Die No 1 – En Fän isch en Fän isch en Fän

Heute geht es ins Fabriktheater nach Zürich Wollishofen. Die Theatertruppe «GMBH – Produktion» hat zu einer Spielshow eingeladen, an welcher das Publikum aktiv mit dabei ist und wo das Phänomen des Fan-Seins und des Fanens auf die Probe gestellt werden soll. Ich bin an diesem 24. Juli etwas zu früh auf dem Gelände der roten Fabrik und geniesse auf einer Parkbank am Zürichseeufer den knusprigen Morgen.

Bereits beim Einlass in den Saal wird klar, dass man als Publikum auch gleichzeitig eine Rolle zu spielen hat. Alle bekommen entweder eine blaue oder orange Abstimmungskarte. Entsprechend der Farbe nimmt man auf der blauen oder orangen Fan-Tribüne Platz. Die beiden Fangruppen, je ca. 50 Personen, sitzen einander gegenüber. Dazwischen befindet sich die Spielfläche. Ich kann meine Abstimmungskarte als überzähliger Orange-Fan wieder abgeben und darf ‚unabhängiger‘ Beobachter sein. Alle diese Vorbereitungen vermitteln mir das Gefühl, dass Wert darauf gelegt wird, ein genaues und gerechtes Setting einzurichten.

Dann geht es los. Wir lernen den Erfinder der Spielshow kennen. Die Moderatorin bringt Stimmung in die Bude und lässt die Zuschauer und Zuschauerinnen Teil der Show werden. Unterstützt wird sie durch einen Musiker, der auch als Schiedsrichter und Spielleiter fungiert. Dann erscheinen die beiden Finalisten der Spielshow ‚Die No 1‘. Es ist eine Dame, die etwas unter Stress steht, weil ihr die ganze Tasche mit all ihren Sachen abhandengekommen ist. Sie muss improvisieren und hoffen, dass dieser Nachteil nicht bereits die Niederlage bedeutet. Als Gegner hat sie einen ehrgeizigen jungen Mann, der sich optimal vorbereitet hat. Spätestens jetzt weiss man, für wen man Fan zu sein hat.

In der Folge treten die beiden in gut nachvollziehbaren Wettkämpfen gegeneinander an. Es geht auf witzige Weise um Geschicklichkeit, Glück und Geschwindigkeit. Immer wieder kommt es zu umstrittene Situationen, die es schwierig machen, die Punkte gerecht zu verteilen oder Strafpunkte zu akzeptieren. Als Fan bekommt man die Möglichkeit, Einfluss darauf zu nehmen. Es ist sehr spannend zu erleben, wie man auch mal zu Ungunsten seines eigenen Finalisten entscheiden möchte, wie man mit Ungerechtigkeit klar kommt, was Verzeihen bedeuten könnte, wie sich Schadenfreude anfühlt. Das Publikum ist die ganze Zeit ins Geschehen mit einbezogen und muss immer wieder Entscheidungen fällen, die von Emotionalität und Gruppendynamiken beeinflusst sind. Die 60 Minuten dauernde Show ist im Flug vorbei. Ob die Schülerinnen und Schüler auch gemerkt haben, wie sie bewusst manipuliert wurden, wäre noch zu klären. Was ist Wirklichkeit? Was ist Spiel?

Auf der Bühne agieren in schönem Zusammenspiel und lustvollem Kontakt zum jungen Publikum Denise Wintsch, Peter Hottinger und Andi Peter.

Es wird Mundart und Hochdeutsch gesprochen. Empfohlen für Schulklassen der 3. – 6. Primar.

 

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