Bruno schneit

Eine Geschichte aus dem Kleiderschrank von Jörg Bohn und Paul Steinmann

Premierenbesuch am 26. Februar 22 im Kino Odeon Brugg von Kathrin Brülhart Corbat

Am letzten Samstag war ich endlich wieder mal an einer Premiere, Jörg Bohn spielte seine sechste «Bruno-Geschichte» mit dem Titel «Bruno schneit». Nach «Bruno Hasenkind» und «Bruno und das Hasenvelo» ist dies die dritte Geschichte, in der das Hasenkind Fritz vorkommt.

Dass Fritz bei Bruno wohnt, erfahren wir schon früh im Stück und diesmal kommt Fritz mit Gepolter von der Schule heim und Bruno findet ihn hässig in seinem Bett. Fritz muss als Hausaufgabe ein Erlebnis über ein Winter-Abenteuer schreiben, aber Fritz hat noch nie Schnee gesehen und braucht unbedingt Brunos Hilfe. Wie soll man bitteschön über Schneeflocken schreiben oder welche zeichnen, wenn man noch nie einen Schee-Winter erlebt hat? Was ist überhaupt Schnee? Sowas wie Puderzucker auf Omeletten oder… Bruno ist gefordert, zum Glück hat er selber schon viele Schnee Abenteuer erlebt, im Nu wird Brunos Schrank umgebaut und es entsteht eine wunderschöne Bettdecken-Schneelandschaft. Bruno zeigt Fritz wie man Schee-Engel machen kann (übrigens darf man sich nach einem gelungenen Schee-Engel immer etwas wünschen; Hase Fritz macht deshalb gleich zwei… Und was hat er sich gewünscht? Das wird natürlich nicht verraten)

Weiter geht’s mit Versteckis im Schnee und einer mutigen Schlittenfahrt und wir lernen eine Scheemannfrauen-Familie kennen. Es beginnt zu schneien und wird auch richtig kalt.

Brunos Schrank-Requisit ist vielseitig auszieh- und nutzbar, immer wieder sind wir am Staunen, Bruno der Geschichtenerzähler ist auch etwas ein Zauberer: wie hat er das denn jetzt gemacht, dass sich der Hase hinten im Kissen verstecken konnte?

Als Fritz am Abend in seinem Bett liegt, sind wir alle glücklich, dass wir wieder mal einen richtig schneereichen Wintertag erlebt haben.

Eine weitere Bruno – Geschichte für alle ab vier Jahren mit vielen Winterüberraschungen und herzerwärmenden Details.

YARK

Mangisch Produktion, Brig

Besucht von Kathrin Brülhart Corbat am 19. Februar 22 im FigurenTheater St.Gallen,

im Rahmen des Theaterfestivals jungspund  

Der Morgen in der «Lokremise», dem Festivalzentrum von jungspund war sehr abwechslungsreich: zehn Schweizer Gruppen und Einzelkünstler*innen hatten die Gelegenheit, mit einem Kurzauftritt von 10 Minuten ihre neuesten Produktionen zu präsentieren. Toll, was da alles am Entstehen ist, oder bereits geboren wurde – ein Hoch auf das professionelle Theaterschaffen für ein junges Publikum!

Nach diesen 10 Einblicken freue ich mich, ein Stück in voller Länge zu sehen. Mein Ziel ist das FigurenTheater St.Gallen, «Yark» gespielt von Daniel Magisch steht auf dem Programm. Ich spaziere durch die Altstadt und finde schon bald das kleine Theaterhaus. Hier war ich noch nie… ein richtiges Juwel mit roten Stühlen, die die kleineren Zuschauer*innen selbständig «einstellen» können. «Stört es sie, wenn ich den Stuhl ganz in die Höhe schraube?» werde ich von einem Jungen gefragt, der vor mir in der vordersten (!) Reihe sitzt. Natürlich nicht – gespannt warten wir, bis es los geht. Da bewegt sich schon das Monster unter dem weissen Tuch: Yark ist da – poh, was für eine gruselige Stimmung macht sich breit, Yark hat Hunger, er frisst am liebsten Kinder, aber nur ganz brave, von den unartigen wird ihm schlecht, er hat einen sehr heiklen Magen. Gibt es hier vielleicht nette, hilfsbereite Kinder im Raum? Vor mir wird der Stuhl wieder runtergefahren….

