Weiterbildung mit Profil (Teil 5 von 8): Heterogenität

Gemäss Buholzer, Joller-Graf, Kummer und Zobrist (2012, S. 6) erfordert die Heterogenität von Lernenden, verstanden als Verschiedenartigkeit bezüglich Lernvoraussetzungen und Interessen, eine „Pädagogik der Vielfalt“. Dies im Bewusstsein, dass Lernen ein individueller Prozess ist und die Teilnehmenden mit entsprechend individualisiert gestalteten Lernangeboten unterstützt werden sollen.

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Berücksichtigung und Bedeutung der Heterogenität in der Weiterbildung an der PH Luzern

Die homogene Lerngruppe gibt es nicht. Trotzdem ist oft damit die Einstellung verbunden, bei der andere Zugänge und Voraussetzungen als Störung erleben werden. Zudem wirkt sich diese Einstellung wiederum negativ auf die Erwartungshaltung der Teilnehmenden bezüglich Heterogenität aus. Die Diskrepanz ist erkannt. Im Zuge dessen gibt es immer mehr Vorstellungen darüber, wie die Gestaltung von Lehr-Lernsituation unter der Berücksichtigung von Heterogenität aussehen könnte. Dabei sind wir uns bewusst, dass Lernen ein individueller Prozess ist, der nach individualisiert gestalteten Lernangeboten/-umgebungen verlangt. Wir setzen Instrumente des binnendifferenzierten Unterrichts ein (z.B. stellen Wahlangebote bereit, erheben Bedürfnisse und Vorwissen, bilden und begleiten Lerngruppen, unterstützen kooperative Lernformen).

Integration der Heterogenität als Herausforderung

Grundsätzlich bedeuten die heterogenen Lernvoraussetzungen der Teilnehmenden eine grosse Herausforderung für die Gestaltung von Weiterbildungsveranstaltungen. Nicht zuletzt besteht die Tendenz, dass es von Seiten der Dozierenden und Kursleitenden zum Bemühen um eine Nivellierung der Leistungsunterschiede kommt, verbunden mit dem Risiko, dass die Qualität des Lehrangebots darunter leidet (Richter, 2013). Wie ist dem entgegenzuwirken? Mit einer guten Balance zwischen Struktur und Inhalt, Selbstverständnis und Eigenverantwortung bestehen Möglichkeiten, wie mit der Unterschiedlichkeit konstruktiv umgegangen werden kann.

„Good Practices“ aus dem Workshop „Heterogenität“ an der Weiterbildungstagung für Dozierende der Weiterbildung vom 28. Mai 2016

Im Rahmen der Weiterbildungstagung für Dozierende und Kursleitende der PH Luzern diskutierten die Teilnehmenden ihre Kenntnisse und Erfahrungen mit Heterogenität und formulierten Bedingungen für den Umgang mit Heterogenität als Lehrende:

  • Bereits die Kursausschreibung soll präzise formuliert sein mit der Angaben einer konkreten Zielsetzung, damit die Kursteilnehmenden erwartungsgemäss abgeholt werden können und nicht unrealistische Lernerwartungen geweckt werden.
  • Das Vorwissen bzw. die Vorerfahrung der Teilnehmenden soll im Vorfeld oder zu Beginn der Kurseinheit erhoben werden.
  • In der Weiterbildung soll die bestehende Heterogenität bzw. Homogenität angesprochen und transparent gemacht werden (Kommunikation auf der Metaebene).
  • Der soziale Austausch soll auf unterschiedliche Weise im Sinne eines gegenseitigen Lehrens und Lernens angeregt werden, indem sich zum Beispiel die Kursleitung zurücknimmt und in die gegenseitige Vernetzung investiert.
  • Im Unterricht soll ein Wahlangebot an Umsetzungen und Handlungsoptionen des „neuen“ Lerninhalts bereitgestellt werden und u. a. die unterschiedlichen Niveaustufen berücksichtig werden (Binnendifferenzierung).
  • Nicht zuletzt spielt die persönliche Haltung des Kursleitenden eine wesentliche Rolle im Umgang mit Heterogenität, bei der Unterschiede als Chance und Ressource genutzt werden.

 

Buholzer, A., Joller-Graf, K., Kummer Wyss, A. & Zobrist, B. (2012). Kompetenzprofil zum Umgang mit heterogenen Lerngruppen. Band I der Schriftenreihe „Schule und Heterogenität“. Münster/Zürich: LIT.

Richter, R. (2013). Vielfalt als Chance – Konstruktiver Umgang mit Heterogenität in Lehrveranstaltungen. Tübinger Beiträge zur Hochschuldidaktik. Band 9/2. 1-24.

 

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