ALLEIDIHEI

Das Theater Sgaramusch Schaffhausen zeigt in Koproduktion mit dem Schlachthaus Theater Bern ein neues Stück. Heute findet die erste Vorstellung vor Schulklassen statt. Auf direktem Weg marschiere ich vom Bahnhof Bern durch die Neuengasse, quer über den Waisenhausplatz in die Zeughausgasse und dann zur Rathausgasse 20. Es ist 9.45 Uhr. Es ist noch niemand da. Die Türen des Schlachthaus Theaters sind noch verschlossen. Allein und etwas irritiert, stehe ich da. Das passt zum Titel, schiesst es mir durch den Kopf. Oder habe ich mich im Datum vertan. Nein: Heute ist der 14. September. Um 10.00 Uhr sollte es losgehen.

Die Sache klärte sich schnell. Es wird im kleinen Raum gespielt. Dieser befindet sich im UG. Der Techniker öffnet schon mal die Holzklappe, welche die steile Kellertreppe freigibt. Bald schon trifft das Publikum ein. Es ist eine 3. Klasse und eine Gruppe einer Heilpädagogischen Schule. Im Kellergewölbe hat es Platz für etwa 40 Leute. Wir blicken in einen Wohnraum. Links fällt ein Kühlschrank ins Auge. Wir sind irgendwie in der Stube aber auch in der Küche. Es ist auf jeden Fall heimelig. Wir sind bei Mary zuhause.

Schnell begreifen wir, dass Mary zum ersten Mal alleine zu Hause ist. Sie freut sich riesig. Ihre Freundin dürfte das nie. Die darf nicht mal allein zur Schule. Und dann klingelt es. Soll Mary aufmachen?

50 spannende Minuten kann sich das junge Publikum mit der Welt von Mary auseinandersetzen. Was ist Wirklichkeit und was sind Angst- und Wunschprodukte aus der Phantasiewelt von Mary. Kommt da tatsächlich ein Wolf und frisst den ganzen Kühlschrank leer? Ist der fröhliche Handwerker, der zwischen 17.00 und 21.00 Uhr etwas flicken muss tatsächlich im Haus? Und ist die Nachbarin, die penetrant nach Parfüm riecht und ganz gehörig nerven kann tatsächlich vorbeigekommen oder ist dieser Besuch womöglich bloss ein Hirngespinnst von Mary, welches ihr Sicherheit gibt?

Nora Vonder Mühll spielt auf virtuose Weise nicht nur die Rolle der sympathischen Mary, sondern auch sämtliche Figuren, die im Haus auftreten. Ihre Lust an der Verwandlung und das Spiel mit Stimme und verschiedenen Dialekten wirken ansteckend.

Da im Stück auch viele Erziehungsfragen thematisiert werden, wären Vorstellungen mit gemischtem Publikum (Schulklassen und Eltern) sehr spannend. Das ideale Alter für Schulvorstellungen liegt bei der 3./4. Primar. Das Theater Sgaramusch stellt für Schulklassen anregendes Begleitmaterial zur Vor- und Nachbereitung zur Verfügung.

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