Masken- und Objektspiel – Theaterspiel online

Dass das Maskentragen im theatralen Verständnis noch ganz andere Bedeutungen und (Aus-)Wirkungen haben kann, damit beschäftigen sich Studierende der PH Luzern während der Spezialisierungswoche Theaterpädagogik.

Im verspielten Erproben von Masken- und Objekten setzen sie sich unter der Leitung von Dieter Ockenfels – individuell suchend – praktisch erprobend und reflektierend – online geleitet – mit ästhetischen Gestaltungsmitteln auseinander. Neue (digitale) Unterrichtsformen eröffneten den Studierenden das Erproben und Entwickeln von bewegungsorientierten und ganzheitlichen Spiel- und Darstellungsmöglichkeiten mit neuen kreativen theatralen Gestaltungsformen. Künstlerische und dramaturgische Prinzipen (wie beispielsweise chorische und choreografische Elemente, Rhythmus, Geräusche usw.) konnten in konkreten Spielanlässen auch im kleinen, eigenen Erarbeiten angewendet werden.

Und – abschliessend lässt sich nicht ganz verheimlichen, dass animatorische und theaterpädagogische Prinzipien in Bezug auf wechselwirkende, emotionale und körperbezogene Ausdrucksformen im Kontext zweidimensionaler Präsentationsformen die Vorfreude erheblich verstärken, Theater – als soziale Kunstform – bald wieder analog erfahren und erleben zu können.

Theaterpädagogik – erfahren, gestalten, spielen

Im Rahmen des war Wahl-Moduls „Theaterpädagogik – erfahren, gestalten, spielen“ gingen zwei Studierendengruppen des Studiengangs für Schulische Heilpädagogik der PH Luzern während je zwei Tagen auf Expedition. Auf der digital-ästhetischen Forschungsreise setzen sich die Teilnehmenden in ihren individuell vorbereiteten Gestaltungsräumen im privaten Umfeld via online-Unterricht „bildschirmübergreifend-spielend“ mit dem Vermittlungsformat „Ästhetische Expedition“ auseinander.

Im Zentrum stand die Auseinandersetzung mit ästhetischer Bildung durch theaterpädagogisches und kunstspartenübergreifendes Arbeiten. Dabei wurde, gemeinsam «expeditionierend», szenisches Spiel und die spielerische Auseinandersetzung mit sich, mit Gestaltungsmaterialien und der Welt ermöglicht und befragt und durch künstlerisch forschendes Spiel Zugänge zur eigenen Fantasie und Kreativität eröffnet.

Einen besonderen Fokus konnte auf die Verwandlung und das Zusammenspiel eigener und kollektiver Ideen in einem künstlerischen Prozess gelegt werden. Davon ausgehend entstand eine Sammlung von Zugängen, welche die Umsetzung in der Schulpraxis zu inspirieren vermögen.

Digital-ästhetisches Dramaturgie-Labor

Ästhetische Expedition Freiheit vom 23.Februar 2021.

«Willkommen zum digital-ästhetischen Dramaturgie-Labor „Freiheit“. Gemeinsam schauen wir hinter die Kulissen von wahrer Freiheit, fragen uns, ob es die Freiheit überhaupt gibt und untersuchen, inwiefern die Freiheit die Unfreiheit braucht, weil vielleicht die Unfreiheit freier ist als die vermeintliche Freiheit! Die gesammelten Fundstücke werden unter dem Aspekt „Dramaturgisch Gestalten – Verwandlungsprozesse“ zu einem Gemeinschaftswerk hin weiterentwickelt.

Eine Woche vor unserem gemeinsamen «digital-ästhetischen Labor-Versuch» erhielten die sechs Teilnehmerinnen mit dieser Einladung auch erste Vorbereitungsaufgaben.

