Weiterbildung mit Profil (Teil 6 von 8): Innovation als Inhalt, Prozess und Wirkung von Weiterbildungen

„Innovation“ – das sechste Merkmal aus dem Produkteprofil der WB PH Luzern. Weiterbildungen sind in ihrem Wesen Innovationsräume. Ihr Kennzeichen ist das Neue. Das kann den Inhalt, den Prozess wie die Wirkung betreffen. Weiterbildende sind Innovationsexpert/innen: Sie sind selbst lernbereit, regen zu einem veränderten Denken und Handeln an, sind in ihrer Kursgestaltung oder Themenwahl innovativ, ermutigen zu Veränderungsprozessen.

Ebenen Innovation Bildungsbereich

Bild 1: Weiterbildende als zentraler Faktor der Innovation an der Schnittstelle gesellschaftlicher, organisationaler und individueller Entwicklung.

Was hat Innovation mit Lern- und Bildungsprozessen zu tun?
„Innovatio“ (lat.) bedeutet Erneuerung, Veränderung, Wandel, Neuheit. Lernen und Bildung sind Veränderungs- und Erneuerungsprozesse. Damit sind Lernräume in ihrem Wesen nichts Geringeres als „Innovationsräume“. Unabhängig davon, ob der Inhalt oder die Lernform neuartig ist. Der Prozess ist es allemal – wenn die Weiterbildung zu einem veränderten Denken und Handeln führt.

Auf der Mesoebene sind somit Bildungsorganisationen Zentren des Lernens, des Bildens, des Entwickelns und damit des Innovierens. Verstehen sich diese auch als solche? Wie weit sind Bildungsorganisationen auch „lernende Organisationen“? Gelingende Schulentwicklung ist auf das Zusammenspiel von top down- und bottom up-Innovationen angewiesen. Schulentwicklung ist unabdingbar, um mit den beschleunigten gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt halten zu können. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Lehrperson als Fachfrau, als Fachmann für Lern- und Veränderungsprozesse. Sie ist damit eine eigentliche Innovationsexpertin, Katalysatorin des Innovierens.

Ist Ihre Weiterbildung innovativ?
Wie sieht es auf der Mikrobene aus, in Ihren eigenen Weiterbildungsangeboten, Kursen, Seminaren, in Ihrem Unterricht? Verstehen Sie sich dabei selbst auch als Lernende/n? Wie innovativ sind Sie in Ihrer Kursgestaltung? Trauen Sie sich, neuartige Lernformen und Mittel einzusetzen? Wie aktuell und innovationsanregend sind Ihre Inhalte? Wie weit sind Sie bereit, effektive Lern- und Veränderungsprozesse anzustossen? Regen Ihre Weiterbildung zu einer veränderten Sicht, zu einem neuem oder erweitertem Denken und Handeln an?

Je tiefgreifender Lern- und Bildungsprozesse sind, desto komplexer, risikoreicher, konflikthafter, widerständiger und ungewisser sind sie in ihrem Ausgang. Das bedingt auf Seiten der Lehrenden wie Lernenden die Bereitschaft zu Neugier, Unsicherheitstoleranz, Offenheit, zum Mut zum Scheitern, zu Lust auf Erneuerung und Veränderung. Innovations- und Lehr-/Lernkompetenzen sind unmittelbar miteinander verknüpft.

Welche Innovationsgrade im Bildungsbereich?
Innovationen müssen nicht weltbewegend sein, um als solche zu gelten. Sie brauchen auch nicht völlig neuartig sein. Es kann sich um eine Verbesserung eines bestehenden Zustandes handeln und von den Beteiligten oder einem Teil davon als Neuerung wahrgenommen werden. Dies gilt insbesondere auch für Innovationen im Bildungsbereich. Für Ihre Teilnehmenden sind der Lernprozess als solcher und dessen Auswirkung in die Praxis die zentrale Innovation. Es mag vielleicht im Bildungsbereich selbst wenig bahnbrechende Neuerungen wie einen 3D-Drucker geben – die Lernprozesse jedoch können zu diesen führen.

Innovationen im Bildungsbereich können verschiedene Bereiche betreffen. Wesentlich ist, dass eine Neuerung ein Problem löst, einem Bedürfnis entgegenkommt, Chancen öffnet und von den Teilnehmenden als sinnvoll und nützlich betrachtet und angenommen wird.

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Bild 2: 3D-Drucker

„Good Practices“ aus dem Tagungs-Workshop „Innovation“
An der Tagung der Weiterbildungsdozierenden der WB PH Luzern vom 28. Mai verliessen die Teilnehmenden des Workshops „Innovation“ die gewohnten Kursräume. An der Seepromenade diskutierten sie den Zusammenhang von Innovation und Weiterbildung sowie ihre „best practices“.

In den Diskussionen wurde deutlich, dass sich das innovative Element in erster Linie in der eigenen Haltung zeige. Die Kursleitung stehe dem Neuen und Unerwarteten selbst offen gegenüber, sei neugierig, flexibel, sei selbst veränderungs- und lernbereit, verstehe die Kursgestaltung als sich weiter entwickelnden Forschungsgegenstand, verfüge über Unsicherheitstoleranz, habe Spass am Ausprobieren und halte aus, wenn mal was schiefgehe.

Als Erkenntnis schälte sich heraus, dass das Innovative eng mit den anderen sechs Merkmalen des Produkteprofils zusammenhänge und dass Innovationen in der Weiterbildung vielfältig zum Ausdruck kommen können. Das könne bereits bei der Infrastruktur beginnen, beispielsweise mit einer veränderten Tischordnung. Oder es werde ein alternativer Lernort gewählt. Stadt, Museen, soziale Räume, Natur u.a.m. könnten als alternative Lernorte genutzt werden. Bei den Sozialformen könne in den Gruppeneinteilungen und den Aufgabenstellungen bewusst mit der Unterschiedlichkeit der Teilnehmenden gearbeitet werden. Die Lernformen könnten so gewählt werden, dass sie einen Perspektivenwechsel ermöglichen, in Frage stellen, mit Konventionen brechen, ungewohnte Lösungswege anbieten, erlebnishaft sind, in Bewegung bringen. Bei den Inhalten könne auch Altbewährtes in einen neuen Kontext gestellt werden. Bei der Wahl der Mittel könne Vertrautes wie etwa eine Wandtafel neu genutzt werden, E-Medien könnten eingesetzt werden, wie etwa Expert/innen per Skype dazuschalten oder eine Liveschaltung in die Praxis vornehmen.

Fazit
Bewegen Sie sich als Kursleiter/in, als Dozent/in  in der „ausgehaltenen Spannung“ von Bewährtem und Neuem. Wenn Sie etwa eine neue Methode erproben, wird es von Vorteil sein, wenn Sie sich inhaltlich sicher fühlen. Oder umgekehrt.

Mein Grossvater hatte mir beim Klettern geraten, an drei Stellen mit Händen und Füssen festen Halt zu haben, damit eine Hand oder ein Fuss einen neuen Halt finden könne. Aber Bewegung brauche es, sonst würde ich in der Wand hängen bleiben. Ich wünsche Ihnen freie Hand und Spass am Weiterentwickeln Ihrer Angebote!

Literatur

  • Arnold, H. (2005). Kompetente Menschen – Voraussetzung für Innovation. Münster: Waxmann.
  • Rürup, M., Bolten, M. & Borman, I. (2013). Innovationen im Bildungswesen. Analytische Zugänge und empirische Befunde. Wiesbaden: Springer.

Donatus Berlinger, Abteilungsleiter Erwachsenenbildung

 

 

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