Zugegeben, zu Beginn ist das Stück eine echte Herausforderung für viele und nicht’s für Angsthasen, zum Glück erscheint immer wieder Daniel als Schauspieler, da gibt es kleine Verschnaufpausen und man muss nicht mehr um sein Leben fürchten.

Auf der Suche nach feinem Essen fliegt Yark in den hohen Norden zum Samichlaus,

dem er die Liste mit den allerliebsten Kindern der Welt abluchst. Diese Liste mit den Top Ten der Allerbravsten wird nun abgearbeitet. Doch diese Kinder sind viel zu schlau, als dass Yark ihnen etwas antun kann. Es folgen schlimme Wörter und eine grobe Magenverstimmung. Zum Glück wird Yark von Madeleine gefunden, die ihn mit Alpenkräutern wieder fit macht. Eine Freundschaft beginnt. Wie wunderbar, Madeleine fürchtet sich überhaupt nicht vor Yark, warum auch? Noch nie hatte Yark eine Freundin, sogar eine, die ihm das Fell kämmt.

Wäre da nur nicht dieser riesengrosse Hunger, aber Yark will doch nicht seine neue Freundin fressen, ojeminee… wie das wohl ausgeht?

Hier soll nicht zu viel verraten werden, nur so viel: es kommt gut und am Schluss kann man auch ganz getrost den Theaterraum wieder verlassen, im Wissen, dass einen der Yark nicht fressen kommt, auch wenn man nett ist. Im Gegenteil, er wird einem sogar helfen kommen, falls man mal ganz schlecht träumt.

Daniel Mangisch will spassvoll gruseln und zeigen, dass manche Dinge nur in unseren Köpfen leben. Sein packendes Erzähl- und Objekttheater lässt die Monsterwelt auferstehen und haucht Puppen und Objekten Leben ein.


Ein tolles Stück für alle ab 7 Jahren, die es lieben, mal wieder etwas Hühnerhaut zu bekommen.

Ich heisse Name

Theater Jungfrau und Co. / Theater Blau, in Koproduktion mit Schlachthaus Theater Bern

Besuch einer Schulvorstellung am 31. Januar 22 im Treffpunkt Wittigkofen, Bern von Kathrin Brülhart Corbat

Warum hat es hier nur so wenig Kinder? Leider darf heute wegen den Covidmassnahmen nur eine Klasse ins Theater kommen, wie schade… dann sind wir, die hier sein dürfen, ja richtige Glückspilze! Ein Mädchen aus der Basisstufe Bern Bethlehem erklärt mir, sie hätten mit der Schauspielerin Brigitta und mit dem Schauspieler Julius im Vorfeld eben recherchiert, deshalb dürfen sie jetzt kommen.

Gespannt sitzen wir vor einer leeren Bühne, ausser zwei fahrbaren Leinwänden, ist noch nichts zu sehen. «Wo sind Brigitta und Julius?» – Warts ab !

Musik… zwei Hellraumprojektoren werden auf die Bühne gefahren, geschoben von einer weiss gekleideten Frau (Brigitta Weber) und einem weiss gekleideten Mann (Julius Griesenberg). Zu Beginn spielen sie mit ihren Schattenbildern, das ist lustig, die Kinder kichern, am liebsten möchte man es selbst ausprobieren.

Nun wird auf die Projektionsfläche gezeichnet… ein Kopf, Augen, Arme…. es ist mucksmäuschenstill, alle schauen gespannt zu, wie ein Strichmännchen entsteht oder ist es ein Strichweibchen? «Egal!» «Was egal?» «Wie heisst Du?» – «Ich heisse NAME».

Was isst eigentlich so ein Strichfigürchen? Natürlich Spaghetti Carbonara.

