Integrative Förderung auf der Sekundarstufe 1

Die integrative Schule berücksichtigt Heterogenität und Diversität der Jugendlichen und nutzt individuelle und vielfältige Lernprozesse optimal. Zunehmend treten integrativ geschulte Schüler und Schülerinnen in die Sekundarstufe 1 über oder werden bereits im Zyklus 3 unterrichtet. Dazu werden auch auf der Sekundarstufe 1 vermehrt Schulische Heilpädagogen und Heilpädagoginnen direkt in den Klassen eingesetzt. Sie ermöglichen allen Lernenden eine ihren Voraussetzungen und Bedürfnissen angepasste Bildung und Partizipation.

Zur Organisation der Sekundarstufe kennt der Kanton Luzern drei Grundmodelle: Das getrennte, das kooperative oder das integrierte Modell. Je nach Modell ist die Sekundarstufe mehr oder weniger vom Versuch gekennzeichnet, durch äusseren Differenzierung verschiedene Niveaus zu bieten. Der Berufsauftrag wird in vielen Schulen der Sekundarstufe 1 nach wie vor stark leistungs- und selektionsorientiert verstanden und Individualisierung und Differenzierung oft als Widerspruch gesehen (vgl. Walt, Peter & Lienhard, 2017, S. 7). Schulische Integration bedingt aber innere Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts. Fachpersonen für Integrative Förderung (IF) reflektieren die Umsetzung der Schulischen Integration, kooperieren konstruktiv nach innen und aussen, nehmen Klassen und Jugendliche mit integrierendem Blick wahr und fördern und unterrichten adaptiv. Dies setzt spezifisches Wissen in den genannten Bereichen der Individualisierung und Differenzierung, eine hohe Kompetenz im Bereich der Förderdiagnostik, vertieftes Wissen im Bereich der Fachdidaktik und Grundkompetenzen in der Beratung und Kooperation voraus.

Seit 2013 arbeitet S. Schmid als IF-Lehrperson im Zyklus 3 und nimmt zu unseren Fragen zu ihrem Berufsalltag Stellung.

Wie erleben Sie Integration an Ihrer Schule?

Der Umgang mit Integration ist unterschiedlich. Schülerinnen und Schüler lernen zum Beispiel am gleichen Thema, jedoch auf ihrem Leistungsniveau. Die Jugendlichen werden als Individuen mit ihren Stärken und Schwächen wahrgenommen. Manchmal fällt die ressourcenorientierte Haltung einfacher und manchmal ist sie eine Herausforderung. Auch Unsicherheiten und kritische Haltungen gegenüber der Integration sind vorhanden und die frühere Separation wurde auch schon zurückgewünscht. Doch genau diese Diskrepanz regt zu spannenden Diskussionen und persönlichen Reflexionen an.

Was ist für Sie gelingende Integration?

Strahlende und zufriedene Gesichter von Seiten der Kinder, Eltern und Lehrpersonen, welche positiv in die Zukunft schauen und eine Motivation für ihr Handeln aufbringen. Dabei soll der Leistungs- und Sozialintegration Rechnung getragen werden.

Eine positive Grundhaltung aller Beteiligten gegenüber der Integration ist für ein Gelingen zentral. Ist diese nicht vorhanden, dann wird es schwierig.

Wo und wann werden Sie in Ihrer Schule als IF-Lehrperson eingesetzt und was sind dabei Ihre Hauptaufgaben?

Meine Hauptaufgaben sehe ich darin, dass die Schülerinnen und Schüler in ihren Stärken gestärkt werden und Lernerfolge erleben dürfen. Dies steigert ihre Lernmotivation und ihr Selbstvertrauen. Dabei liegt mein Fokus bei den Schülerinnen und Schülern mit Lern- oder Verhaltensschwierigkeiten. Dazu kommt, dass ich mit den Lehrpersonen Gespräche führe, wie eine Integration gelingen kann, sie in ihrer Tätigkeit ermutige und wir gemeinsam versuchen den Unterricht so zu gestalten, dass er für alle gewinnbringend ist. Zudem achte ich darauf, dass systemisch und interdisziplinär gearbeitet wird.

Was fordert Sie im Schulalltag in Ihrer Rolle als IF-Lehrperson am meisten heraus? Wann und warum sind spezifische Fachkompetenzen gefragt?

Unterschiedliche Haltungen führen zu Diskussionen und manchmal auch zu Frust. Nicht nur bei den Schülerinnen und Schüler hartnäckig zu sein, sondern auch bei den Arbeitskolleginnen und -kollegen, fordert mich manchmal mehr und manchmal weniger heraus. Die Fachkompetenz im Bereich der Beratung gibt mir die gewisse Gelassenheit und Professionalität. Nachhaltige Veränderungen brauchen Zeit. Das Begleiten von Jugendlichen, wie auch von Erwachsenen zeigt dies immer wieder. Gemeinsam im Austausch bleiben ist wichtig.

Die PH Luzern bietet mit dem «CAS Integrative Förderung Fokus Sekundarstufe I» einen Weiterbildungsstudiengang an, der die spezifischen Voraussetzungen der Sekundarstufe aufnimmt, wissenschaftliche Theorie und Praxisrealitäten vereint und bei den individuellen Voraussetzungen der Teilnehmenden ansetzt.

Literatur

Walt, M., Peter, O. & Lienhard, P. (2017). Wege zur integrativen Förderung in der Sekundarschule. Orientierungs- und Entscheidungshilfen für den Entwicklungsprozess. Verfügbar unter: https://www.hfh.ch/fileadmin/files/documents/Dokumente_Expertenwissenonline/Integrative_Foerderung_in_der_Sekundarschule/handreichung_sek_I_final_170427_nb.pdf

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