Mehr Mobilität bei den Berufsbildungsverantwortlichen

Angehende und erfahrene Lehrpersonen und Dozierende der Berufsbildung sollen auch in Bezug auf die Mobilität Vorbilder für die Lernenden und Studierenden sein. Die Bildungsexperten/innen sind sich einig, dass insbesondere Personen in der Lehre vielfältige Primärerfahrungen ausserhalb der eigenen Schulwände machen sollten. Dem Wunsch nach mehr Mobilität in der Berufsbildung stehen in der Umsetzung jedoch einige Hürden im Weg. Was die PH Luzern ihren Studierenden und Lehrpersonen in der Berufsbildung zur Förderung der Mobilität anbietet, zeigt der folgende Blogbeitrag.

Seit der Bologna-Reform im Hochschulbereich gehört die „Mobilität“ zu den Schlüsselkonzepten im Bildungsbereich (vgl. Bologna-Prozess 2020). Die Forderung lautet: Studierende sollen mobil sein und einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren. Denn die Mobilität wird als wichtiges Element der persönlichen Entfaltung und der Beschäftigungsfähigkeit betrachtet. Ein Studienaufenthalt in einem andern Land – oder Sprachregion – soll den Respekt vor der Vielfalt und die Fähigkeit im Umgang mit anderen Kulturen und die Mehrsprachigkeit fördern. Wenn Hochschulen strukturell die Mobilität ihrer Aus- und Weiterbildungsstudierenden begünstigen, dann verspricht man sich durch die internationale Zusammenarbeit und den internationalen Wettbewerb auch eine Erhöhung der Qualität der Aus- und Weiterbildungsprogramme. Es ist an den Pädagogischen Hochschulen, diese Herausforderungen in der Aus- und Weiterbildung von Berufsbildungsverantwortlichen anzunehmen und entsprechende Strukturen, Programme und Angebote zu schaffen.

Herausforderungen in der Berufsbildung

Der „klassische“ Weg in den Beruf des Berufsfachschullehrers/der Berufsfachschullehrern, des HF-Dozenten/der HF-Dozentin oder der Berufsmittelschullehrperson erfolgt über eine „Nebenbeschäftigung“ (<50%) und der parallel dazu absolvierten Ausbildung, die mit einer eidgenössischen Lehrberechtigung angeschlossen wird. Diese Dreifachbelastung – Berufstätigkeit im angestammten Beruf, neue Lehrtätigkeit als Berufsbildungsverantwortliche/r und die Ausbildung zum/zur Berufsbildungsverantwortlichen – macht die Mobilität für die Studierenden schwierig. Begrenzt wird die Mobilität auch durch die sehr unterschiedlichen Berufsbildungssysteme sowie die sprachlichen Hürden.

 Mobilitätsangebote der PH Luzern

Die PH Luzern begegnet den Anforderungen nach mehr Mobilität und Internationalität in der Aus- und Weiterbildung von Berufsbildungsverantwortlichen in mehrfacher Hinsicht. Erstens stehen den rund 10 ausländischen Studierenden der PH Luzern die Module der Zusatzausbildung Berufspädagogik sowie diejenigen der Ausbildung von Berufsfachschullehrpersonen (BKU, BM) zur Verfügung. Mit dem Einbinden ausländischer Studierender in die Ausbildungsstudiengänge der Berufsbildung wird einerseits etwas Internationalität in den Unterricht geholt und eröffnet anderseits den Studierenden der PH Luzern ein Gegenrecht, bei der ausländischen Partnerhochschule Module zu besuchen. Bis heute wird dieses Angebot noch kaum genutzt.

Seitenwechsel ein bewährter Klassiger

Den Berufsfachschullehrpersonen mit Berufserfahrung bietet die PH Luzern ein mehrwöchiges Programm an, das die Ziele der Mobilität in dreifacher Hinsicht fördert. Erstens können die Teilnehmenden im Rahmen dieses Programms einen „Seitenwechsel“ vollziehen und in ihrem angestammten bzw. einem anderen Beruf ein „Praktikum“ absolvieren. Zweitens werden die Teilnehmenden angehalten, andere Bildungsinstitutionen sowie Kolleginnen und Kollegen anderer Schulen zu besuchen und zu hospitieren. Drittens bietet die PH Luzern den Teilnehmenden verschiedene Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen. Der Auslandaufenthalt kann ein Sprachaufenthalt sein. Der Auslandaufenthalt kann aber auch dazu genutzt werden, um bei einer Partnerinstitution, Aus- oder Weiterbildungsmodule zu besuchen, zu unterrichten oder Lehrkollegen/Lehrkolleginnen in einem „work shadowing“ zu begleiten. Dieses Angebot wird regelmässig von Berufsbildungsverantwortlichen genutzt. So hat beispielsweise im vergangenen Jahr ein 55-jähriger ABU-Lehrer das Programm „Seitenwechsel“ dazu genutzt, um in einem Betriebspraktikum handwerklich zu arbeiten und hautnah mitzuerleben, wie am zweiten Lernort auch Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsprozess integriert werden. Hospitationen bei Kollegen und Kolleginnen anderer Berufe haben zudem neue Impulse für den eigenen Unterricht gegeben. Schliesslich konnte die Person in einem Sprachkurs in London sowohl die englische Sprache für den künftigen Bili-Unterricht vertiefen und Kontakte zu „Mitstudierenden“ aus allen Weltregionen knüpfen.

Weitere Massnahmen sind bei der PH Luzern geplant. Hierfür müssen jedoch noch Fragen der Finanzierung, Aufenthaltsbewilligung, Anerkennung oder Unterstützung geklärt werden. Interessierte Studierende eines Diplomstudiengangs oder erfahrene Berufsbildungsverantwortliche können sich jederzeit bei den jeweiligen Studiengangsverantwortlichen über weitere Mobilitätsmöglichkeiten erkundigen.

Prof. Dr. Jürg H. Arpagaus, Prorektor, PH Luzern

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