Sammle während eines Tages alles, was dir zum Thema «Freiheit» begegnet. Zeichne skizziere, notiere, fotografiere… und lege die gesammelten «Ereignisse» vor dem Workshop «analog» aus. Organisiere dir einen bewegungsfreundlichen freien und ungestörten Raum. Lege dir eine Auswahl / Sammlung von Materialien bereit (freie gewählt nach Lust und Laune): ein Stapel alter Zeitungen / Malerklebeband beigegelb / Frischhaltefolie / Malerabdeckplastik / grosse alte Kartonkisten / Schnur / … A5 Papier und Filzstifte, einen Zoom-Zugang am Bildschirm (Bildgrösse!) – und – Entdeckerinnengeist (ist 100% coronaresistent).»

Zwischen analog und digital switchend eröffneten wir die gemeinsame Laborsituation mit «zoom-kompatiblen» theatralen Grundlagenspielen. Mit ein paar Kniffs und Tricks gelang es ohne Zögern, durch gewohnte «analog-Spiele» auch digital eine ansteckende Spiellust und Forscherinnengeist zu wecken.

Verführt durch die Spielform «Assoziationskette» fanden wir uns mitten in der thematischen Recherche wieder und nutzen im Anschluss an dieses Spiel ein erstes Mal die individuell vorbereiteten Dramaturgie-Labors. Sammlungen von Begriffen wurden verfasst und im eigenen Raum ausgelegt.

Die Auslegeordnung wurde mittels «fliegender Kamera» den anderen Zoom-Teilnehmerinnen vorgestellt. Inspiriert davon und kombiniert mit den im Voraus gesammelten Fundstücken gestalteten alle in ihren eigenen, vorbereiteten vier Wänden und unter Einbezug der Materialauswahl eine installative Bühnensituation. Sie folgten dabei der Grundfrage: Was machen die Materialien, der Raum und die gesammelten Begriffe mit mir – und was mache ich mit ihnen.

Ausgehend von den entstandenen Installationen bewegten sich die Spielenden in ihren gestalteten analog-Räumen und wurden dabei begleitet von einfachen dramaturgischen «Geschichte-Bau-Satzanfängen». Mit dieser dramaturgischen Spielform entstanden in den einzelnen Räumen mehrere Kurzgeschichten.

In Folge untersuchten wir gemeinsam diskutierend die dramaturgisch interessanten «…aber plötzlich…»-Momente in den einzelnen Geschichten, um möglichst unterschiedliche inhaltliche Beispiele für Überraschungen oder Wendepunkte auszulegen. Dieser gemeinsame Schritt ermöglichte eine bewusste Schärfung dramaturgischen Denkens.

Mit allen bisher gesammelten Fundstücken trafen sich anschliessend je drei Teilnehmerinnen in Breakout-Räumen. Im Fokus der Weiterarbeit standen einerseits das Vorstellen der Installationen sowie das gegenseitige Präsentieren ihrer bevorzugten Kurzgeschichte. Dabei wurde die Aufgabe des Erzählens mit jener gekoppelt, die Rauminstallationen als Spielraum mit einzubeziehen.

Aus den drei aufeinandertreffenden Geschichten entwickelten die Kleingruppen eine Wandergeschichte. Diese wurden schliesslich durch weitere Aspekte dramaturgischer Gestaltung (Einbezug performative Gestaltungselemente zur formalen Transformation von Wendepunkten) als szenische «Zoom-Stücke» präsentiert.

Abschliessend präsentierten die Dreiergruppen – ihre individuelle Bühne waren ihre Zoomfenster – den Zuschauenden ihre ausgestalteten, theater-ästhetischen Kurz-Inszenierungen.

Mit fast «coronavergessender» Spielfreude!

Ästhetisch-kulturelle Bildung

Das Team des Zentrum Theaterpädagogik auf Expedition.

