Lehrergesundheit fördern – Schulen stärken – Gesundheitsmanagement als Führungsaufgabe

Die Gesundheit der Lehrpersonen ist eine grosse Herausforderung für Schulleitungen. Dafür stehen professionelle Instrumente zur Verfügung, welche Massnahmen gestützt auf schulspezifische Daten ermöglichen. Das Zentrum Gesundheitsförderung unterstützt Schulleitungen dabei eine gesundheitsfördernde Schule zu führen.

Kürzlich hat mir ein Schulleiter erzählt, dass zwei Wochen vor Schulbeginn zwei Lehrpersonen aufgrund eines „Burn-Outs“ ausgefallen sind und er jetzt ziemlich gefordert sei, gute Lösungen zu finden. Der Schulleiter muss sich nicht nur um kurzfristige Stellvertretungen kümmern, er muss auch die Reintegration der zwei geschätzten Lehrpersonen vorbereiten. Viele Lehrpersonen wissen aus ihrem Berufsalltag, dass gesundheitsbedingte Ausfälle viel Energie und Ressourcen absorbieren; bei der Schulleitung und im Lehrkollegium. Die Betroffenen haben oft auch nach der Wiederaufnahme ihrer Lehrtätigkeiten grosse Schwierigkeiten wieder ganz einsteigen zu können. Gesunde Mitarbeitende sind an Schulen die wichtigste Ressource. Sie sind ein Schlüssel und eine Voraussetzung für qualitativ guten Unterricht. Gute Schulen sind letztlich nur mit gesunden Lehrpersonen möglich.

Für Schulleitungen ist die Förderung der Lehrpersonengesundheit im Rahmen der Personalführung aber oft eine Herausforderung.

Lehrpersonengesundheit – eine Herausforderung

Die aktuellsten Zahlen zur Gesundheit von Schweizer Lehrpersonen (vgl. Kunz und Krause, 2014) bestätigen, was viele Lehrpersonen im Alltag erleben: Der Lehrberuf ist anspruchsvoll und die Belastungen sind oft so gross, dass Lehrpersonen krank werden und ausbrennen können. Diese allgemeinen Daten belegen zwar die Dringlichkeit des Themas, helfen der einzelnen Schule nur beschränkt weiter. Die Stufe, die Zusammensetzung der Schülerschaft und des Lehrerteams, die Rahmenbedingungen der Gemeinde, die Schul- und Unterrichtsprojekte in der Schule und viele weitere Faktoren wirken auf die Belastung der Lehrpersonen und verdeutlichen, dass die Förderung der Lehrpersonengesundheit eine zentrale Aufgabe der Schulleitung sein muss. Erst mit einer wirkungsvollen Personalförderung, die auf die schulspezifische Situation angepasst ist, kann auf die Lehrpersonengesundheit Einfluss genommen werden.

Massnahmen auf die Schule abstimmen – datengestützt

Es gibt eine Reihe von erprobten Instrumenten, welche Schulen dabei unterstützen, betriebliche Gesundheitsförderung auf aktuelle Daten der Schule gestützt, systematisch umzusetzen. Diese Instrumente geben einerseits der einzelnen Lehrperson Hinweise auf persönliche Arbeits- und Erlebensmuster und entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten. Andererseits werden teambezogene Ressourcen und Belastungen sichtbar, die Ausgangspunkt für gezielte Massnahmen auf Ebene Schule sind. Ein bewährtes Tool ist zum Beispiel IEGL (Inventar zur Erfassung von Gesundheitsressourcen im Lehrerberuf) nach Schaarschmidt und Fischer (2013). Das gibt der Schulleitung und der Schule die Möglichkeit, dort anzusetzen, wo Handlungsbedarf besteht. Gleichzeitig sind die Daten ein guter Ausgangspunkt, um gemeinsam mit den Lehrpersonen über Wahrnehmungen zu Wohlbefinden, Belastungen und Schulklima ins Gespräch zu kommen. So lassen sich in der Befragung sichtbar gewordene Schwierigkeiten im Gespräch konkretisieren und Bedürfnisse und Lösungsvorschläge der Mitarbeitenden in den Prozess miteinbeziehen.