NAME möchte mit seinem Krokodil in der Badewanne spielen und danach die Welt entdecken; sich mit Herrn Sonntag, dem lustigen Hund treffen und auf dem Spielplatz mit den anderen Kindern spielen – sag, geht das überhaupt, wenn man nicht weiss, ob NAME ein Mädchen ist oder ein Junge? Welche Kleider soll NAME tragen? Hosen oder vielleicht einen Rock? Mit was möchte NAME spielen? Mag NAME rosarot oder grün? Holz hacken oder nähen?

Die beiden Erwachsenen begleiten NAME auf seiner Erkundungstour, sie schlüpfen in zig verschiedene Rollen, es wird geschnipselt und gezeichnet, vergrössert und verkleinert, mit Schatten und farbigen Folien gespielt. Immer wieder entstehen neue Welten und neue Fragen: «Wenn ich gross bin, werde ich dann eine Frau oder ein Mann?»

Ein tolles, wichtiges Stück zur eigenen Identität und zur Genderthematik, für alle ab 5 Jahren.

Modell 21


Eine Möglichkeit, Theater mit anderen Augen zu sehen.

Von Kathrin Brülhart, Verantwortliche für die Gastspielreihen des ZTP PH Luzern.

Am 1. Dezember trafen sich die Perlen Veranstalter*innen aus Sarnen, Willisau und Hochdorf zu einem gemeinsamen Workshop mit mir, um das neue «Modell 21» kennenzulernen.

Das «Modell 21» wurde im Verlaufe des Jahres 2021 von Ursula Ulrich und mir ausgehend von älteren Visionierungs-Kriterienkatalogen weiterentwickelt und beinhaltet Merkmale, welche aus unserer Sicht mögliche Qualitätskriterien für professionelle Theaterstücke thematisieren.

Zudem kann es für alle Perlen Veranstalter*innen eine Auswahlhilfe beim Aussuchen der Stücke sein.

Was ist uns wichtig? Was macht eine Perle im professionellen Kinder- und Jugendtheater aus?

Theater ist mehr als gefallen und drauskommen!

Wichtige Fragen für uns alle waren: berührt mich die Inszenierung? Ermöglicht sie sinnliche Erfahrungen, regt es Gefühle und Empfindungen in mir an? Oder anders gefragt, macht das Stück etwas mit mir, hinterlässt es Spuren?

Während des gemeinsamen Workshops entstanden als Ausganslage für die Qualitätsdiskussion verschiedene Skulpturen zu Stücken, welche wir kürzlich gesehen hatten und die etwas mit uns gemacht haben.

Erstes Fazit:

Wir wünschen uns, dass wir verzaubert werden, ins Stück eintauchen können, die Fantasie angeregt wird. Interessant wird es dann, wenn ein Stück spannende und anregende Fragen auslöst.

Es soll die Spiel-Lust wecken, darin waren wir uns auch einig.

Nach einer angeregten Diskussion fanden wir heraus, was uns auch noch am Herzen liegt:

Eröffnet mir die Inszenierung neue Sichtweisen? Verändert sie etwas? Perspektivenwechsel?

Ermutigt die Inszenierung, im Leben selbst etwas bewirken zu können?

UND natürlich soll eine Perle künstlerisch ausdrucksstark sein, Figuren können sich entwickeln, das Bühnenbild soll Raum geben für eigene Bilder (um nur zwei Punkte der sechs Punkte zu erwähnen, welche das «Modell 21» beinhaltet 🙂

Wir freuen uns alle auf viele neue, Mut machende Stücke.

Falls du dich für das «Modell 21» interessierst, melde dich – wir schicken es dir gerne zu!

