NOX – WOLFSNÄCHTE

NOX – WOLFSNÄCHTE

Sternensaal Wohlen. Saisoneröffnung. Schulpremière des neuesten luki-ju Stückes mit Thomy Truttmann. Das ist eine vielversprechende Affiche. Und ich darf dabei sein. Es ist Freitag, 16. September. Der Sternensaal füllt sich mit Schulklassen. Auf der Bühne sind dunkel bemalte Stellwände so aufgestellt, dass der Eindruck eines Labyrinths entsteht. Geheimnisvolle Durchgänge und Durchblicke sind zu sehen. Dann ist nur noch ein Harass, vermutlich war da mal eine grosse Mostflasche drin, auf der Bühne.

«Mich kännt fascht niemmer. Wenn ihr i d Schuel gönd, legg ich mis Pyjama a.» Mit solchen Sätzen wird nach und nach klar, dass wir einen Nachtwächter der Securitas vor uns haben. Wenn dann die Profi-Taschenlampe ins Spiel kommt, taucht man vollends  in die Welt von Nachtwächter Lorenz ein.  Diese geheimnis- und spannungsvolle Welt von Licht- und Schattenstimmungen, welche die Fantasie des Publikums anregt, ist wie geschaffen für unverhoffte Ereignisse. So sind wir hautnah dabei  wenn Lorenz ein verletztes Tier entdeckt und bekommen mit, wie er herausfindet, dass es sich dabei um einen jungen Wolf handelt, der sich in die Stadt verirrt hat.

Lorenz muss im Verlauf der Geschichte über viele Schatten springen: Er überwindet seine Angst vor Hunden. Er stellt sich seiner Angst vor dem Unbekannten, Fremden und Wilden. Er entscheidet sich, den Wolf zu verstecken, um ihn vor dem sicheren Abschuss zu bewahren. Er zeigt  Zivilcourage und hat den Mut seinem Herzen zu folgen.

Auf seinem Rundgang kommt Lorenz an der Unterkunft von Asylbewerbern vorbei. Einmal kommt es zu einer Begegnung und einem kurzen, lustigen Gespräch in holprigem Englisch.  Die Parallelität der beiden sehr präsenten und aktuellen Geschehnisse: Menschen sind auf der Flucht und Wölfe tauchen in der Schweiz auf,  wird nicht weiter thematisiert, gibt aber schöne Denkanstösse.

Nicht bloss der Nachtwächter richtet sich als Erzähler an das Publikum, auch der Wolf – ebenfalls von Thomy Truttmann gespielt – taucht mehrmals überraschend auf und erzählt aus seinem Leben. So gelingt es immer wieder, die unterschiedlichen Sichtweisen, welche hinter einer Tatsache stecken, deutlich zu machen.

Thomy brilliert mit grosser Präsenz und Präzision. Durch sein plastisches Spiel öffnen sich immer wieder neue Räume, welche die Fantasie der Zuschauer anregen. Die Einbildung wird Realität. Eine eindrückliche Lehrstunde, wie Theater funktioniert. Vieles läuft über die Sprache. Der Einsatz von Licht und Musik und einige überraschende optische Momente vermögen das junge Publikum zu fesseln.

Für NOX (lateinisch ‚Nacht‘) gibt es ein glückliches Ende. Wie es der Nachtwächter Lorenz schafft, dem jungen Wolf zur Flucht in die Freiheit zu verhelfen, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Das Stück eignet sich für alle ab 8 Jahren – also auch für Erwachsene.

Label Statement Kinder- und Jugendjury

„Ich kann mir die Erzählung sehr gut vorstellen. Ich habe im Nachhinein das Gefühl, einen Film gesehen zu haben, obwohl nur ein Spieler spielte und sich das Bühnenbild nicht veränderte.“

„Die Wechsel zwischen Alltag, Traum und der Stimme des Wolfes wurden durch die Technik (Licht und Ton) super unterstützt.“

„Die verschiedenen `Rollen` (Nachbarin, Wolf, Asylbewerber, …) wurden sehr deutlich gespielt“.

„Das Theaterstück regt zum Nachdenken an. Ich konnte Parallelen zwischen geflüchteten Menschen und dem Wolf erkennen.“

„Ich war beeindruckt vom abwechslungsreichen Erzählstil des Schauspielers.“

„Vielleicht machen die Wolfszenen den 8 Jährigen Angst. Wir würden es ab der 5. Klasse empfehlen.“

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