Am 03.12.2020 setzten sich das Team des Zentrum Theaterpädagogik und eine Studentin des Spezialisierungsstudiums Theaterpädagogik während eines teaminternen Workshops mit Fragen zu ästhetischer und kultureller Bildung auseinander. Der erste Teil wurde durch eine Masterarbeitspräsentation aus dem Fachbereich Theaterpädagogik eingeleitet. Die dabei beleuchteten Hintergründe zu ästhetischen Bildungsprozessen wurde in Verbindung mit Prinzipien der kulturellen Bildung gebracht. Damit konnte das breite Feld unterschiedlichster Definitionen für unsere Auseinandersetzung eingegrenzt werden. Aus der Präsentation heraus liess sich als Kernpunkt ein Zitat von Fauser/Veith herausarbeiten, welches gleichzeitig zum praktischen Teil des Workshops hinführte.

„Eine verlässliche Auskunft auf die Frage, ob das, was wir […] (bei der sinnlichen Wahrnehmung) erleben, angenehm und schön ist oder als Missempfindung Abwehr provoziert, geben uns die Sinne nicht. Ganz offenbar steht die Kulturbedeutung eines Objekts im Zusammenhang mit den lebensweltlichen Praktiken von Gemeinschaften“ (Fauser/Veith 2011).

Mit der «Denkfolie» dieses Zitates setzten sich die Theaterpädagoginnen anschliessend in Zweiergruppen mit je einem Textabschnitt aus dem Fachtext Ästhetisch-kulturelles Lernen und kulturpädagogische Bildungspraxis (2013/ 2012) von Tom Braun und Brigitte Schorn auseinander. Eine aus dem Theater bekannte Textbearbeitungsmethode, die «Strichfassung», diente dazu, aus den bei jedem Lesedurchgang erneut gestrichenen «unnötigen Wörter» ein inhaltliches Konzentrat herauszukristallisieren.

Die dabei entstandenen Kurzzusammenfassungen des Fachtextes wurden im ästhetischen Modus als Toninstallation bearbeitet und präsentiert.

Inspiriert durch diese inhaltlichen Konzentrate an der Schnittstelle von ästhetischer und kultureller Bildung wurde der zweite Teil des Workshops eröffnet. Ausgehend von leitenden Elementen des Vermittlungsformates «ästhetische Expedition» begaben sich die Teilnehmerinnen auf die die Spurensuche der Frage:  «Was macht für dich aus, dass ein professionelles Kinder- und Jugendtheaterstück ästhetisch bildend wirkt?».

Die intensive Auseinandersetzung mit den Theoriehintergründen nahmen durch die gestalterische Arbeit mit unterschiedlichsten Materialien Form und «Metapherngehalt» an. Die dabei entstandenen Installationen regten unmerklich zu Interpretationen an

Der Prozess wurde in einem weiteren Schritt begleitet durch den Auftrag, die eigene Installation mit Adjektiven zu beschreiben.

Im Anschluss daran begaben sich alle auf Wanderschaft und liessen die anderen Installationen auf sich wirken (wie eine Theateraufführung). Die dabei aufkommenden Gedanken, Ideen und Fragen eröffneten nach und nach einen «stummen Dialog» zwischen den Gestalterinnen und ergänzten schliesslich die Spurensuche. Mittels subjektiver Zuordnung weiterer Adjektive entwickelten sich über die eigene Installation hinaus ein nonverbaler Austausch. Eine Art «Gruppendiskussion», welche abschliessend wieder zur Ausgangslage, der leitenden Fragestellung zurückführte.

Geblieben ist eine vielfältige Sammlung von Adjektiven, welche als Kategorisierungselemente nun im Nachklang zum Workshop im Kontext zweier bereits bestehender Visionierungskriterien-Katalogen verhandelt werden. Davon ausgehend entwickelt das Zentrum Theaterpädagogik in den kommenden Wochen ein ZTP-eigenes Instrument, das einerseits das Team des ZTP und andrerseits die Gastspiel-Veranstalter*innen unterstützen kann, ästhetisch bildende Theaterstücke sensibilisiert auswählen zu können.

