Bruno im Glück

 

von und mit Jörg Bohn

 

Am Zukunftstag sitze ich mit zwei 5. Klässlerinnen und einem Mädchen aus der 6. Klasse gespannt im Thik Baden. Der Raum ist gefüllt mit Kindern aus den 1. Klassen des Städtchens.

Bruno erzählt von seinem Glück, als Kind so viel Zeit bei und mit seinen Grosseltern verbracht zu haben. Er nimmt uns mit auf den Estrich, wo viel Wunderbares passiert – manchmal gar etwas gruselig, so dass die kleinen Kinder lustvoll schreien. Auch „meinen“ drei Grossen macht das Zuschauen sichtlich Spass. Als Höhepunkte beschreiben sie die vielen, schon fast magischen, mit Licht erzeugten Bilder. So huschten Tiere durch den Estrich und sogar ein Mädchen schlich sich in das Versteck und die Herzen von Bruno und seinem Publikum.

Nach einer knappen Stunde Sehvergnügen verliessen wir glücklich das Theater und sinnierten auf der Heimreise, was nun wohl genau Brunos Glück war und unser eigenes ist.

 

Ping Pong

Mit einer Kinderjury, die diesmal aus drei Jungs im Alter von 10 bis 14 Jahren bestand, durften wir in Reinach an die Premiere des neuen Stückes vom Theater salto&mortale. Die Geschichte erzählt von Jex, der als Flüchtling in eine Schweizer Schule kommt, Freunde findet, sich integriert und wieder in sein Heimatland zurück geschafft wird. Mit viel Witz, Humor, Sorgfalt, und Präzision werden die Begegnungen zwischen dem Fremden und dem Bekannten gezeigt. So darf das Publikum nicht nur erleben, wie es Jex auf Besuch bei der Schweizer Familie ergeht, sondern auch wie sein Schweizer Freund in der ausländischen Familie das eine und andere Fettnäpfchen betritt.

Eindrücklich, wie es dem Spiel gelang, nicht wertend und trotzdem emotional die verschiedenen Wünsche und Bedürfnisse der Figuren zu portieren! Das reduzierte und doch verspielte Bühnenbild unterstützte dies und zählte einer der Jury-Jungs danach auch als Highlight auf. So blieben die drei Jungs auf inhaltlicher wie auch visueller Ebene bis zum Ende fasziniert und aufmerksam.

Beeindruckt vom Gesehenen schilderten sie auf der Rückreise ihre Interpretationen des Stücks genauso, wie ihre realen Erlebnisse mit Klassenkameraden.

 

Die zweite Prinzessin

Theater Katerland 

Im Kleintheater sassen an diesem Sonntag ganz viele kleine Kinder mit ihren Eltern. Das Stück für ein Publikum ab 4 Jahren fesselte schon vor dem eigentlichen Start. Auf der Bühne standen Geschenke in allen Grössen und liessen erahnen, dass die eine oder andere Schachtel auch als Versteck geeignet wäre ..! 

Die Geschichte ist so einfach oder genauso kompliziert wie es eben ist, wenn man kein Einzelkind ist. So lernen wir eine Prinzessin kennen, die gerne mal die Grosse, die Erste, die Einzige wäre. Und wir lernen einen Butler kennen, der ein grosses Herz hat und für den die kleine Prinzessin durchaus auch die Einzige, die Erste und eine Grosse ist.

Die wilden Phantasien der zweiten Prinzessin – wie sie die zu den Vorteilen der ersten kommen könnte – werden liebevoll, lustvoll und so schön unmoralisch ausprobiert.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht und im Herzen verliess ich das Theater und freute mich, dass ich einen grossen Bruder und eine kleine Schwester habe; mit all seinen Vor- und Nachteilen!

 

Grosser Bruder

Einzig eine grosse Grünabfall-Mülltonne steht auf der ansonsten leeren Bühne. Wohlgekleidet treten eine Frau und ein Mann dazu. Anfänglich ist ihre Beziehung zueinander unklar. Nach und nach erfährt das Publikum, dass sie wohl Geschwister sind. Episoden aus der Kleinkindzeit, Einblicke in die Schul- bis Jugendzeit lassen die ambivalente Geschwisterliebe immer wieder in neuen Facetten erahnen. Rivalität, Hass und Liebe, Sehnsüchte, Ängste und Bedürfnisse der Geschwister werden in eindrücklichen Bildern, viel physischem aufeinander Treffen und miteinander ringen, sicht- und spürbar. Mit wenig Text und toller Bildsprache wurde mir klar, was diese Geschwister eint und was sie trennt. Berührt und über meine eigenen Geschwisterbeziehungen nachdenkend verliess ich nach einer Stunde die Tuchlaube.