Das hässliche Entlein

Heute am 20. März hat der Frühling mit einem Naturspektakel der besonderen Art begonnen: Eine partielle Sonnenfinsternis konnte beobachtet werden. Passend dazu gibt es am Abend in Baden im ThiK (Theater im Kornhaus) eine Frühlingsgeschichte und eine doppelte Première: Erstmals spielen Thomy Truttmann und Alexandra Frosio zusammen im selben Stück und erstmals wird der Öffentlichkeit das neueste Werk des Autors und Regisseurs Adrian Meyer präsentiert. Inspiriert vom bekannten Andersen-Märchen entfaltet sich die Geschichte vom hässlichen, verstossenen Entlein, welches sich am Schluss des Stücks als Schwan in die Lüfte schwingt.

Auf der leeren Bühne steht eine Bockleiter. Zahlreiche Einkaufstaschen in unterschiedlichen Grössen hängen und stehen bereit. Am Boden liegt eine grosse weisse Schwanenfeder.

 

Die beiden Künstler betreten den Zuschauerraum und begrüssen die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer und vergewissern sich, ob es auch allen bequem und wohl ist. Der Schauspieler beklagt sich, dass da noch eine Feder am Boden liegt, die nicht hierher gehört und befürchtet, dass während der Vorstellung eine Lampe kaputt gehen könnte. Die Schauspielerin beschwichtigt ihn und ist überzeugt, dass alles gut gehen wird.

 

Das Licht wechselt und flugs hat sich Thomy Truttmann in einen Raben verwandelt, der alles schwarz sieht und zum Voraus weiss, wie es herauskommen wird. Dieser Rabe begleitet uns durch das ganze Stück.

Alexandra Frosio kümmert sich indessen als Entenmutter ums Eierlegen und Ausbrüten. Das Nest ist selbstverständlich eine grosse Tasche. Der ungeduldige Onkel, der Erpel Erich schaut immer wieder vorbei und bildet einen schönen Kontrast zur ausdauernden und geduldigen Entenmutter. Im Verlaufe der Geschichte verwandeln sich die beiden Schauspieler in die verschiedensten Tiere. Es ist eine Freude zu erleben, wie die beiden mit minimalen Veränderungen am Kostüm und mit einfachen Requisiten die verschiedenen Charaktere der Tiere verkörpern. Von schöner Musik begleitet, gelingt es den beiden die Phantasie der Zuschauer anzuregen.

Zwei tolle poetische Momente sind mir besonders haften geblieben. Aus einer der Taschen wird eine feine weisse Plastikfolie gezogen und allmählich auf der Bühne ausgebreitet. Dazu hört man den Wetterbericht, der eine sinkender Nebelgrenze und die Gefahr von Eisglätte ankündet. Der Winter ist gekommen und das hässliche Entlein gefriert fest. Ein zweiter Moment ist die Ankunft des Frühlings. In der eingespielten Musik erkennt man Fragmente aus dem Lied «Alli mini Äntli». Die Melodie wird vom Raben aufgenommen, er singt «jungi Schwän und Äntli». Die Entenmutter stimmt ein, behauptet aber, dass es «alli mini Äntli» heisst. Der Rabe setzt sich mit seiner Version durch. Die Stimmung wird immer frühlingshafter das vermeintlich hässliche Entlein mausert sich und wird ein wunderschöner weisser Schwan. Zurück bleibt eine weisse Feder auf der Bühne.

 

Mit diesem Stück schenken Alexandra Frosio und Thomy Truttmann dem jungen Publikum ab 5 Jahren 50 wunderschöne Minuten.

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