Beratung und Unterstützung für Schulleitungen

Schulleitungen können sich in dem Prozesse der Gesundheitserhaltung und –förderung durch erfahrene Fachpersonen begleiten und unterstützen zu lassen. Das Zentrum Gesundheitsförderung der PH Luzern berät Schulleitungen in der Anwendung verschiedener Instrumente und bei der Implementierung von Massnahmen.

Die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeitenden hängen nicht vom Zufall ab. Sie können als Schulleiterin und Schulleiter einen wesentlichen Beitrag dazu leisten.

Titus Bürgisser

Leiter Zentrum Gesundheitsförderung der PH Luzern

www.zgf.phlu.ch

Kunz, Doris; Krause, Andreas (2014). Ressourcen und Belastungen von Schweizer Lehrpersonen. Nationalfonds-Studie

Ein Kommentar zu “Lehrergesundheit fördern – Schulen stärken – Gesundheitsmanagement als Führungsaufgabe

  1. Der Blogeintrag zur Lehrergesundheitsförderung hat uns dazu inspiriert die Motivationstheorie von Deci & Ryan im Bezug zur Gesundheitsförderung zu setzen. Dazu folgende Gedanken:
    Einige Motivationstheorien gehen davon aus, dass der Mensch genügend psychische Energie hat, um seine Ziele zu erreichen. Die Selbstbestimmungstheorie basiert auf allen drei Ebenen: physiologische und psychologische Bedürfnisse und Emotionen. Diese drei Energiequellen sind die Grundlagen nicht nur für Alltagsaktivitäten sondern auch für die Triebe und Emotionen die der Mensch besitzt. Sie gehen davon aus, dass sich der Mensch in einem sozialen Umfeld verbunden fühlt und somit die Möglichkeit hat, autonom und effektiv zu agieren. Intrinsische motivierte Verhaltensweisen zeigen das Bedürfnis nach Kompetenz und Selbstbestimmung auf. Deci & Ryan gehen ebenfalls davon aus, dass die Entwicklung einer Person, bestimmt wird durch die sozialen Umweltfaktoren und die Befriedigung nach Autonomie und sozialer Eingebundenheit. Dies ermöglicht das Auftreten von intrinsischer Motivation und das Akzeptieren externen Motivationseinfluss massgebend. Extrinsisch motivierte Handlungen sind an alle drei psychologischen Bedürfnisse gekoppelt. Wird die Autonomie eines Individuums unterstützt und es besteht die Möglichkeit nach Kompetenzentwicklung, fördert dies die intrinsische Motivation. Von aussen kommende kontrollierende Massnahmen, die das Individuum als Druck empfindet, minimieren die intrinsische Motivation.

    Experimente zeigten auf, das Belohnungen, Androhung einer Strafe und aufgezwungene Ziele als kontrollierend erlebt wurden und dadurch die intrinsische Motivation zerstört wurden. Um die intrinsische Motivation zu aktivieren, muss diese für das Individuum ein ansprechendes Anforderungsniveau besitzen. Dies bedeutet, dass die bevorstehende Aufgabe nicht zu leicht noch als zu schwer empfunden wird. Die Rückmeldung eines autonomiefördernden positiven Feedbacks stärkt die Kompetenz und die intrinsische Motivation.
    Daraus folgend kann man sagen, dass die persönliche Gesundheitsförderung der Lehrpersonen besser gesichert ist, solange die Motivation intrinsisch gesteuert ist. Je mehr sich Lehrperson durch den Arbeitsgeber kontrolliert fühlen, wird diese Motivation zerstört und die Gefahr einer Gesundheitsgefährdung steigt.

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