Spiel-Freispiel-Spiel

Auf Expedition „Spiel“ mit dem Kindergarten-Lehrpersonenteam der Schule Maihof Luzern

17.November 2021

SPIELEN

Spielen bedeutet Bereitschaft, sich auf Neues, Unbekanntes, manchmal auch Unplanbares einzulassen, Mut zu haben, ein Risiko einzugehen. Dabei lernt man das Unmögliche zu behaupten. Schliesslich fliegt man nicht jeden Tag als Suppenlöffel zum Mond. Spielfreude, Motivation, Mitbestimmungsrecht und Vertrauen unterstützen das Experimentieren, das Entdecken und das Erleben individueller Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten. Im Spiel können (manchmal unmerklich) persönliche Stärken erkannt und ausgebildet werden. Theaterspielen heisst, vordergründige Projektionen und Handlungen sowie fremde Situationen nachzuahmen. Dieses Freispielen ist kreativitätsfördernd und kann den Spielenden eine Distanz ermöglichen, die ihnen eine Auseinandersetzung mit den eigenen Fragestellungen und persönlichen Gedanken zugänglich macht. Sichtweisen werden weiterentwickelt, Spielregeln neugestaltet, eigene Positionen und Gruppendynamiken dadurch ersichtlich. Ob dabei Vorstellungen und Gewohnheiten in Frage gestellt und Kompromisse ausgearbeitet werden können? Wir vermuten es. Und noch mehr. Wir beobachten, dass sich durch das Zusammenspielen, neue Ideen und Meinungen oder sogar fantastische Erfindungen entwickeln lassen. Schliesslich verhandelt jedes Spiel Illusion und Realität, Sichtbares und Unsichtbares, Wirklichkeit und Möglichkeit, bestenfalls sogar neue Sichtweisen. Ob diese Erfahrungen eine Haltung begünstigen, die Variantenreichtum anerkennt?

Die Spielfreude an Möglichkeiten und Varianten wird es zeigen.

(Auszug aus dem Lehr-Lernmittel „Theaterluft“ des ZTP)

Kursteil 1

Was macht das Materialmit mir

und

was mache ich mit dem Material.

Dem Ruf des Abenteuers folgend… Wohin? Das ist noch offen. Mit Klebeband Laserstrahlen als Hindernissparcour gestalten… Räume zum Verstecken oder… necken…

Manchmal aktiv, manchmal als stille Beobachterin!

Und schliesslich – die Essenz des lustvollen Aufräumens… als Geschichtenexpedition: mit Klebeband-Kugeln, mit Hunden und anderen kleinen Unglücksfällen.

Kursteil 2

Gemeinsames Erproben von Spielformen aus der Theaterpädagogik zu den Bereichen Wahrnehmung, Konzentration, Bewegung, Fantasie und Stimme. Diese können als Grundlagentraining das Zusammenspiel im Freispiel sensibilisieren.

Essenz

Die Spielformen bestehen meist aus grundlegenden Bausteinen die es, je nach Gruppenzusammensetzung gilt, in kleine Einheiten zu zerlegen und die Spiele in der beschriebenen Form so langsam aufzubauen.  Die Komplexität einzelner Spielformen wird erst nach und nach (wenn überhaupt) in den Fokus genommen.

Extended non technical Digital Skills (EntDS)

Eine Workshopreihe – Jetzt buchbar!

«Digital Skills» in der Lehre gehen über rein technische Kompetenzen wie Data Literacy, Programmierkenntnisse und Computational Thinking hinaus. Experten beschreiben diese Zukunftskompetenzen seit Längerem (Future Work Skills 2011; WEF 2016; Skills for Innovation 2012). Einst überschaubare Systeme, Denk- und Handlungsweisen werden ausgehend vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel durch die umfassende Digitalisierung dynamischer und komplexer. Um auf diese Veränderungen reagieren zu können, braucht es sowohl individuelle als auch gemeinschaftliche Möglichkeiten, um damit umzugehen. Sowohl digital als analog. Als Ergänzung zu digitalen Skills werden in direktem Kontakt mit analogen Trainings die Grundlagen digitalen Zusammenarbeitens erfahren und fordern im direkten Erproben eine ganzheitliche Haltungsbefragung und eine unmittelbare Reaktionsreflexion.