Verwendete Literatur:

Fauser, Peter/Veith, Hermann (2011): Kulturelle Bildung und ästhetisches Lernen:

www.ganztaegig-lernen.de/kulturelle-bildung-und-aesthetisches-lernen (letzter Zugriff am 22.09.13)

Tom Braun , Brigitte Schorn (2013 / 2012): Ästhetisch-kulturelles Lernen und kulturpädagogische Bildungspraxis. In: KULTURELLE BILDUNG ONLINE:

https://www.kubi-online.de/artikel/aesthetisch-kulturelles-lernen-kulturpaedagogische-bildungspraxis (letzter Zugriff am 30.10.2020)

Die unendliche Geschichte

Nach Michael Ende, gespielt von Kolypan.

Besucht von Kathrin Brülhart Corbat am 8. Dezember im Rahmen des Theaterfunkens, kleine Bühne Zofingen.

Und wie ich mich freue: eines meiner Lieblingsbücher findet den Weg auf die Bühne, gespannt sitze ich im Publikum; zuerst üben wir einen Insektenschwarm, für das Ungeheuer Igramul, danach Giftpfeil-schiessen und dann müssen wir Fabienne, der Schauspielerin helfen in ihre Rolle als Bastian einzusteigen. Das Publikum wird aufgefordert richtig gemein zu sein: «Dicksack! Spinner!» rufen wir. Es gelingt: schon bald sehen wir den schüchternen Jungen Bastian Balthasar Bux vor einer schreienden, mobbenden Schar in das Antiquariat von Herr Koreander flüchten.

Hier liegt es, das geheimnisvolle Buch „Die Unendliche Geschichte“, von dem eine Art unwiderstehliche Magnetkraft ausgeht und das Bastian unbedingt haben muss, koste es was es wolle! Bastian stiehlt das Buch aus dem Antiquariat, versteckt sich auf dem Estrich im Schulhaus und taucht ein in die Welt Phantasiens…
Dort trifft er auf Fuchur, Atreju, auf Irrlichter, auf Morla die uralte Schildkröte und natürlich auf die kindliche Kaiserin, die einen neuen Namen braucht….

Für die, die sich nicht mehr an die Geschichte erinnern, hier kurz zusammengefasst:

Bastian fängt im Buch an zu lesen und realisiert, dass er darin vorkommt, mehr noch, dass er den Verlauf der Geschichte beeinflussen kann, der Held der Geschichte werden «muss». Es ist seine Aufgabe die Kindliche Kaiserin und somit das Reich Phantasiens vor dem wirbelsturmartigen «Nichts» zu retten. Mit dem Auryn-Amulett der Kindlichen Kaiserin soll Bastian die beinahe verschwundene Welt Phantasiens nach seinen Vorstellungen und Wünschen neu erschaffen. «Tu was du willst» heisst es auf der Rückseite des Auryn-Amuletts. So wünscht sich Bastian all das, was er niemals war: mutig und stark zu sein. Doch mit jedem Wunsch für etwas Neues, verschwindet Bastians Erinnerung an das, was einst seine eigene Welt war. Nach einem Konflikt mit seinem Freund Atréju gelingt es Bastian mit dessen Hilfe, wieder zurück zu finden zur realen Welt, zu sich selbst.

Ein dickes Buch wird in rasantem Tempo erzählt: einer Mischung aus Erzähl- und Objekttheater, Fabienne Hadorn und Gustavo Nunez schlüpfen virtuos in die unterschiedlichsten Rollen und hauchen den Bühnenobjekten Leben ein. Dabei werden auch Kinder aus dem Publikum gebraucht, zum Beispiel mit Laubbläser bewaffnet darf man vom Bühnenrand aus, den Wirbelsturm spielen J

Es lebe die Phantasie und das Land Phantasien oder eben, wie es im Programm heisst: Phantasien bauen mit Kolypan! Ein Kolypanstück in gewohnt trashig-witziger Manier.

