Neue Mama gesucht

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(von Pia Anderhub) Am letzten Sonntagmorgen, 21. September, verzichtete ich auf meinen geliebten ausgedehnten Sonntagsbrunch, fuhr nach Winterthur, um im Theater am Gleis das neuste Stück vom Theater Katerland anzuschauen.

Die Vorstellung «Neue Mama gesucht» von Katharina Schrami und Karin Verdorfer (Schweizer Erstaufführung) um 11.00 Uhr war total ausverkauft. Im kleinen Saal des Theaters sassen die Erwachsenen zusammengepfercht auf Bänken, die vielen Kinder (4 bis ca. 9-jährige) machten sich auf Kissen am Boden bequem. Es herrschte eine schöne, erwartungsvolle Stimmung unter dieser «sonntäglichen Theaterfamilie».Und wir alle wurden nicht enttäuscht. Im Gegenteil – auf eine überraschende Art und Weise wurde uns eine wunderbare Geschichte erzählt.

Das Stück beginnt mit der kleinen Sophie (4-jährig), die sich mit der Mama streitet. Mama spielt nicht mit ihr. Sie darf ihre teuren roten Schuhe nicht tragen. Nicht so viel Eis essen, wie sie will. Und dann soll sie auch noch in die Krippe, obwohl sie überhaupt keine Lust dazu hat. Sie entscheidet: Eine neue Mama muss her!

Sophie geht auf die Suche nach einer neuen Mama, begleitet von ihrer alten Mama. Im Supermarkt wird sie nicht verstanden. Der Friseur bietet ihr an, ihre alte Mama in eine neue umzuwandeln. In der Autowerkstatt klappt es auch nicht. Der Garagist übergibt ihr eine Schraubenmutter. Herr Brühwiler im Brockenhaus hat dann eine Lösung. Sophie kann ihre Mama eintauschen gegen eine Mama aus dem Lager. Doch diese Mama enttäuscht. Sie erdrückt Sophie fast bei der Umarmung, küsst sie dauernd ab, lässt sie so viel Eis essen, dass es Sophie schlecht wird … Rasch sehnt sich das kleine Mädchen wieder nach ihrer alten Mama, geht zurück ins Brockenhaus und ist glücklich, dass Herr Brühwiler diese noch nicht weitergegeben hat. Die eigene Mama, die ab und zu nein sagt, ist halt doch die beste und liebste!

«Neue Mama gesucht» ist keine pädagogische Lehrstunde, sondern spielt lustvoll mit den Rollenverhalten von Kindern und Erwachsenen, wo Kinder mal das Erwachsensein ausprobieren und Erwachsene sich wieder an das Kindsein erinnern können. Es zeigt auch, dass man sich streiten kann und dennoch sehr gern haben kann.

Wie das Theater Katerland diese Geschichte umsetzt ist einfach fantastisch. Mit animierten Bildern als Hintergrund wird über eine Projektion ein bewegtes Bühnenbild in Form eines übergrossen Bilderbuches geschaffen, aus dem die Spieler ein- und aussteigen können. Die Verschränkung von Trickfilm und Theater ist total gelungen. Geeignet für KG – 2. PS

Ich habe an diesem Morgen meinem entgangenen Brunch nicht eine Sekunde nachgetrauert.

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