Im Rahmen eines PgB-Projekts (zur Förderung von Digital Skills) von swissuniversities entwickelte das Zentrum Theaterpädagogik basierend auf Fachtexten von Sandra Schön mit dem «Projekt EntDS» eine siebenteilige Workshop-Reihe, welche im November 2021 als gebundene Workshopanleitung (Link Webseite) erschienen ist. Diese gibt Einblick in den Aufbau des analogen Trainingssettings für Studierende und Dozierende von Hochschule/Universitäten sowie für private Firmen und ist die Ausgangslage für buchbare Workshopdurchführungen.

Ausgewählt wurden folgende nicht-technischen Schlüsselkompetenzen:

  • «Teamwork»: Im Fokus steht die Fähigkeit, das individualistische Denken hin zur Wir-Kultur zu entwickeln, um im Sinne einer kollektiven Intelligenz sowohl analytische als auch kreativ-intuitive Prozesse durchlaufen zu können.
  • «Critical Thinking»: Die Entwicklung kritischer Denkfähigkeiten ist von grundlegender Bedeutung für alle Lernerfahrungen und für das Lernen von Lernen, um unsere eigenen Erkenntnisse zu entwerfen, zu verbreiten und fundierte Entscheidungen treffen zu können.
  • «Novel and Adaptive Thinking»: Der bewusste Umgang mit der Auflösung gewohnter Denk-, Verfahrens- und Reaktionsweisen begünstigt es, über eigene Fachgrenzen hinausgehen zu können. Über eine improvisationsfähige und offene Haltung kann Wissen ausgetauscht, Neues hervorgebracht oder eine inspirierende Idee mit anderen kombiniert werden.

Die «experience-based» Workshops richten sich spezifisch an Dozierende und Studierende aller Hochschulen und haben folgende Zielsetzungen:

  • Auseinandersetzung mit den Herausforderungen neuer Denk- und Handlungsweisen durch neue, erfahrungsbasierte Lernformen
  • Lehr- und Lernformen, die «gewohntes Denken» (durch Improvisations-, Kreations- und Darstellungsformen) erfahrbar, trainierbar und reflektierbar machen
  • Analoges Erproben flexibler und kreativer Kombinationen unterschiedlicher praxisbasierter Settings
  • Konfrontieren mit neuartigen und anpassungsfähigen Denk- und Handlungsfähigkeiten
  • Vermitteln von sozialer und innovationsfähiger Intelligenz ergänzend zu technischen Fertigkeiten

Sie sind interessiert an der Durchführung der Trainingssettings an Ihrer Hochschule /Universität oder für die Mitarbeitenden Ihrer privaten Firma? Dann nehmen Sie umgehend Kontakt mit uns auf.

Das Team des Zentrum Theaterpädagogik wird mit Ihnen ein für Sie massgeschneidertes Angebot ausarbeiten.

Kontakt: Ursula Ulrich
Leitung Zentrum Theaterpädagogik
Pädagogische Hochschule Luzern (PH Luzern)

Sentimatt 1 / 6003 Luzern
Tel. +41 (0)41 203 01 60
ursula.ulrich@phlu.ch

www.phlu.ch/ztp

Wolf – Loup (von Theo Fransz)

Theaterproduktion von La Grenouille, Biel

Besucht von Kathrin Brülhart Corbat am 12. November im Tojo Theater Reitschule Bern

Vor einer Woche habe ich diese eindrückliche Theaterproduktion gesehen, sehr gerne erinnere ich mich daran: das Stück spielt in einem offenen Spielraum, wir sitzen auf vier Seiten, wie auf einem Dorfplatz. Noch bevor es anfängt, sehe ich, dass es Livemusik gibt: Gitarre, Keyboard und Mik stehen bereit. Auf der Bühne liegt ein grosses Tuch mit roten Flecken und einige überdimensionale Grablichter.

Es fängt an, Musik… ein leidenschaftlicher Tanz zweier Verliebten. Virginie und Mas.

Ein Messer, Hände werden im Wasser gewaschen, das Wasser färbt sich rot, «pas de panic», sie liegen gleich neben mir, «habe ich geschlafen, habe ich etwas verpasst?».