Besteste Freunde

Gespielt von «Die Nachbarn»
Besuch einer Schulvorstellung am 16. November anlässlich des Theaterfunkens im Sternensaal Wohlen von Kathrin Brülhart

Zusammen mit zwei Klassen sitze ich erwartungsvoll im Sternensaal. Es geht los: Zwei Schaupielerinnen bauen mit vielen (wunderschönen!) kleinen und grossen alten Koffern die Burg Wildenstein. Wir erfahren, dass hier Gilbert wohnt. Gilbert ist das erste Wesen, das von der verrückten Professorin Dr. Wildenstein erschaffen wurde. Für Gilbert ist sie so etwas wie seine Mutter. Leider hat Dr. Wildenstein keine Zeit für ihn, immer muss sie neue Wesen erschaffen. Zu Beginn sind wir bei so einer Erschaffung live dabei, neben anderen «Zutaten» braucht es etwas Viren aus einer Gesichtsmaske und ein Kamelauge (wunderbar: es lebe Frankenstein!) Entstanden ist hier Adam Ups, ein schrecklich anzusehendes Monster, das einen nur zu berühren braucht und schon fliegt man durch die Luft. Und eben, weil Dr. Wildenstein für niemanden Zeit hat, bleibt alles an Gilbert hängen. Da ist zum Beispiel Giselle ein lustiges Flugwesen, das immer in Not gerät oder Spinni der immer wieder abhaut und manchmal die anderen beisst…
Tag und Nacht ist Gilbert im Einsatz, um das ständig drohende Chaos zu verhindern. Anerkennung bekommt er keine, und so hat Frau Bobo leichtes Spiel. Frau Bobo ist eine Talentsucherin, sie kommt vom Fernsehen und sucht für ihre Talentshow wahre Grössen. Sie versucht Gilbert mit leeren Versprechungen vom baldigen Ruhm um den Finger zu wickeln. Ob ihr das gelingt und sie Gilbert aus der Burg locken kann, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
„Besteste Freunde“ ist eine Mischung aus einer Frankensteinversion für Kinder und dem Film „What’s eating Gilbert Grape?“. Ein temporeiches, dramatisches und humorvolles Stück mit Schauspieler/-innen und Puppen.

Wo diis Huus wohnt


Ein Stück über Herkunft gespielt von „Reich & Schön“
Besuch einer Schulvorstellung am 12. November im GZ Buchegg, Zürich
von Kathrin Brülhart Corbat

«Was stört dich, nervt dich an deinen Eltern?» Diese Frage muss vor dem Stück beantwortet werden. Auf die Zettel wird eifrig geschrieben, diese werden von Denise und Kapi zu Beginn der Vorstellung eingesammelt. Gibt es Eltern im Publikum? ihnen wird sofort ein Pamir verpasst… Ich darf nicht zuhören.

DENISE: Ich cha säge: Ich bin es Naturchind, ich chume vom Land
KAPI: Oder us de Stadt
DENISE: 300 Iiwohner
KAPI: 11.5 Millionen Iiwohner
DENISE: Niemer suecht sich sini Herkunft us. Sie passiert eim eifach. Me wird gebore und villicht landet me nöime, wome gar nit inepasst.
KAPI: Imene Land, wo mer nöd will sie
DENISE: Inere Stadt, wo eim fremd isch
KAPI: Inere Strass, wo me kei Fründe findet.
DENISE: Oder, ebe… am schlimmschte: bi Eltere, wo eim überhaupt nit verstöh.
KAPI: Oh ja..
DENISE: Häng ufe: wer het no nie irgendwelchi Problem gha mit sine Eltere? Voilà.

Natürlich lege ich meinen Ohrenverschluss schnell wieder ab – wir Eltern sind Aliens, kommen von einem anderen Planeten, sind alle überfordert und haben keine Ahnung… das kann ja interessant werden… und das wird es: In diesem Stück geht es um Herkunft, Kapi kommt aus Kinshasa, einer Millionenstadt aus der demokratischen Republik Kongo, Denise aus einem kleinen Kaff in Solothurn.

