BLUTSSCHWESTERN

Blutsschwestern / Wild Wendy

Eine neue CH-Theatertruppe erscheint auf dem Radar. Wild Wendy zeigt im GZ Buchegg ihre erste Produktion. Wenn ich den Titel Blutsschwestern lese, kommt mir die bekannte Blutsbruderschaft zwischen Winnetou und Old Shatterhand in den Sinn. Ich bin gespannt, was sich hinter diesem musikalischen Patchworkfamilien-Western verbirgt.

Auf der leeren Bühne steht ein Stockbett. Im Zuschauerraum warten Schülerinnen und Schüler der 5./6. Primarschule auf den Beginn der Vorstellung.

Zuerst begegnen wir der Bewohnerin des sehr persönlich eingerichteten Hochbettes. Sie ist Indianer-Fan und heisst Valerie. Sie freut sich überhaupt nicht, dass sie ihr Zimmer schon bald mit einem andern Mädchen teilen muss. Maxi heisst die unwillkommene ‚Schwester‘. Sie ist die Tochter der neuen Freundin ihres Vaters. Die Mutter von Valerie hat die Familie verlassen. Maxi hingegen freut sich auf das gemeinsame Kinderzimmer. Sie ist Cowboy-Fan.

Aus dieser Grundkonstellation entwickelt sich eine berührende Beziehungs-Geschichte. Wir erleben wie sich Maxi unverkrampft und fröhlich in die neue Familiensituation einzubringen versucht. Mit rassigen Western-Liedern, begleitet auf dem Banjo ihres verstorbenen Vaters, macht sie gehörig Stimmung. Das kommt bei Valerie überhaupt nicht an. Als Indianer-Fan sind ihr diese Klänge höchst unsympathisch. Sie gräbt das Kriegsbeil aus. Das Hochbett wird zum Zankapfel und wird schliesslich mit Gewalt auseinander gerissen. Valerie ist so gemein zu Maxi, dass sich diese entschliesst davonzulaufen.

Wie es schliesslich zur Versöhnung und zu einer Blutsschwesternschaft ganz im Stil von Winnetou und Old Shatterhand kommt, ist sehr emotional gespielt und fürs Publikum hautnah erlebbar. Die Entwicklungen der beiden Mädchenfiguren werden von den zwei Schauspielerinnnen überzeugend dargestellt. Das Publikum verfolgt bis am Schluss gespannt, wie die beiden Mädchen jeweils Schritt für Schritt ihre Entscheidungen fällen. bleibt viel Raum und Zeit für eigene persönliche Gedanken und Bilder.

Das Stück funktioniert wunderbar für 5./6. PS-Kinder. Für die 3./4. PS passt das Stück ebenfalls, muss aber – wie mir eine der Spielerinnen berichtet hat – etwas anders gespielt werden. Das heisst: Wenn immer möglich sollte das Publikum altersmässig aufgeteilt werden.

Ich bin gespannt auf weitere Produktionen von Wild Wendy.

 

 

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