Virginie ist eine junge Frau, die nach der Tradition ihrer Grossmutter Sand auf die Gräber streut. Im Dorf glaubt man, dass dies die Lebenden vor dem Tod schützt. Auf diesem Friedhof lernt Virginie Mas kennen. Mas war früher ein Wolf. Als Welpe musste er mitansehen, wie seine ganze Familie von Jägern aus dem Dorf getötet wurde. Die Götter haben ihn in einen Menschen verwandelt mit dem Auftrag, seine Familie zu rächen, Mas soll alle Mitglieder der Jägerfamilie ausrotten… Und dann erfährt Mas, dass Virginie, in die er sich unsterblich verliebt hat, die Tochter des letzten Jägers ist. Was nun? Ist die Liebe der beiden stark genug, um das Schicksal selbst in die Hände zu nehmen – oder bringt er sie nun um? Er muss! Es ist so vorbestimmt. Muss er?

Immer wieder werden wir direkt angesprochen von Mas und Virginie, durch die Nähe zum Geschehen wird es intim und spannend. Der Konflikt, dass Mas Virginie ja nun eigentlich umbringen muss, um seinen «Auftrag» zu erfüllen, wird in einem genialen Spannungsbogen erzählt. Oft wissen wir mehr als Virginie, wie in einem Krimi… Mit der Live-Musik wird die Erzählung mit treibenden Rhythmen, rauhem Groove und dann wieder mit feinen Gitarrenklängen untermalt. Wir sind mittendrinn, es wird geschwitzt, getanzt, geliebt, verstossen und wieder gefunden.

Faszinierend an diesem Stück ist auch die Sprache. Beide Spielenden sprechen französisch und deutsch. Es gibt zwei Inszenierungen in je einer klaren «Hauptsprache», hier war es Deutsch. Auch mit wenig Französischkenntnissen versteht man alles. Da das Gesagte durch die Emotion «entschlüsselt» oder vom anderen Spielenden aufgenommen und übersetzt wird.

Eine berührende Geschichte für alle ab 13 Jahren über Gewalt und Verfolgung, Schicksal und Vorbestimmung.

Theaterperlen 2021

Wir sind mitten in der Theaterperlen – Saison, gestern sagte ein Kind: «Immer im Herbst kommen wir hier hin!» Genau so soll es sein!

Bereits haben 237 Schüler*innen die Produktionen «Wie Grossvater schwimmen lernte» oder «Helikoptern» gesehen. Heute war die zweite Vorstellung von «Helikoptern», toll war bei dieser Vorstellung, dass alle Lehrpersonen die kostenlose Veranstaltung «Roter Teppich» besucht haben, um ihre Klassen auf die Vorstellung einzustimmen und das Gesehene nach dem Theaterbesuch zu vertiefen. ( Dieses Angebot besteht zu allen von uns programmierten Stücken, siehe auch https://www.phlu.ch/beratungen-angebote/lehrpersonen/theaterpaedagogik/theaterperlen/luzern/roterteppich.html )

Wir freuen uns auf die nächsten zwei Wochen, denn weitere fünf herausragende Kinder und Jugendtheaterproduktionen werden im Theater Pavillon zu sehen sein und hoffentlich die 809 angemeldeten Kinder und Jugendlichen beglücken.

Unser aktuelles Perlenprogramm: https://www.phlu.ch/news-und-medienmitteilungen/theaterperlen-2021.html

Text & Bild: Kathrin Brülhart Corbat 

Rosa – Die Lebensgeschichte einer mutigen Frau, gespielt vom Theater Sgaramusch

Besucht von Kathrin Brülhart Corbat am 10. November im Theater Stadelhofen

Wie erzählt man diese dichte Biografie von Rosa Luxemburg? Was wird ausgewählt? Auf der Bühne steht ein Ständer, an diesem hängen diverse Handpuppen. Gespannt sitze ich im Publikum der Nachmittagsvorstellung und warte bis es dunkel wird.