Beide Frauen haben total verschiedene Kindergeburtstage erlebt, total verschiedene Schulen durchlaufen. Beide hatten als Jugendliche Sehnsüchte, wollten was erleben, wollten verstanden und geliebt werden- «Ich habe Theater gespielt und meine Mutter ist kein einziges Mal zuschauen gekommen», erzählt Kapi- oke, eindeutig eine Alienmutter… Und hier, was steht auf diesem Zettel? «Ich darf nicht in den Ausgang und habe deswegen keinen einzigen richtigen Freund», schon wieder, eindeutig ein Alienvater. (Hast Du das geschrieben ? raunt ein Junge vor mir …. Sicher nicht!- die Antwort ) Es geht unter die Haut, die Geschichten, sie kommen einem bekannt vor. Häuten möchte man sich, Belastendes ablegen (Tolle Kostümeà Tüllröcke, die in mehreren Schichten getragen werden und dieses «sich-häuten» symbolisieren) Fazit: Herkunft hat man. Man kommt woher. Immer hat man Eltern, immer zwei, die mehr oder weniger präsent sind, mehr oder weniger betrunken, mehr oder weniger Sonnenschein. Sie, dein Haus, deine Wohnung, deine Strasse, deine Schule und das Universum prägen dich, imprägnieren dich mit dem Geruch deiner Herkunft, einem Geruch, der an dir haftet, den du nicht einfach wechseln kannst wie ein billiges Parfüm. Herkunft ist wie Eltern: Einfach mal am Kiosk zwei neue holen geht nicht.

Die Stück regt zum Nachdenken an, macht Mut, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, nicht nur zu erfüllen, sondern zu gestalten. Weil, ja: Ich komme woher. Aber: Ich gehe auch wohin. Und dieses „wohin“ kann ich entscheiden. Wenn ich weiss, wer ich bin. Wenn ich erkenne, was ich mitbekommen habe an positiven Dingen, wie auch an vielleicht weniger positiven Dingen.

Ein sehr gelungenes, ehrliches, mutiges Jugendstück für alle ab 12 Jahren.

Auf den Spuren der Ästhetischen Expedition «Verschenkte Ideen»…

Das Geschenk an die «Schule mit Zukunft».

Eigentlich wäre doch alles anders geplant gewesen. Eigentlich. Denn Feste sollen gebührend gefeiert werden. Und ein Geschenk wäre ja auch schon parat gewesen. Ein Geschenk, das kreativ eroberte Räume der Schule gezeigt hätte. Ein Geschenk, das den gestalterischen Umgang mit neuen Ideen genauer zu beforschen versuchte.

Doch leider musste am 30.Oktober 2020 der feierliche Anlass abgesagt werden. Und somit unser Geschenk kurzerhand in eine neue, virtuelle Form gebracht werden. Denn ganz lassen konnten wir es natürlich nicht. Wollten wir die DVS doch trotzdem überraschen mit unserem Geschenk.

Und so übergaben wir zum erfolgreich abgeschlossenen Projekt „Schulen mit Zukunft“ unser Geschenk in digitaler Form.

Hier geht’s zur Präsentation unserer verschenkten Ideen.

Und zu guter Letzt unser Fazit:

Was geblieben ist und virus-resistente Wege sucht: die Lust zu spielen, zu erfinden, zu erzählen, zu gestalten! Zum Beispiel aus einer „Kiste nix“! Weiter… in die Zukunft der Schule, in welcher künstlerische Herangehensweisen eine Möglichkeit eröffnen, die forschende Haltung und die Experimentierfreude als Zukunftskompetenz weiter zu entwickeln.

