation verantwortlich. Ein Mentee wird in dieser Rolle von einem Mentor/einer Mentorin begleitet. Die andern Mitglieder der Peer-Mentoring-Gruppe beobachten Mentee und Mentor/in und geben beiden eine qualifizierte Rückmeldung.

Führung des Peer-Mentoring-Programms

Peer-Mentoring heisst aber nicht, dass die Teilnehmenden auf sich alleine gestellt sind. Ein Peer-Mentoring-Programm muss mit geeigneten Aufgaben, Fragestellungen und Instrumenten geführt werden. Im Fall des DAS Fachbereichsleiter/in Berufsbildung steht dem Peer-Mentoring einerseits ein Tutor/eine Tutorin zur Verfügung und anderseits wird der Prozess mit einem E-Portfolio begleitet und durch den Tutor/die Tutorin rückgemeldet. Führung wird entsprechend von allen Beteiligten, d.h. den Tutoren/Tutorinnen, Mentoren/Mentorinnen, Mentees und Peers verlangt, was die Führungspraxis zu einem integralen Teil der Führungsausbildung macht.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

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