Das bittere Ende gleich vorweg: In den ersten Spielminuten erfahren wir, dass Rosa erschossen wurde, weil sie ihre Meinung sagte. Ein kleines T-Shirt mit der Aufschrift ROSA wird in einen Kübel mit Wasser geschmissen. Rosa Luxemburgs Leiche wurde 1919 in einen Kanal in Berlin geworfen. Ehrlicher, harter Anfang, denke ich.

Mit einfachen Mitteln wird der geschichtliche Hintergrund erklärt. Wir erfahren, dass zu Rosas Lebzeiten drei Kaiser auf dem heutigem Gebiet von Polen regiert haben. Und dass sich der Kaiser den Bauch füllte, während Frauen, Männer, Alte und Kinder bis zum Umfallen in der Fabrik schuften mussten.

Rosa sagte schon als Kind, was sie denkt, laut und deutlich.

Sie ist klein und hinkt, weil man ihr das falsche Bein eingegipst hat. Ein ganzes Jahr lang musste sie im Bett bleiben, in dieser Zeit hat sie viel gelesen. Als sie wieder zur Schule geht, hat sie viele Fragen: Warum müssen einige Kinder in der Fabrik arbeiten? Warum dürfen wir nicht Polnisch sprechen, obwohl wir in Polen leben? Der Lehrer schreit sie an: Fragen sind nicht erlaubt- Schweig! Doch Rosa gibt nicht auf.

Später studiert sie in Zürich und verliebt sich im Uni-Garten in Leo. Die Katze Mimi ist der Hammer – warum ? wird an dieser Stelle nicht verraten. Wir erfahren, dass Rosa sehr gerne badet, sehen eine wunderschöne Szene in der Badewanne… sind dabei, als sie ihre wichtigen Texte und Reden schreibt: «Sie können unsere Hände fesseln, aber nicht unsere Gedanken.»

«Was findet ihr ungerecht?», fragt die Schauspielerin im Stück das Publikum. «Es ist ungerecht, dass man keine Pause machen darf und eingesperrt wird», «Alles in diesem Stück ist ungerecht», «Kannst Du das noch etwas genauer sagen, wo genau findest Du es ungerecht?»

Ein tolles, brandaktuelles Theater mit einer klaren Botschaft: Wenn man etwas ungerecht findet, dann sollte man es auch sagen! Getraut euch – mischt euch ein!

Wie sähe die Welt wohl aus, wenn wir alle ein grosses Stück Rosa in uns hätten?

Prolog 2021 – Eintritt ins L A B Y R I N T H

Am 20. Oktober 2021 stand der Prolog für die 34. Luzerner Schultheatertage auf dem Programm. Vierzehn Primar- und Sekundarlehrpersonen aus der Innerschweiz fanden sich am Nachmittag im Theaterpavillon in Luzern ein. Der Prolog war in Form einer ästhetischen Expedition zum Thema «L A B Y R I N T H», dem Motto der diesjährigen Schultheatertage, konzipiert.

Schnell wurde klar, dass sich die Lehrpersonen in einem Labyrinth befinden, welches sie nur wieder verlassen können, wenn sie die Rätsel und Aufgaben, welche ihnen auf dem Weg begegneten, zusammen lösen.

So wurde der ganze Nachmittag lang gespielt, gerätselt, geforscht, improvisiert, Wege gesucht, gefunden und verlassen. Fragen wie «Wo befinde ich mich, mein Umfeld oder die Welt sich in einem Labyrinth?», «Welches Labyrinth baust du?» oder «Was versteckt sich im Labyrinth?» gingen die Prolog-Forscherinnen und Forscher nach. Auf diese Weise entdeckten die Lehrpersonen Fährten und Wege, welchen sie in den theatralen Prozessen mit ihren eigenen Klassen folgen können.

Sicher ist: Die Prolog-Expeditionistinnen und Expeditionisten hatten den Mut den Gang in das Labyrinth, weg von ihrer gewohnten Welt, mit Neugier im Gepäck auf sich zu nehmen. Wir sind überzeugt, dass sie den Ausgang (oder die Mitte?) mit vielen neuen Erfahrungen finden werden.

Text: Valeria Blum (Studentin Spezialisierung Theaterpädagogik)