Formatvielfalt im Weiterbildungsportfolio von Lehrpersonen

Lehrpersonen können sich heute in Weiterbildungskursen, Weiterbildungsstudiengängen, Vortragsreihen, Tagungen usw. weiterbilden. Die vielfältigen Weiterbildungsformate bedienen die heterogenen Bedürfnisse und steigern die Attraktivität der Weiterbildung, die im Wettbewerb mit Freizeitaktivitäten steht. Doch wann eignet sich welches Weiterbildungsformat?

Die Weiterbildung ist heute eine veritable Branche, deren Umsatz mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen und dem Paradigma des Lebenslangen Lernens an Bedeutung gewonnen hat und weiterhin an Bedeutung gewinnen wird. Trotz den Bestrebungen, informelle Lernleistungen zu anerkennen und mit institutionalisierten Abschlüssen zu versehen, verlieren die formalen Weiterbildungsabschlüsse nicht an Bedeutung. Mit der Bologna-Reform und dem Europäischen und Schweizerischen Hochschul-Qualifikationsrahmen haben insbesondere die Weiterbildungsstudiengänge der Hochschulen, die mit einem Zertifikat (CAS), einem Diplom (DAS) oder einem Masterdiplom (MAS) und den damit verbundenen Bildungswährung (ECTS-Punkte) an Attraktivität gewonnen.

Tradition der Weiterbildung von Lehrpersonen mit neuen Formaten

Dies gilt auch bei der Lehrer/innen-Weiterbildung. Die Weiterbildung von Lehrperson, meist als Recht und Pflicht der Lehrpersonen gesetzlich verankert, hat eine lange Tradition. Die Weiterbildungskurse wurden oft von den Kantonen angeboten. So fanden sich beispielsweise im Schuljahr 1990/91 Kurse mit folgenden Themen: „Technik des Holzschnitzens“, „Wetterkunde“, „DOS-Betriebssystem“, „Zierschrift Unziale“, „Lehrplan Deutsch besser kennenlernen“, „Rund um das polternde Kind“, „Falsche Bescheidenheit von Frauen in der Öffentlichkeit“ oder „Hilfen für Legastheniker im Klassenverband“. Die Kurse dauerten zwischen einem Mittwochnachmittag bis fünf Tage. Die Tradition der „klassischen“ Weiterbildungskurse wird bis heute weitergeführt. Mit der Tertiarisierung der Lehrer/innen-Bildung und dem vierfachen Leistungsauftrag der Pädagogischen Hochschulen hat die Weiterbildung eine neue Dynamik erhalten, und zwar sowohl in den Weiterbildungsinhalten wie auch in den Weiterbildungsformaten. Bei den „klassischen“ Kursen wird der Wandel auch in den Kursbezeichnungen deutlich. Heute heissen die Kurse bei der PH Luzern beispielswiese: „Das gestresste Kind“, „Unterricht spielerisch gestalten“, „Sprachtherapie im Schulalter“, „Apps und Games im Mathematikunterricht“, „Chemie geht durch den Magen“, „Roboter und mechanische Spielzeuge bauen“, „Praxis im altersgemischten Lernen“ oder „Kooperative Lernformen einführen“.

Die Vielfalt der Formate

Die Formate der Weiterbildungen für Lehrpersonen umfassen heute neben den klassischen Kursen vor allem die Weiterbildungsstudiengänge (CAS, DAS, MAS) mit 300 bis 1‘800 Lernstunden sowie die Formate Tagungen, Workshops, Networkanlässe, Speed-Meetings, Ferienkurse, Abendanlässe, sequenzierte Kurse, Tageskurse, Vortragsreihen, begleitete Praxisgruppen, begleitete Aktionsforschungen, Projektarbeiten, Shadowing, Peer-Mentoring, Webinare, MOOCs, Hackathon usw. Diese Ausdifferenzierung in den Formaten ist nicht nur ein Indikator der hohen Innovationskraft der Branche, sondern auch eine Anpassung an die veränderten und heterogeneren Bedürfnisse der Lehrpersonen. Auch in der Weiterbildung von Lehrpersonen ist es nicht mehr so, dass eine homogene Gruppe von Teilnehmenden zum gleichen Zeitpunkt bei der gleichen Dozentin im gleichen Raum mit gleichen Mitteln das gleiche Ziel erreichen will.

Lehrpersonen und ihr Weiterbildungsportfolio

Lehrpersonen stehen heute mehr denn je vor der schwierigen Aufgabe, ihre Weiterbildung zu wählen und zu planen. Das Testatheft mit einer Fülle von besuchten Kursen genügt kaum mehr, um die Laufbahn einer Lehrperson zu begleiten und zu unterstützen. Erwartet wird ein komponiertes Weiterbildungsportfolio mit einem stringenten Mix an Weiterbildungen. Beim Erstellen eines Weiterbildungsportfolios hilft es, ein Zielbild der eigenen beruflichen Entwicklung zu skizzieren. Lehrpersonen können dann ihr, auf das Zielbild ausgerichtetes Weiterbildungsportfolio erstellen. Die umfassenderen Weiterbildungsstudiengänge (CAS, DAS, MAS) bilden im Portfolio die zentralen Pfeiler der fachlichen Ausrichtung und Vertiefung. Ein Weiterbildungsportfolio für 10 Jahre sollte zwei bis drei CAS bzw. ein (bis zwei) DAS oder MAS umfassen. Trotz des grossen Lernumfangs zwischen 300 Lernstunden beim CAS und 1800 Lernstunden beim MAS bleiben einzelne Themen ausgeschlossen. Deshalb ist es wichtig, jeden Weiterbildungsstudiengang mit andern, kleineren Formaten von Weiterbildungen zu ergänzen. Die „klassischen“ Weiterbildungskurse eignen sich für thematische Ergänzungen sehr gut. Um die aktuellsten (wissenschaftlichen) Erkenntnisse, Entwicklungen und (praktischen) Trends zu erfahren, bieten sich Tagungen an. Transferkurse, begleitete Praxisgruppen oder Aktionsforschungsprojekte mit Beteiligung der Lehrpersonen werden ins Portfolio aufgenommen, um der konkreten Umsetzung in die Praxis mehr Gewicht zu geben. Ein Abtauchen in die eigene Weiterentwicklung bieten Sommerkurse, die sich über eine oder mehrere Wochen hinziehen. Schliesslich bieten sich Online-Weiterbildungen, Micro-Based Learning oder Lernen mittels Gamification an, wenn in kurzen im Alltag integrierten Lerneinheiten im individuellen Tempo gelernt werden will. Ein modernes Weiterbildungsportfolio für Lehrpersonen weist Weiterbildungen mit sich ergänzende Formaten und vertiefenden oder komplementären Inhalten auf, das jährlich 100 bis 150 Lernstunden umfasst.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*