Helikoptern

Eine Geschichte über Vertrauen und Verantwortung
Das Theater Salto & Mortale spielt im Rahmen des Theaterfunkens 2020.
Besucht von Kathrin Brülhart Corbat am 5. November, Bühne Aarau (Tuchlaube)

Wir befinden uns in einem Schulzimmer. Lehrer Kuriger plant ein Experiment, eine sogenannte „Challenge“: eine Woche lang möchte er mit seiner Klasse in den Wald. Natur pur, ohne jeden Komfort. Keine Dusche und kein Föhn, kein Feuerzeug (nur Streichhölzer), kein Handy und kein Youtube. Die Klasse ist dabei.
Lehrer Kuriger spricht in dieser Szene zu einer „ganzen“ Schulklasse, zu sehen als Videoprojektion auf vier beweglichen Wänden. So entstehen wunderbare „echte“ Identifikationsfiguren für das junge Publikum.
Die Eltern sind von diesem „Überlebens-Projekt“ weniger begeistert, sie haben Bedenken, zweifeln am Sinn des Lagers, was lernt man denn da im Wald? Das entspricht ja überhaupt nicht dem Lehrplan… Viele machen sich auch Sorgen um ihre Kinder, es ist doch gefährlich, so alleine im Wald. Vereinzelt gibt es auch Unterstützung für die Idee.
Auch hier eine tolle Szene: die drei SchauspielerInnen hüpfen in zig verschiedene Rollen und präsentieren uns die ganze Palette von besorgten Eltern.
Schliesslich gelingt es ihnen, das Projekt zu verhindern. Das Waldlager wird aus Sicherheitsgründen abgesagt. Die Enttäuschung der Klasse (und des Lehrers!) ist gross.
Ein Kindertrio zieht trotzdem los. Auf eigene Faust. Die Eltern der Ausgerissenen machen sich natürlich grosse Sorgen und eine Waldsuche beginnt: Zu dritt plus ein Hund, ohne Helikopter, aber mit Drohne und Leuchtwesten. Mehr sei hier nicht verraten…
Das Theater Salto & Mortale beschäftigt sich in diesem Stück mit Fragen nach Vertrauen und Verantwortung, Ablösung und Eigenständigkeit. Die Truppe hat mit einer Schulklasse zusammengearbeitet (welche auch in den diversen Videoprojektionen zu sehen ist J) und den Austausch mit den Eltern gesucht. Aus dieser sorgfältigen Recherchearbeit ist ein gelungenes Stück für alle ab 10 Jahren entstanden.

Theaterperlen

Eröffnung im Kleintheater  

Carte Blanche mit «Ente, Tod und Tulpe» von Theater Luki*ju

«Einfach wunderbar, dass wir trotz Corona kommen können!», so werde ich  von einer Lehrperson heute Morgen im Kleintheater begrüsst. JA – stimmt ! Es ist wunderbar, dass wir trotz Einschränkungen exakt 49 kleine und grosse Nasen (alle hinter Masken J) begrüssen dürfen.

Platz haben wir genug, es kann losgehen. Gespannt lauschen wir den feinen Bratschentönen und tauchen ein in die wunderschöne, poetische Geschichte über Leben, Freundschaft und Vergänglichkeit, nach dem Bilderbuch von Wolf Erlbruch.

Die quirlige Ente schliessen wir sofort ins Herz und bangen um sie, als sie dem Tod begegnet. Der war aber schon immer da, eigentlich eine ganz sympathische Erscheinung, die Ente hat ihn einfach noch nie bemerkt. Zaghaft nähern sie sich an und eine Freundschaft entsteht. Auch die Tulpe, die Bratschenspielerin, gehört dazu. Die Ente zeigt den beiden neuen Freunden die Abenteuer des Lebens, sie fischen gemeinsam, steigen in eine Barke, spielen Golf, klettern auf den Baum und leben frisch drauf los… Bis der Tod unausweichlich ist und auch darüber gesprochen wird. Wo ist man dann? Wie sieht es dort aus? Gibt es dort vielleicht ein riesiger Teich mit vielen Glitzerfischen? Der Tod weiss es nicht und die Tulpe spielt auf ihrer Bratsche… Vielleicht… In jedem Fall geht es einem dann gut.

Das Theater Luki*ju beleuchtet das Thema Sterben und Tod mit viel Tiefgang und einer guten Portion Humor.